Auktionen der Zeitgenossen - London

Die Suche nach Qualität

Millionenumsätze bei Christie's und Sotheby's, gedrückte Stimmung bei Philips – die Auktionshäuser bemühen sich um gute Ergebnisse in einem nervösen Markt.

Wie sich die Zeiten ändern! Francis Bacons "Head III" von 1949, geschätzt auf fünf bis sieben Millionen Pfund, verdoppelte auf der Abendauktion bei Sotheby's seinen unteren Schätzwert und erzielte 10,4 Millionen Pfund (12,2 Millionen Euro).

Sechs Bieter trieben sich gegenseitig in die Höhe. Dasselbe Werk wurde bei Bacons allererster Ausstellung 1949 in der Hannover Street Gallery, nur ein paar Straßen entfernt, für 150 Pfund verkauft.

Toplos bei Sotheby's war ein 1966 entstandenes Triptychon von Bacon, auf dem er dreimal sein weibliches Lieblingsmodell Isabel Rawsthorne darstellte. Das auf 10 bis 15 Millionen Pfund geschätzte Werk wurde der Londoner Lefèvre Gallery für 11,28 Millionen Pfund (13,3 Millionen Euro) zugeschlagen. Der anonyme Einlieferer hatte vor neun Jahren beim Konkurrenten Christie's 2,4 Millionen Pfund dafür bezahlt, kein schlechtes Investment.

Nach Ansicht von Sotheby's-Spezialist Alex Branczyk war die Suche seiner Kunden "nach Qualität" erfolgreich. Dazu gehörte auch eine seltene Gruppe von fünf großformatigen Fotos von Aktienbörsen von Andreas Gursky, eingeliefert, so will es jedenfalls das Gerücht, von dem aus Australien stammenden ehemaligen Hegdefonds-Manager Greg Coffey. Den besten Preis erzielte "Chicago Board of Trade III" (1999-2099) mit 2,2 Millionen Pfund (2,59 Millionen Euro), ein Rekord für ein Börsenfoto von Gursky. Zusammen erbrachten die fünf Arbeiten 5,5 Millionen Pfund (6,49 Millionen Euro).

Der Gesamterlös der Abendauktion bei Sotheby's von 75,7 Millionen Pfund (89,3 Millionen Euro) wurde vom Rivalen Christie's, der sonst meist die Nase vorn hat, nicht ganz erreicht. Trotzdem war man dort mit den erzielten 70,2 Millionen Pfund (82,4 Millionen Euro) zufrieden. Besonders freute man sich darüber, dass das Toplos, "Untitled" (1982) von Jean-Michel Basquiat, mit 18,7 Millionen Pfund (22 Millionen Euro) nicht unter seinem Schätzwert von 15 bis 17 Millionen Pfund geblieben war. Eine ähnliche Arbeit hatte im Mai in New York für 31 Millionen Pfund den Besitzer gewechselt, und da erhebt sich natürlich die Frage: War dieses total überteuert oder hat der anonyme Londoner Telefonbieter ein Schnäppchen gemacht? Viel Profit wird das Haus nicht eingestrichen haben, denn das Los war garantiert. Ein Teil des Profits geht also an den Garanten.

Auch beim kleinen Bruder Phillips wurde versteigert, zum ersten Mal in London ohne Chefauktionator Simon de Pury, der sich, vielleicht für immer, aus dem Auktionsgeschäft zurückgezogen hat. Schade, denn sein ganz persönlicher, enthusiastischer Stil ist unersetzbar, und so schien die Stimmung im nur halb vollen Saal auch etwas gedrückt. Das Toplos des Abends, ein Gemälde von Glenn Brown nach Salvador Dalí, war auf 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund geschätzt und wurde für genau den unteren Schätzwert zugeschlagen. Anderen Losen erging es nicht besser, und "Pontiac" (1962) von Andy Warhol, auf den man sich eigentlich verlassen kann, blieb sogar unverkauft – kein einzige Bieter hatte sich vorgewagt. Komm bald zurück, Simon, kann man da nur sagen.

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