Christine Gräfin von Adelmann - Fine Art Fair Hamburg

Interesse an neuen Gebieten wecken

Die Kunstmesse "Fine Art Fair" präsentiert vom 24. bis zum 28. September Werke von der Antike bis zur Gegenwart im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Unter dem Motto "Crossover" werden zeitgenössische Werke mit Objekten der Antike und des 18. Jahrhunderts, klassische Moderne mit außereuropäischer Kunst und Altmeister mit zeitgenössischer Fotografie konfrontiert. art sprach mit der Organisatorin Christine Gräfin Adelmann von Adelmannsfelden über Antiquitäten, zeitgenössische Kunst – und den Messestandort Hamburg.
"Interesse an neuen Gebieten wecken":Interview mit Christine Gräfin von Adelmann

Adel verpflichtet: Christine Gräfin von Adelmann, Organisatorin der Hamburger Fine Art Fair

Frau von Adelmann, die deutschen Kunstmessen jammern, Sie expandieren. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Christine Gräfin von Adelmann: Wir haben die Ausstellungsfläche im Jahr 2005 auf 600 Quadratmeter erweitert, seitdem sind wir konstant, da momentan auch gar keine Erweiterungsmöglichkeiten im Museum für Kunst und Gewerbe vorhanden sind – bedingt auch durch Renovierungsarbeiten im Haus.

Wir haben aber Anfragen von erstklassigen, internationalen Händlern und würden uns gerne um zwei bis drei Aussteller vergrößern. Unser "Erfolgsgeheimnis" ist sicherlich diese Begrenzung – in unserem Fall auf allererste Qualität – ein attraktives Umfeld, in diesem Fall das Museum, und keine Kompromisse bei der Qualität und Auswahl der Aussteller. Zudem die Öffnung zu Themen wie Design und zeitgenössischer Kunst, ein besonderes Augenmerk auf ein jüngeres Publikum – und ohne dabei die klassischen Bereiche zu vernachlässigen.

Zum ersten Mal beteiligt sich bei der diesjährigen Fine Art Fair eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Ein Schritt in Richtung zeitgenössische Kunst?

Nein, wir wenden uns in diesem Jahr mit unserem Thema "Crossover" an die Personen, die bereits zeitgenössische Kunst sammeln und mit ihr leben, und wir wollen zeigen, wie sich diese mit "alter" Kunst wunderbar kombinieren lässt, wie zum Beispiel mit Objekten der Antike, oder auch Einzelstücken aus dem 18. Jahrhundert. Es geht uns darum, die dadurch entstehende Spannung und Wechselwirkung zu zeigen.

Ein paar Zahlen, bitte: Wie viele Bewerber gibt es? Wie viele Galerien nehmen teil? Wie viele Besucher kommen im Schnitt?

Wie schon erwähnt, neue Bewerbungen gibt es viele, aber solche die für uns in Frage kommen, liegen bei zwei bis drei. Auf Grund der Gegebenheiten im Museum und den 600 Quadratmetern können wir maximal 20 Aussteller einladen. Die Besucherzahl steigt von Jahr zu Jahr, 2007 waren es mehr als 5000. Und die Zusagen zur Eröffnung in diesem Jahr zeigen ein enormes Interesse.

Ihr Kommentar zum Kunststandort Hamburg: Wie kauffreudig ist denn eigentlich der Hamburger? Und wie ist die Lage im Vergleich zu anderen Kunstmessen?

München, die Stadt mit der ältesten Kunstmesse Deutschlands, hat natürlich als frühere Residenzstadt eine andere Tradition, was Kunsthandwerk und entsprechende Sammlungen und den lebendigen Umgang damit betrifft. Doch Hamburg hat wunderbare Sammlungen, eine spannende Kulturlandschaft und einen hohen Qualitätsanspruch. Was mir weniger entwickelt erscheint, ist das Leben mit den Objekten, das Gestalten der Räume mit Sammlungsstücken verschiedenster Art und die Freude an der Darstellung in wechselnden Zusammenhängen.

In welchem Preissegment bewegen sich denn die gezeigten Arbeiten?

Es gibt einiges unter 1000 Euro, wie zum Beispiel im Bereich der Zeichnungen und Fotografien – und auch beim Schmuck gibt es Erschwingliches. Das teuerste Objekt war im Vorjahr ein Picasso für 4,5 Millionen, in diesem Jahr gibt es zum Beispiel ein neu entdecktes Möbel aus der Roentgen-Manufaktur für 580 000€ Euro. Preise sind das Spiegelbild seltener und handwerklich bedeutender Objekte, und wir möchten die Besucher der Messe ermuntern, nach Preisen und deren Zustandekommen zu fragen, und wir beziehen das Thema der Preisentwicklung immer in unsere Führungen und Gespräche mit ein.

Sie zeigen Möbel, Schmuck, Porzellan und Gemälde – welcher Bereich erfreut sich denn der größten Beliebtheit?

Schmuck und Fotografie, die wir seit dem letzten Jahr zeigen, wecken sicherlich viel Neugier. Erfahrungsgemäß gehen die Besucher durch alle Bereiche, und wir freuen uns, wenn dadurch Interesse an neuen Gebieten geweckt wird. Das wird unterstützt durch unser Sonderthema, im letzten Jahr "Design des 20. Jahrhunderts", in diesem Jahr "Contemporary Art" mit der Berliner Galerie Rafael Jablonka.

Und können Sie uns schon etwas zu den diesjährigen Höhepunkten erzählen?

Für mich ist es ein großformatiges Bild von Alex Katz, dass eine Meerlandschaft in Maine zeigt, ich könnte mir vorstellen, dass dies auch in Hamburg auf reges Interesse stößt. Dann das genannte, bislang unbekannte Möbel aus der Manufaktur-Roentgen aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls neu entdeckt: Möbel aus den dreißiger Jahren des damals berühmten Architektenduos Asnagi & Vender.

Kurz zu Ihnen: Nach Ihrem Studium haben Sie als Assistentin in einem Auktionshaus gearbeitet, danach als PR- und Marketing-Referentin für einen internationalen Juwelier, und danach waren Sie bei Sotheby's. Woher kommt Ihre
Lust und Liebe zur Kunst?


Vielleicht gibt es dafür ja ein Gen. Ich erinnere mich, wie mein Vater mich als Kind häufig zu seinem Restaurator mitnahm, und diese Welt der alten Objekte, die Gerüche, die Arbeit an den Objekten und die Liebe zu diesen Dingen haben einen starken Eindruck bei mir hinterlassen.

Und wie kam es dazu, dass Sie die Hamburger "Fine Art Fair" übernommen haben?

Eine Freundin hatte die Messe zwei Jahre lang organisiert. Und da sie ein anderes interessantes berufliches Projekt annehmen wollte, fragte sie mich und so übernahm ich dann die Organisation im Jahr 2004.

Und zum Abschluss: Was sind Ihre Ziele, Wünsche, Träume für die nächsten zehn Jahre "Fine Art Fair"?

Dass Deutschland, und auch Hamburg, einen wichtigen Platz im internationalen Kunsthandel einnehmen wird. Dafür müssen die Kräfte sicher überregional gebündelt, die Grenzen zwischen alter und neuer Kunst durchlässiger werden, und es muss ein internationales Publikum angesprochen werden – aber das ist ja schon auf einem guten Weg.

"Fine Art Fair"

Termin: 24. bis zum 28. September, Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg.
http://www.fine-art-fair.de/