Essl-Auktion - London

Und fertig

Die Sammlung des Unternehmers Karlheinz Essl galt manchen bereits als österreichisches Nationalheiligtum. Finanzielle Schwierigkeiten seiner Baumarktkette veranlassten den Sammler jedoch, sich von einem Teil der Kunst zu trennen. Nun kamen 44 Arbeiten bei Christie's in London unter den Hammer.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Um Karlheinz Essls schwer angeschlagene Baumarktkette BauMax AG zu retten, sollte der österreichische Staat die im Verlauf von mehr als 40 Jahren angelegte Sammlung kaufen. Dieser lehnte ab, trotz eines, wie gemunkelt wurde, "Schnäppchenpreises" von 84 Millionen Euro. Die Gläubiger wurden inzwischen zumindest teilweise abgegolten, als der Industrielle Hans Peter Haselsteiner 60 Prozent der Sammlung übernahm und 40 Prozent bei der Familie verblieben.

Nun also die Versteigerung eines Konvoluts des 1700 Kunstwerke umfassenden und auf etwa 120 Millionen Euro geschätzten internationalen Teils der Sammlung, dem Christie's den lapidaren Titel "Essl: 44 Arbeiten" verpasste. Die Auswahl der Werke hatten die Experten des Auktionshauses selbst getroffen. 42 Arbeiten waren es zunächst, doch dann wurden auf ausdrücklichen Wunsch des Sammlers noch zwei österreichische Künstler hinzugefügt – eine Arbeit auf Papier von Friedensreich Hundertwasser und das 1986 entstandene Gemälde "Zwei Maler, drei Leinwände" von Maria Lassnig. Neben internationalen bilden die österreichischen Künstler mit 3200 Werken den Großteil der Sammlung.

Die Liste der Lose in London liest sich wie die der meisten Auktionen von Kunst der letzten 50 Jahre: Lucio Fontana und Cindy Sherman, Pierre Soulages und Juan Munoz, Michelangelo Pistoletto und Andreas Gursky. Wenn da nicht die 16 Arbeiten der deutschen Malerfürsten wären – Georg Baselitz, Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Sigmar Polke und Gerhard Richter, dessen abstraktes Gemälde "Netz" (1985) mit sieben bis zehn Millionen Pfund (8,8 bis 13 Millionen Euro) auch das Toplos war. Auf ihr Abschneiden war man vor allem gespannt, und da lenkte auch die Tatsache nicht ab, dass Christie's, so bestätigte Europa-Chef Jussi Pylkkänen, dem Einlieferer vorab eine Garantie erteilt hatte. Über die Höhe hüllte er sich in Schweigen, doch normalerweise entspricht die zumindest dem unteren Schätzwert, in diesem Fall also etwa 40 Millionen Pfund (50 Millionen Euro). "Wir wollten dabei helfen, den Fortbestand des Essl-Museums in Klosterneuburg sicherzustellen", sagte Auktionator Pylkkänen nach der Auktion, die er als bisher wertvollste Versteigerung einer Sammlung zeitgenössischer Kunst in London bezeichnete.

Warum also stellte sich im Auktionssaal trotz des Rummels und der Begeisterung im Vorfeld keine Spannung ein? Lag es vieleicht daran, dass Christie's erst relativ spät klargestellt hatte, dass Käufer aus EU-Ländern neben der Käuferprämie auch noch 20 Prozent Mehrwertsteuer berappen mussten? Los Nummer eins, eine Eisenplastik von Antony Gormley, ging wie eine Rakete nach oben: mit 1,25 Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) erzielte es mehr als das sechsfache des höheren Schätzwertes von 200 000 Pfund. Doch danach ging alles relativ unaufregend über die Bühne, keine wirkliche Enttäuschung, aber auch keine Höhepunkte. Einige der Malerfürsten machten gutes Geld, allen voran Sigmar Polke, dessen fünf eingelieferte Werke mehr als 15 Millionen Pfund (20 Millionen Euro) einspielten. Baselitz' überlebensgroße Holzplastik "Meine neue Mütze" von 2003 erzielte mit 1,25 Millionen Pfund (1,6 Millionen Euro) einen Rekord für eine Skulptur des Künstlers. Richters Toplos "Netz" blieb allerdings, zum Erstaunen vieler, während der Auktion unverkauft. Christie's gelang es dennoch, das Werk im Anschluss an die Auktion für 5,5 Millionen Pfund an einen amerikanischen Sammler zu verkaufen.

Karlheinz Essl zeigte sich mit dem Gesamterlös von 46,8 Millionen Pfund (59,4 Millionen Euro) äußerst zufrieden. In einer nach der Auktion abgegebenen Stellungnahme äußerte er sich erfreut darüber, "dass der Erlös der überaus erfolgreichen Auktion es uns ermöglichen wird, das Essl Museum auf Jahre hin zu sichern". Noch ist allerdings immer nicht so ganz klar, wieviel von dem Geld nun wirklich dem Museum zugute kommen wird, und wieviel zur weiteren Befriedung der Gläubiger abgezweigt wird.

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