Frieze 2012 - London

Frieze trotzt der Krise

Neu dabei sind die alten Meister, ansonsten bleibt die Frieze bei ihren bewährten Stärken: Kunst höchster Qualität für ein kaufkräftiges Publikum.
Eröffnet:Die erste Frieze mit alter Kunst

Grayson Perry: "The Adoration of the Cage Fighters", (2012), Galerie Victoria Miro, London

Nach zehn erfolgreichen Jahren hat sich die Messe in seinem weißen Zelt im Regent`s Park einen neuen Namen zugelegt.

Ab sofort heißt sie Frieze London, um sie von den beiden Neugeburten zu unterscheiden, die in diesem Jahr das Licht der Welt erblickten: Frieze New York und Frieze Masters. Doch sonst ist alles beim Alten geblieben: 175 Galerien aus 35 Ländern zeigen ihre Ware, es geht laut und hektisch zu, wenig Zeit für die Sammler zum Nachdenken, und es wird gekauft, als gebe es keine weltweite Finanzkrise.

Was sich bei den Auktionen der letzten zwölf Monate gezeigt hat, wird auch hier deutlich: Das obere Ende des Marktes funktioniert so gut wie zu Boom-Zeiten. Top-Marken verkaufen sich nach wie vor gut. Bei Hauser & Wirth ging eine brandneue Plastik des Amerikaners Paul McCarthy für 1,3 Millionen Dollar an einen europäischen Sammler und waren die neun Gemälde des Geheimtips Ged Quinn, die Londons Stephen Friedman für 35 000 bis 130 000 Pfund angeboten hatte, schnell weg.

Und dann wird die Messe gar politisch. Bei Matthew Marks aus New York zeigt der Brite Darren Almond "Inthistogether" (2012), eine Bronzeplakette mit eben dieser Aufschrift, die sich die Regierung von Premierminister David Cameron zu einer Art Motto auserkoren hat. Dass wir aber doch nicht alle im selben Boot sitzen, will KP Bremer bei der Londoner Galerie Vilma Gold mit seiner "Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung" (2012) sagen, einer deutschen Flagge, bei der Gold etwa 95 Prozent, Schwarz den Rest ausmacht, während Rot fast nicht sichtbar ist. Schwarz steht für die Mittelschicht, Rot für den Rest der Haushalte, und Gold für das Großkapital.

Die Überraschung ist die kleine Schwester Frieze Masters am Nordende des Parks, zu Fuß in zehn Minuten zu erreichen oder mit dem kostenlosen Pendelbus. Das von der in New York ansässigen deutschen Architektin Annabelle Selldorf eingerichtete Zelt ist luftig und elegant, breite Gänge zwischen den großzügigen Kojen der mehr als 70 Galerien, die in drei warmen Grautönen und Weiß gehalten sind. Hier kann die vor dem Jahr 2000 entstandene Kunst atmen und sich entfalten.

Und sie tut es. Aquavella aus New York, zum ersten Mal in London, hat eine besonders beeindruckende Koje zusammengestellt: unter anderem ein Spätwerk von Edgar Degas neben drei Porträts von Lucian Freud, eines davon eine wunderbare Kohlezeichnung, und dazwischen ein besonders farbenfreudiges und lebenslustiges Alterswerk des großen Fauns Pablo Picasso. Und der größte von allen, Larry Gagosian, zeigt großformatige Schwarzweiß-Fotos von Richard Avedon.

Ein Spätwerk von Picasso, "Home et Femme au Bouquet" (1970), wurde gleich am ersten Tag vom New Yorker Galeristen Christophe Van de Weghe für 8,5 Millionen Dollar verkauft. Und Marc Glimcher, Präsident von New Yorks Pace Gallery, die gerade eine schöne Londoner Dependance aufgemacht hat, bietet ein Mobile von Alexander Calder für 12,5 Millionen Pfund an. Wenn er es bis Sonntag verkauft, wird es das teuerste Werk in der zehnjährigen Geschichte von Frieze sein. Auch Helly Nahmad bietet einen Calder an, "Triumphant Red", fast so groß wie ein Auto, der Preis liegt ebenfalls bei 12,5 Millionen Pfund.

Doch im allgemeinen ist ältere Kunst viel billiger als zeitgenössische. Auch darauf wollen die Galeristen von Frieze Masters die Sammler hinweisen. Londons Rupert Wace Gallery, spezialisiert auf altägyptische und andere vorchristliche Kunst, hat mehrere megalithische Äxte im Angebot, einige für nicht mehr als 850 Pfund. Dafür kann man nebenan bei Frieze London nichts erstehen. Und so hatte Wace schon eine halbe Stunde nach Eröffnung vier seiner Arbeiten verkauft.

Nicht immer geht die Mischung gut, und in einem Interview in der Messeausgabe von "The Art Newspaper" warnt Chris Dercon, Direktor der Tate Modern, auch davor, Alt und Neu wahllos zu kombinieren: "Ein altes Werk wird darauf sehr ärgerlich reagieren." So geschehen etwa bei Bernheimer und Colnaghi, wo wunderbare Fotoporträts von Annie Leibowitz neben holländischen Altmeistern hängen, die klar den Kürzeren ziehen, sich aber nicht wehren können.

Frieze London und Frieze Masters

Bis 14. Oktober 2012
http://www.frieze.com