Herbstauktionen - New York

Gemischte Gefühle

Die Kataloge sind so dick wie nie, die Spannung war noch größer als sonst. Durch die Rekorde der Frühjahrsauktionen ermuntert, lehnten sich Sotheby's und Christie's mit Garantiesummen für die New Yorker Herbstauktionen weit aus dem Fenster. Beide Häuser zusammen garantierten die Rekordsumme von einer Milliarde Dollar. Doch dann kam die US-Finanzkrise und drohte, den Auktionshäusern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dennoch blieb der ganz große Knall aus bei den Auftaktauktionen - auch wenn Sotheby's schwächelte

Sotheby's lieferte ein eher enttäuschendes Ergebnis. Erstmals seit zwei Jahren, in denen ein Rekord den anderen gejagt hatte, blieb das Auktionshaus mit Einnahmen von 270 Millionen Dollar (186 Millionen Euro) unter dem erwarteten Umsatz von 355 Millionen Dollar (241 Millionen Euro). Dass Taxen zu hoch angesetzt waren und Werke angeboten würden, die schon seit längerem auf dem Markt seien, war ein Ärgernis für manche Sammler. Das schlechte Ergebnis war nicht folgenlos geblieben: Sotheby´s Aktien sind um 28 Prozent nach unten gegangen. So tief sind die Aktien noch niemals zuvor innerhalb eines Tages gefallen. Hohe Garantien und eine hohe Anzahl unverkaufter Arbeiten bedeuten ein großes Risiko, das sich, so befürchten manche Händler und Finanzanalysten, auf die Auktionen nächste Woche auswirken wird.

Van Goghs „Das Kornfeld“ brachte die Auktion regelrecht ins Stolpern: Der Niederländer hatte die Landschaftsaufnahme 1890 zwei Wochen vor seinem Freitod gemalt. Mit einem derartigen Nimbus aufgeladen, sollte das Bild mindestens 28 Millionen Dollar kosten – und brachte unter eisigem Schweigen im Auktionssaal nicht ein einziges Gebot.
Ein Viertel der angebotenen Werke, darunter Matisse, Braque und Picasso, blieben unverkauft.

Aber natürlich gab es auch Erfolgsmeldungen. Das Gemälde von Paul Gauguin von 1892 („Te Poipoi, Le Matin“), das eine junge Frau mit entblößtem Hinterteil in wenig attraktiver Hockpose zeigt, war die teuerste Arbeit des Abends. Den Zuschlag erhielt der Joseph Lau aus Hongkong für 39,2 Millionen Dollar, der Sammler zeigte als Einziger überhaupt Interesse an dem Bild. Um die Büste von Picassos Geliebter Dora Maar („Tête de femme“, von 1941/1950) stritten sich immerhin fünf Bieter, sie ging für 29,2 Millionen Dollar an den New Yorker Kunsthändler Franck Giraud. Ein Rekord für eine Plastik von Picasso.

Egon Schiele war der gefragte Künstler des Abends. Fünf Arbeiten auf Papier aus der Sammlung des Wieners Christian M. Nebehay brachten 17,9 Millionen Dollar, darunter das letzte Selbstporträt des Künstlers („Selbstbildnis mit kariertem Hemd“) von 1917. Der Hammer fiel bei 11,3 Millionen Dollar, beinahe fünf Millionen mehr als der obere Schätzpreis. Franz Marcs „Wasserfall (Frauen unter einem Wasserfall)“, 1912, setzte mit 20,2 Millionen Dollar einen neuen Rekord.

Christie's hatte die besseren Werke im Angebot, und die Käufer bescherten dem Haus ein entsprechendes Fest: Die Auktion in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal brachte 395 Millionen Dollar ein (241 Millionen Euro) und lag damit über dem erwarteten Mindestergebnis von 348 Millionen Dollar. Sternstunde des Abends, der sich mit 91 Losen endlos in die Länge zu ziehen schien, war das Duell um „L’Odalisque, Harmonie Bleue” (1937) von Matisse. „Was man nicht alles tun muss“, scherzte Auktionator Christopher Burge, der immer wieder neue Gebote herauszukitzeln schien. Er ließ den Hammer schließlich bei einem Rekordpreis von 33,6 Millionen Dollar fallen.

Arbeiten von Pablo Picasso waren an diesem Abend beliebt. „Homme à la Pipe“ (1968) ging für 16,8 Millionen Dollar an den Kunsthändler Larry Gagosian. „Frauenkopf (Dora Maar)“ von 1941 brachte 16,2 Millionen Dollar. Das in nur einem Tag gemalte Porträt seiner Geliebten Jacqueline Roque („Femme accroupie au costume turc", 1955) fand für 30 Millionen Dollar einen neuen Besitzer.

Für acht Künstler, darunter Otto Dix, Camille Pissarro und Alberto Giacometti wurden neue Rekorde gesetzt. Doch auch hier lief nicht alles nach Plan. Christie's hatte einen Rekord für August Mackes „Paar im Wald“ (1912) erwartet. Das von den Nazis konfiszierte Meisterwerk (Mindestpreis 15 Millionen Dollar) fand keinen Käufer.