Kunstmessen - Trends

Die härteste Tür hat noch immer Basel

Ein aktueller Report über Zulassungsverfahren, Trends und Kosten der wichtigsten internationalen Kunstmessen – und in unserer Bilderstrecke finden Sie alle Daten und Zahlen im Überlick.
Der Kampf um die Kojen:Zulassungsverfahren, Trends und Kosten der Messen

Spieglein, Spieglein an der Wand – wo ist die beste Kunstmesse im ganzen Land?

Es wird ein heißer Herbst: Auf der Jagd nach neuen Käufern bewerben sich immer mehr Galeristen für die Messen in Shanghai, London und Miami. Ob ein Händler einen der begehrten Kojenplätze erwischt, liegt freilich in der Macht strenger Auswahlkomi­tees, und eine Ablehnung hat häss­liche Folgen.

11020
Strecken Teaser

So unterbrach eine bittere Überraschung bei der Greene Naf­tali Galerie die Vorbereitungen auf die "Art Basel": Der New Yorker Händler bekam eine Absage – wie allgemein üblich ohne Begründung. Greene Naftali zählt da­mit zu über 700 Anwärtern, die dieses Jahr keine der begehrten 300 Kojen zugeteilt bekamen, und das, obwohl die Galerie dort 2007 exzellent ver­kauft hatte. "Die Nachricht kam unerwartet", gibt der Pressesprecher zu: "Wir repräsentieren viele New Yorker Künst­ler wie Rachel Harrison und Jacqueline Humphries. Es wäre wichtig gewesen, sie den europäi­schen Sammlern vorzustellen." Als langjähriger Art-Basler spürt die Galerie schmerzliche Nebenwirkungen: Die schnell entschlossenen Vom-Hörensagen-Käufer bleiben ebenso aus wie das "ernsthafte Geld", das "serious money" vieler europäischer Sammler. Der Ruf ist angeknackst, und die enttäuschten Künstler schauen sich möglicherweise nach Repräsentanzen mit Messegarantie um.

Bei einer Rekordzahl von über 1000 Anmeldungen hat die "Art Basel" für Galeristen die härteste Tür der Welt. Victor Gisler von der Zürcher "Mai 36 Galerie" beurteilt seit zwölf Jahren die Bewer­bungen. Über einen Monat lang sichtete er die Exposés. "Dies­mal überzeugte uns die New Yorker Galerie Jack Shainman mit dem Porträtfotografen Ma­lick Sidibé aus Mali – ein Mehrwert für die Messe", erklärt Gisler. "Aber auch junge Galerien, die knapp am Urteil der Jury scheitern, haben noch Chancen." So wie die New Yorker Galerie Boesky, die fünf Jahre auf der Warteliste stand. "Die Nachrücker haben wir genau im Blick", sagt Gisler, "wir tasten jährlich rund 300 Galerien nach ihrem Art-Basel-Potenzial ab."

Globalisierung ist ohnehin der deutlichste Messetrend

Die Leiterin der erfolgreichen Wiener Galerie Krinzinger hat dagegen keine Einlassprobleme. Ursula Krinzinger absolviert einen rekordverdächtigen Messedauerlauf, obwohl jede Beteiligung durch Flug-, Transport-, Übernachtungs- und Standkosten mit 40 000 bis 70 000 Euro zu Buch schlägt. Elf Termine stehen für 2008 im Kalender: Arco, Art Dubai, Armory Show, Art Brussels, Viennafair, Maco México, Art Basel, ShContemporary, FIAC, Frieze und Art Basel Miami ­Beach. "Bei der kleinen Samm­lergemein­de hierzulande bleibt einem gar nichts anderes übrig, als ins Ausland auszuweichen", sagt die Händ­lerin. Natürlich ist sie auch in Shanghai dabei, wenn dort der Direktor Lorenzo Rudolf kurz nach der Abreise der Olympioniken rund 130 Top-Galerien aus dem asiatisch-pazifischen Raum, aus Europa und den Vereinigten Staaten auf der ShContemporary versammelt. Gerade haben sich auch Karsten Greve und Lehmann Maupin angemeldet. Sie alle lockt die rasant ansteigende Zahl kaufkräftiger Asia­ten. "Jede Messe braucht ihre ei­gene Identität", meint Lorenzo Rudolf: "Wir bauen der asiati­schen Kreativität eine Brücke in den internationalen Markt."

Die Globalisierung ist ohnehin der deutlichste Messetrend. Im Februar hofften die spanischen Händler auf Privilegien bei der "Arco" in Madrid. Doch die Direktorin Lourdes Fernández ließ nur rund 70 von ihnen zu; 2002 waren es 95 gewesen. Dafür rückte sie Gastländer ins Rampenlicht: dieses Jahr Brasilien, 2009 Indien. Auch Sabrina van der Ley, die zum letzten Mal als Chefin des Berliner "Art Forums" antritt, setzt auf 30 neue Teilnehmer, darunter Mirchandani + Steinruecke aus dem indischen Bombay.

Eine ganz andere Nische besetzt die "abc – Art Berlin Contemporary"

Erstmals auf der Londoner "Entdeckermesse" Frieze dabei sind die Galerien XL aus Moskau, magical Artroom aus Tokio und die GallerySke aus Bangalore (Indien). Außerdem sponsern die Gründer Amanda Sharp and Matthew Slot­over die Debüts der Galerien PiST aus Istanbul und Appetite aus Buenos Aires. Die Scope expandiert 2009 nach Spanien, China und in die Arabischen Emirate. Und: Im Komitee der "Art Statements" in Basel sitzt neuerdings auch eine Chinesin von der erstmals zugelassenen Galerie Beijing Art Now.

Ebenso umkämpft wie Art Ba­sel, Frieze und Art Basel Miami Beach sind Volta, Scope und volle 23 Satellitenevents von A wie Aqua bis Z wie Zones in Miami. Diese vielen Soloschauen, die von der New Yorker Nada, der New Art Dealers Alliance, in Miami ge­zeigt werden, sind ideal, um hier vor allem junge Künstler zu präsentieren. Davon profitiert auch die Berliner Galerie Jan Wen­trup. "Nada lohnt sich für uns", erklärt Tina Wentrup, "weil wir in Miami wichtige Sammler wie etwa die Rubells haben."

Eine ganz andere Nische besetzt die "abc – Art Berlin Contemporary" im kommenden September im Alten Postbahnhof. Die Initiatoren, größtenteils aus dem Kreis des Gallery Weekend, laden ein, statt Bewerbungen zu sichten. Und zwar Galerien, die sich "um die Berliner Kunstszene verdient gemacht haben", so Ariane Beyn, die künstlerische Leiterin: "Wir sind keine Messe. Wir wollen in erster Linie auf die tollen Berliner Künstler aufmerksam machen." Es wird auch keine Kojen geben, keine Preislisten – und auch keine Malerei.