Vip Art Fair - Erste Online-Messe

Ein frustrierender Start

Mit technischen Problemen beginnt die erste Online-Messe für Kunst. Trotzdem zeigt die Schau ihre Stärken – mit Arbeiten, die für eine normale Messe einen logistischen Alptraum bedeuten würden
Digitaler Hindernislauf:digitaler Hindernislauf bei erster Online-Messe

Die Galerie Gagosian beim virtuellen VIP Art Fair

Draußen vor der Tür herrschten am New Yorker Herald Square unfreundliche Minusgrade, als James Cohan den Gästen der Eröffnungsparty seiner VIP ("Viewing in Private") Fair einen guten Messebesuch an ihrem Computer, "ob im Pyjama oder in Prada", wünschte. Stolz meldete Cohans VIP-Team 20.000 Website-Gäste und zählte die Stunden bis zum virtuellen Opening der weltweit ersten Online-Kunstmesse. Die Zahlen versprachen Großes: 138 Galerien aus 30 Ländern sollen 7500 Arbeiten von 2000 Künstlern zeigen.

Mit 50 Werken im Wert von mehr als einer Million Dollar und 100 Arbeiten, die weniger als 5000 Dollar kosten, sollte für jede Preisklasse etwas dabei sein. Und so machten sich am Samstag Morgen Kunstfreunde aus aller Welt auf zum Messebummel – um mehr oder weniger vor verschlossenen Türen zu stehen.

Wer das Internet sowieso nicht besonders schätzt, lernte in diesen Stunden, es zu hassen. Viele hatten bereits beim Einloggen Probleme. Es dauerte Ewigkeiten, bis sich Seiten aufbauten. Ständig wurde man wieder von der Site geworfen. Suchfunktionen waren nutzlos. Desaster titelte ein kanadischer Kunst-Blog. Die Kollegen vom Blog des US-Magazins „Art & Auction“ verglichen das ehrgeizige Projekt mit dem Untergang der Titanic. Ansonsten blieb es eigenartig still um die Veranstaltung. Die Schattenseiten der virtuellen Welt, in der man nun mal nicht mit eigenen Augen sehen kann, ob Kojen gut besucht sind, wurden offen gelegt. Wie die in New York ansässige Kunstberaterin Tanja Weingärtner, die sich bereits am frühen Morgen für ihre Kunden umschauen wollte und von diversen Galerien einen VIP-Pass erhalten hatte, der ihr ermöglichte, mit dem Verkaufsteam zu chatten, gaben viele in diesen ersten Stunden genervt auf. Das Chatten mit den Galeristen sollte nur phasenweise funktionieren. Man konnte sich nicht sicher sein, ob die Antwort auf eine Frage beim richtigen Empfänger landete. Was bei Preisanfragen und Verkaufstalk eine äußerst delikate Angelegenheit ist. Nach zwei Tagen kam zum großen Ärger aller niemand mehr an seine Nachrichten heran. Auf Grund der technischen Probleme hatte das VIP-Team die Life-Chat-Funktion einfach komplett abgestellt, womit sich die Idee des Kunsthandels im virtuellen Messeraum erledigt hatte. Kommuniziert wurde ab jetzt ganz altmodisch per Email.

Niemand weiß so recht, ob der Ansturm zu groß für den Server war – oder ob die Programmierung ganz einfach versagte.So gut wie das Design aussieht, der erste Messetag sei eine schmerzhafte Enttäuschung mit technischen Schwachstellen gewesen, die voraussehbar erscheinen, meinte die New Yorker Galeristin Yancey Richardson, die auf Fotografie spezialisiert ist und mit ihrem Star Alex Prager eröffnete. Ein frustrierender Start, so auch Bridget Donahue von Gavin Brown's Enterprise. Selbst am zweiten Tag bereitete die Chat-Funktion noch Probleme. Anfragen ließen sich gelegentlich gar nicht versenden. "Wir sind am Verzweifeln, Nachrichten kommen mit ein paar Stunden Verspätung an", textete der New Yorker Kunsthändler Leo König, der mit den Fleisch-Skulpturen von Tony Matelli einen netten Messeschocker präsentierte.

Dabei hatte die VIP Fair viel versprechend geklungen. Top-Galeristen wie David Zwirner, Gagosian, Pace, Hauser & Wirth und White Cube sind dabei. Aus Deutschland meldeten sich Max Hetzler, Johann König, Möller Fine Art, Sprüth Magers, Michael Werner und Thomas Zander an. Händler aus weiten Teilen der Welt wie aus Reykjavík oder Taipeh oder Mumbai stellen sich vor. 20.000 Dollar zahlten die großen Galerien immerhin für ihren Online-Auftritt. Auch wenn jeden Tag mehr als 2000 Arbeiten in den virtuellen Kojen zu sehen waren, verkauft wurde wenig. Und es heißt, dass einige Galerien versuchen, ihr Geld zurückzubekommen.

Dabei kann sich die Qualität der Arbeiten neben jeder anderen Messe sehen lassen. Einige Galerien nutzen die virtuellen Kojen, um Werke zu präsentieren, die sonst einem logistischen Alptraum gleichen. Wie der gewaltige, mit 667 Duftkerzen bestückte Kronleuchter von Koo Jeong-A bei Yvon Lambert, der mit Sandburgen bestückte Billardtisch von MadeIn Company bei James Cohan oder eine Arbeit von Anish Kapoor bei der Galleria Continua aus San Gimignano. Der Schattenriss eines Besuchers hilft, ein Gefühl für die Größe eines Werks zu bekommen. Mithilfe einer Zoom-Funktion kann man Arbeiten genauer begutachten. Die Händler stellen Informationen über den Künstler, manchmal auch Filme, in das Netz. So kann sich auch der nicht vorgebildete Besucher schnell informieren, ohne sich vor dem Galerienpersonal zu blamieren.

Was den virtuellen Besuch von der harten Laufarbeit auf einer gängigen Messe wohltuend unterscheidet, sind die Suchfunktionen, die man auf bestimmte Künstler oder Genres ansetzten kann. Zu den besten Services gehören die Privattouren, die man als VIP-Besucher mit Leuten wie Jason Rubell aus der berühmten Sammler-Familie oder Benjamin Godsill, Kurator vom New Museum in New York, unternehmen kann. Er würde im Internet auch nach Wohnungen oder Dates suchen, sagt Godsill. Kunst nicht online anzusehen hält er für provinziell.Auch Tennis-Star und Ex-Galerist John McEnroe gibt unter dem Titel „Johnny Mac´s Tour” mit Arbeiten von Thomas Hirschhorn, Jürgen Teller, Gelitin oder Hannah Wilke einen Einblick in seinen Kunstgeschmack. So ist erste Ausgabe der VIP Fair ein schöner virtueller Schaukasten. Geschäfte werden noch woanders gemacht.

VIP Art Fair

noch bis 30. Januar
http://vipartfair.com/