Essl-Sammlung - Verkauf geplatzt

Die Kunst verschmäht, der Baustoff bröckelt

Die österreiche Kunstszene zeigt ihr hässliches Gesicht. art-Korrespondentin Almuth Spiegler kommentiert die Ablehnung, die Sammlung Essl zu kaufen.
Hässliche Kunstszene:Die Essl-Kunstsammlung findet keinen Abnehmer

Dem Sammlerpaar Agnes und Karlheinz Essl ist wohl das Lachen vergangen. Die Essl- Kunstsammlung findet keinen Käufer, das Überleben der Baumarktkette BauMax bleibt ungewiss

Ein kurzer Spuk, aber ein Spuk: Einige Wochen zeigte die Wiener Kunstszene ihr hässlichstes Gesicht, als Karlheinz Essl, der in finanzielle Schwierigkeiten geratene Baumarkt-Unternehmer, sein Lebenswerk dem Staat zum Kauf anbot. Über 4000 Werke österreichischer Gegenwartskunst und internationaler Blue-Chip-Künstler wie Neo Rauch, samt einem bestens eingeführten Museum in Klosterneuburg sollten das Überleben seiner Baumarktkette sichern. Hätte er doch goldene Kloschüsseln gesammelt! Gebt lieber uns die Millionen, schrien die Künstler, die er nicht gesammelt hatte. Mittelmäßig, schrien die Galeristen, die Essl immer im Preis gedrückt oder schlicht ignoriert hatte. Haben wir schon, schrien die Bundesmuseumsdirektoren, die sonst über zu wenig Ankaufsbudget jammern. Brauchen wir nicht, sagte der Landespolitiker, der sich lieber selbst als Mäzen geriert. Ein absurdes Schauspiel.

Statt zu jubeln, dass ein neuer Kunstminister überhaupt zu überlegen bereit ist, in Zeiten der größten Bankenpleite der österreichischen Geschichte, Millionen für die Kunst aufzutreiben, riet der Großteil der Kunstszene tatsächlich ab vom Kauf. Natürlich waren die Forderungen Essls überzogen. Aber man hätte verhandeln, weiterdenken können, gar endlich wieder in Richtung einer Bundesstiftung zur Förderung für Gegenwartskunst. Aber nein. Lieber gar kein Geld, als Geld für Essl. Und so ist es jetzt auch. Essl zog sein Kaufangebot zurück. Ein kurzer Spuk. Aber ein umso hässlicher.