Joburg Art Fair - Kunstmesse

Afrika im Aufwind

Vier Tage lang war in Johannesburg die Kunst des Kontinents versammelt: Die Joburg Art Fair (13. bis 16. März) überraschte mit erstaunlicher Qualität – und präsentierte große Namen wie William Kentridge, Romuald Hazoumé und Robin Rhode

Die Eröffnung der Messe glich einer Silvestergala in einem Fünf-Sterne-Hotel: Erst marschierten Hunderte Kellner in die Halle des Convention Center in Sandton, dem Financial District Südafrikas, stapelten Weinglaspyramiden und reichten Häppchen. Dann flatterten die geladenen Gäste in Designerkleidern und afrikanischen Gewändern, mit blonden Strähnen und Dreadlocks wie Paradiesvögel durch die Gänge und schauten neugierig, was die erste Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst zu bieten hatte.

Wer sich schon in afrikanische Kunst eingesehen hat, entdeckte einige Bekannte: die Hyänen-Männer von Pieter Hugo bei der New Yorker Michael Stevenson Gallery, Kanister-Masken des Documenta-Künstlers Romuald Hazoumé an den Stellagen der Londoner October Gallery (9400 Euro) und Zwelethu Mthethwas Fotoserien von Wanderarbeitern aus Mosambik bei Jack Shainman aus New York (9000 Euro), außerdem Fotografien von Santu Mofokeng und David Goldblatt.

Linda Givon, seit 1966 Leiterin der Goodman Gallery und Grand Dame der südafrikanischen Kunstwelt, verkaufte viele ihrer Spitzenwerke schon beim Pre-Preview an Manager und Vorstände aus Johannesburg, Kapstadt und Durban: ein plattencovergroßes Aquarell von Marlene Dumas, dessen Preis sie nicht verriet, und ein Bronzepferd von Superstar William Kentridge (27 000 Euro). Diese frühen Verkäufe sind vor allem das Verdienst von Ross Douglas. Der Leiter der Messeorganisation Artlogic hatte neben südafrikanischen Wirtschaftsbossen auch potenzielle Sammler aus dem Ausland einfliegen lassen, weil er befürchtete, dass "viele kommen, aber niemand kauft". Von Zurückhaltung war jedoch auf der Vernissage nichts zu spüren. Vor allem Fotokunst, die in Afrika eine lange Tradition hat, fand zu Preisen von 800 bis 12 000 Euro Abnehmer, darunter auch drei Arbeiten von Hasan und Husain Essop (800 Euro). Die jungen Zwillingsbrüder kommentieren auf ihren digitalen Fotocollagen augenzwinkernd den Islam. "Die Arbeiten der beiden nehme ich mit nach Basel", sagt Linda Givon und verrät noch: "Ich will nach London expandieren. Afrika braucht eine stärkere Repräsentanz."

Für eine Erstlingsmesse war die Joburg Art Fair hochkarätig besetzt. Ross Douglas hatte 22 Galerien eingeladen, die beinahe ausschließlich Arbeiten aus Afrika präsentieren, darunter große Namen wie Michael Stevenson aus Kapstadt und absolute Newcomer wie die experimentelle Kapstadter Galerie Whatiftheworld. Sein Ziel ist, Südafrika als Handelszentrum für die neue Kunst des Kontinents zu positionieren, den heimischen Markt anzukurbeln und neue Käuferschichten zu gewinnen. Keine leichte Aufgabe, angesichts der starken Arbeitslosigkeit, massiver Armut und der wohl höchsten Kriminalitätsrate der Welt in Johannesburg, wo man selbst tagsüber nicht zu Fuß gehen sollte. Außerdem fehlt vielen Südafrikanern, die den Großteil der Besucher ausmachten, noch der Zugang zur Post-Apartheid-Kunst. Man höre Sätze wie "Why do I want a video for 20 000 Rand (ca. 1600 Euro)? What do I do with it?", sagte Ross Douglas der Lokalzeitung "The Weekender".

"In Südafrika gibt es nur fünf Sammler für junge afrikanische Kunst"

Von Robin Rhode allerdings waren alle begeistert. Der "Streetworker" aus Kapstadt, der seit 2003 in Berlin lebt, hatte sogar einen eigenen Stand, gesponsert von der Perry Rubenstein Gallery New York. Mit Baggy Jeans, Poloshirt und Moustache stand er inmitten seiner Fans, die allesamt einer Benetton-Werbung entstiegen sein könnten, und erzählte mit schwerem Ghetto-Akzent von seinen Projekten. Dazu flimmerte an der Wand seine brandneue Video-Endlosschleife "Empty Pockets", in der ein Mann kopfüber und von chinesischen Harfenklängen untermalt Billard spielt. Verhaltener war die Stimmung bei Joao Ferreira, einer der 15 südafrikanischen Galeristen. Er setzte auf die aufstrebende Künstlerin Bridget Baker, die sich selbst auf ihren Fotoarbeiten in immer neue Umgebungen versetzt und so der Langeweile entflieht (5000-8000 Euro). "In Südafrika gibt es nur fünf Sammler für junge afrikanische Kunst", so der Händler. "Im Moment herrscht hier wohl eine Art Wait and see-Stimmung." Peter Herrmann aus Berlin erntete euphorische und konsternierte Reaktionen für seinen Stand, vor allem für die erotisch-provokativen Gemälde der algerischen Künstlerin Louzla Darabi (18 000 Euro).

Schwach war dagegen die von Simon Njami kuratierte Sonderschau "As you like it". Hier tauchten auffällig viele Namen auf, die der Kameruner bereits für die Ausstellung Afrika Remix und den Afrika-Pavillon der Venedig Biennale 2007 ausgewählt hatte. Dass er lustlos und mit schwarzer Sonnenbrille durch seine Schau führte, machte es nicht besser.

Dennoch: Zeitgenössische afrikanische Kunst drängt auf den Markt. Weltweit erfolgreiche Künstler wie Marlene Dumas, William Kentridge, Candice Breitz und El Anatsui haben die Szene angeheizt. Die Maler, Videokünstler und Konzeptualisten der Joburg Art Fair zeigen, dass Hautfarbe und Herkunft keine Rolle mehr spielen, sondern einzig die Qualität. Afrikanische Kunst ist nicht mehr nur "afrikanisch", sondern endgültig international.

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