Andrea Preiss - Aktfotografie

Sex sells

art im Gespräch mit der Wiener Sammlerin Andrea Preiss, die im vergangenen Jahr die Online-Galerie PhotographersLimitedEditions.com gründete, um Fashion-, Celebrity- und Aktfotografie in exklusiver und streng limitierter Auflage einem größeren Publikum näher zu bringen. Roxanne Lowit, Rankin, Arthur Elgort oder Bruno Bisang gehören zu den besten Fotografen der Welt – und art präsentiert die Höhepunkte. Dazu kommentiert Andrea Preiss Zitate über Aktfotografie von Günter Rinnhofer, Terry Richardson, Helmut Newton und Bettina Rheims.
Sex sells:Das Interview mit der Wiener Sammlerin Andrea Preiss

Rankin, "Sofasexy", 2002. Lambda-Print. 2500 Euro. Edition: 25

Günter Rinnhofer: "Ein Aktfoto ist dann gut, wenn das Modell es beim Geburtstag der Großmutter am Kaffeetisch rumzeigt und die Anwesenden es gut finden."

Andrea Preiss: Ein gutes Aktbildern lebt aus der künstlerischen Ästhetik und nicht aus dem spekulativen Voyeurismus. Wenn die Formen und die Persönlichkeit im Vordergrund stehen, dann ist der Akt gelungen.

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Strecken Teaser

Das hat dann auch nichts mit Pornografie zu tun. Man spürt sofort, ob eine gewisse Aggressivität in den Bildern liegt. Wobei es da mit Terry Richardson und Helmut Newton natürlich auch bewusste Grenzüberschreitungen gibt. Diese Form der Fotografie bewegt sich auf einem schmalen Grat, der sich im Auge des jeweiligen Betrachters verschiebt. Die Großmutter von Terry Richardson hat da vermutlich einen anderen Zugang als die von Alice Schwarzer.

Terry Richardson: "Ich begriff, dass man sein Leben abfotografieren muss. Nicht irgendeinen konstruierten Modedreck, sondern das harte, nackte, eigene Leben."

Andrea Preiss: Ja, das kann ich nachvollziehen. Seine Bilder haben etwas sehr Ehrliches, Gerades, Direktes. Manche wollen die Realität verschönern und fühlen sich damit dann wohler – und manche, wie Richardson, finden die Realität schön und zeigen sie wie sie ist. Wobei natürlich nicht alles so pur und real bei Richardson ist, wie es scheint, vieles ist überzeichnet und inszeniert, aber dabei sehr kraftvoll und kreativ. Und das ist wichtig, denn es gibt so viele Bilder, die sieht man gar nicht! Man schaut hin und ist mit den Augen schon wieder beim nächsten. Das sind Arbeiten, die nichts hinterlassen, weil sie nicht ausdrucksstark sind. Ein gutes Bild muss sich also erst einmal meine Aufmerksamkeit verdienen, es muss mich irgendwie berühren. Alles andere bleibt austauschbar, und das würde ich mir auch nie an die Wand hängen.

Helmut Newton: "Meine Frau weiß, dass ich Models so ansehe wie ein Bauer seine Kartoffeln. Ich bin Feminist!"

Das glaube ich Newton aufs Wort: Nur ein Bauer, der seine Kartoffeln liebt, kann auch hervorragende Ernte einfahren – und muss dabei aber nicht Vegetarier sein. Kurz gesagt: Ich bin davon überzeugt, dass er an seiner Arbeit schon sehr viel männlichen Gefallen hatte. Und er hat die Frauen sicherlich geliebt – sonst kann man Frauen so nicht darstellen. Das ist wahrscheinlich eher ein Feminismus mit den Augen eines Mannes.

Bettina Rheims: "Ich mache Fotos mit Frauen und für Frauen. Ich habe den Körper der Frauen immer geliebt: Er ist wie eine Landkarte von imaginären Ländern."

Andrea Preiss: Bettinas Fotos sind für den Betrachter jedes Mal eine Herausforderung – ihre Inszenierung ist direkt, ohne Filter, aber mit einer starken Botschaft, die sich dem Betrachter oft erst entschlüsselt wie die Entdeckungsreise an einen unbekannten Ort. Aber wie heißt es: "Der Weg entsteht beim Gehen".

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