Frieze 2014 - London

Kindergarten und Live-Events

Frieze, die größte englische Kunstmesse hat eröffnet. art-Korrespondent Hans Pietsch verrät die besten Stände und berichtet über die interessantesten Neuerungen, zum Beispiel Frieze Live, ein Format, das der Messe noch mehr Schwung verleiht.

Über Nacht wurde Elizabeth Siddall zu einer der einflussreichsten Personen des internationalen Kunstmarkts.

Die Direktorin von Frieze Masters war von den beiden Frieze-Gründern Matthew Slotover und Amanda Sharp zur Nachfolgerin auserkoren worden, als diese im vergangenen Monat überraschend ihren Rückzug als Direktoren ankündigten. Ab 2015 soll sie als First Lady gleich alle drei Messen (Frieze London, Frieze New York und Frieze Masters) übernehmen. Die beiden cleveren Gründer wollen zukünftig für Frieze "neue Möglichkeiten" ausloten.

Nach zwölf Jahren hat sich die Messe im Londoner Regent's Park ausreichend etabliert, dass sie die Konkurrenz, etwa von der Art Basel, nicht mehr zu fürchten braucht. Trotzdem wird weiter an Verbesserungen gearbeitet. Frieze Masters, die erfolgreiche Schwester für ältere Kunst, die in einem eigenen Zelt in der Nähe untergebracht ist, hatte mit weiten Gängen und gedeckten Farben die Richtung vorgegeben. Verglichen mit dem vergangenen Jahr ist Frieze London also noch ruhiger geworden, alle lassen sich mehr Zeit. Das mag nicht jedem liegen, doch es scheint sich so eingebürgert zu haben. Die richtige Größe mit in diesem Jahr 162 Galerien hat die Messe auf jeden Fall gefunden.

Auch Galerien lassen sich immer wieder Neues einfallen, um der Messemüdigkeit vorzubeugen, der der Besucher, aber auch der eigenen. Großgalerist Larry Gagosian verwandelte seinen Stand in einen Kindergarten, ausgestattet von Carsten Höller. Hauser & Wirth ließ sich von seinem Schützling Mark Wallinger das Behandlungszimmer Sigmund Freuds nachempfinden, mit farbiger Tapete und einer Couch von Rashid Johnson, auf der sich eine nackte Bronzefigur von Louise Bourgeois aufbäumt. Roman Singers "Hocker mit Lampe" beleuchtet rot die Szene. In einer Ecke schläft ein Wärter im Anzug, mit Hundemarke um den Hals. Dank für ihn gebührt Christoph Büchel.

Rembrandt für 30 Millionen Pfund

Noch einen Schritt weiter geht Helly Nahmad. Der junge Spross der berühmten Pariser Händlerdynastie, der als 21-Jähriger 1998 in London seine Galerie eröffnete, baute seinen Stand auf der Frieze Masters zur Wohnung des fiktiven italienischen Sammlers Corrado N. in Paris um. Zeit: 1968. Am Tag arbeitet Corrado an der Börse, abends hört er Musik von Stockhausen und Berio, auf dem Fernseher flimmert Brigitte Bardot, Bücherstapel und Magazine liegen auf dem Boden, in der Spüle stapelt sich Geschirr. Und natürlich Kunst an den Wänden: Ernst und Schwitters, Dubuffet, neben dem Bett eine Giacometti-Plastik, die Morandis und Fontanas hat er wohl aus Italien mitgebracht.

Nahmads Stand lockte die meisten Besucher an, Zweck erfüllt. Ob die allerdings auch etwas kauften, wollte er nicht verraten. Hauser & Wirth war da offener: Johnsons "Daybed" (2012) ging schnell für 90 000 Dollar weg. Ansonsten lief das Geschäft wie üblich gut. Viele Deals wurden, ebenfalls üblich, nur angerissen, um nach Beendigung der Messe festgemacht zu werden. Ob das teuerste Werk beider Messen, das Rembrandt-Porträt eines jungen Mannes, eine der letzten Arbeiten seiner Spätzeit in Privatbesitz, verkauft wurde, stand bei Redaktionsschluss nicht fest. Es ist bei Otto Naumann aus New York für 30 Millionen Pfund zu haben.

Frieze Live brachte zum ersten Mal ein willkommenes Live-Element in die Messe ein, das aber das Thema Nahrungsaufnahme ein wenig überstrapazierte. Die japanischen Brüder Tomoo und Ei Arakawa, die unter dem Namen "United Brothers" Kunst machen, importierten ihre Mutter und ließen sie Suppe kochen. Das verwendete Gemüse stammte aus dem Umfeld des verunglückten Atomreaktors Fukushima. Nicht viele Besucher trauten sich, Mutter Arakawas Suppe zu löffeln. Viele gingen lieber zu Tamara Henderson, die eine Bar gebaut hatte, wie man sie von südländischen Stränden kennt. Dort schlürften sie Cocktails. Oder sie gingen in Mélanie Matrangas Café (für das sie den Frieze Preis 2014 erhielt), wo sie, na ja, Kaffee trinken konnten. Der Amerikaner Michael Smith hat seine 1983 entstandene Bar für einen Atombunker neu errichtet. Dazu konnten sich die Damen bei Londons Galerie Carlos/Ishikawa die Nägel machen lassen.

http://friezelondon.com/

Bis 18. Oktober, Regents Park, London
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