Kunstwochenende - München

Kunst, Spass und Spannung

Das Kunstwochenende ist zu einem wichtigen Hot Spot der Münchener Kunstszene geworden. Im Gegensatz zu den rar gesäten Gruppenausstellungen, zeigten die 19 Galerien zumeist einzelne Künstler.

Ein langes Wochenende mit Kunst, Gesprächen, Führungen, aber auch mit Spiel, Spaß und Spannung boten 19 Münchner Galerien ihrem Publikum.

Der gemeinsame Ausstellungsrundgang hat sich inzwischen neben dem Saisonauftakt Open Art im September zu einem zweiten wichtigen Termin in der Münchener Kunstszene entwickelt. Einige Galerien starteten mit ihrem Programm bereits am Donnerstagabend. So eröffnete die Galerie Klüser mit einer fulminanten Show der Künstlerin Jorinde Voigt gleich an zwei Standorten. Zu sehen waren großformatige Zeichnungen, in denen sie eigentlich schwer verdauliche natur- und geisteswissenschaftliche Fragestellungen in eine unerhört leichte und ästhetisch ansprechende Bildersprache überträgt.

Das Kunstwochenende entstand 2010 auf Initiative einiger führender Münchner Galerien und setzt auf die Synergien mit der etwa gleichzeitig stattfindenden Kunstmesse Highlights, die internationale Sammler nach München lockt. In diesem Jahr findet sie erstmals in einer Leichtbauhalle in einem Innenhof der Münchner Residenz statt und überzeugt die Kritiker und das Publikum wieder einmal sowohl hinsichtlich der Qualität des Warenangebots als auch der Präsentation.

Gleich in nächster Nähe in der Residenzstraße hat der Galerist Fred Jahn einen zweiten Showroom eröffnet, in dem er Arbeiten der portugiesischen Künstlerin Paula Rego zeigt. Die Galerie Karl Pfefferle präsentiert Carsten Fock mit expressiver gestischer Malerei und subtilen am Gegenstand orientierten Zeichnungen. Wie in einem Hitchcock-Film fühlt man sich in der Galerie Andreas Grimm. Fumie Sasabuchi hat ambivalente Frauenfiguren aus der Filmgeschichte auf Spiegeln verewigt oder lässt sie in ihren Gemälden in düsteren Settings hinter Rauchschwaden oder langen Schatten verschwinden. In der Galerie Barbara Gross diskutierte Okwui Enwezor, Direktor des Hauses der Kunst, mit dem konzeptuellen kubanischen Künstler Carlos Garaicoa, der ein Architekturmodell seines Instituts aus Glasscheiben und Magneten geschaffen hat. Jedoch ist nicht dieses gleichzeitig monumentale und fragile Objekt das Highlight der Schau, sondern ein Modell der Deutschen Bank aus Gold in einem Safe, das von einem grimmig aussehenden Wärter bewacht wird.

Die Galerien konzentrieren sich mit wenigen Ausnahmen vorwiegend auf Einzelausstellungen. Dagegen kuratierte die Galerie Sabine Knust eine Gruppenausstellung als Hommage an das legendäre Black Mountain College mit Arbeiten von Künstlern wie Buckminster Fuller, Merce Cunningham oder John Cage. Und Rüdiger Schöttle präsentiert in seiner Galerie mit Fotografien von Andreas Gursky und Jeff Wall zwei Heroen der jüngeren Kunstgeschichte.

Neben der intellektuellen Auseinandersetzung mit der Kunst war an diesem Wochenende aber auch für Spaß und Unterhaltung gesorgt. So trat Georg Fuchssteiner, der in der Galerie Matthias Jahn Malerei zeigt, auch dort mit seiner Band auf. Dabei begeisterte er mit dem Konzert aus Poetry Slam, Improvisation und Dekonstruktion das Publikum fast genauso wie mit seinen Bildern. Nusser & Baumgart präsentiert mit Benjamin Bergmann einen bereits gut bekannten Münchner Künstler mit neuen Skulpturen von Alltagsgegenständen aus Aluminiumguss. Wie eingefroren wirken die Objekte in den hell erleuchtenden Räumen der Galerie. Am letzten Tag veranstaltete er im Hinterhof ein Tischtennisturnier, bei dem unter allen Teilnehmern eine seiner Arbeiten verlost wurde. Zum Schluss durfte sich eine Gewinnerin über eine Version der Edition "Zwei zu eins" aus Gips in Form eines Tischtennisschlägers mit zwei Bällen freuen.