Kunst-Messe München - Kommentar

Totgeputztes Silber, versiegeltes Biedermeier

Wenn drei sich streiten – freut sich niemand. Gleich drei Antiquitätenmessen, die Kunst-Messe, Fine Art & Antiques München und Munich Highlights, buhlen um Kundschaft. art-Autor Joachim Hauschild kommentiert die Münchner Messe-Misere.
Totgeputztes Silber:zur Münchner Messe-Misere

Vorstädtisches Ambiente und viel Peinlichkeiten in den neuen Messehallen in München-Riem

München ist auf dem besten Weg, seine Vormachtstellung als Ort des Antiquitäten- und Kunsthandels zu verlieren. Das ist nicht der Wirtschaftskrise geschuldet, sondern den hier offenbar unüberwindlichen persönlichen Abneigungen zwischen einzelnen Händlern, man könnte auch sagen: den Eitelkeiten. Tragisch ist das nicht, traurig allemal.

Denn München ist der Traditionsort des deutschen Kunsthandels, wurde hier doch 1956 mit der 1. Deutschen Kunst- und Antiquitätenmesse die Grundlage für größte Erfolge gelegt. Finanziell unterstützt wurde sie damals vom Konsul Otto Bernheimer. Ausgerechnet dessen Enkel Konrad O. Bernheimer war es dann, der 2004 mit anderen Spitzenhändlern die Munich Highlights gründete, eine Art Gegenmesse mit gänzlich anderem Konzept. Hier bieten Münchner Händler ihren Kollegen Logis, was nicht immer zu einleuchtenden, aber meist glücklichen Paarungen führt.

Seit 2001 logiert die Kunst-Messe, wie sie nun heißt in den neuen Messehallen in Riem, weit außerhalb der Stadt, in einem, vornehm ausgedrückt: vorstädtischen Ambiente. Mühsam kaschieren ein paar arme Buchsbäumchen die allwaltende Trostlosigkeit der Einganghalle, drinnen hat man viel mit weißen Tüchern verhängt und üppige Buketts aus weißen Orchideen aufgestellt. Hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass man derlei Topfpflanzen heute in jedem Supermarkt bekommt?

Viel Peinlichkeiten

Da nun auch andere führende Händler abgesagt hatten – siehe unten – war die Halle mit angeblich "moderner" Kunst aufgefüllt. Schön, es gab eine Lehmbruck-Plastik (bei Ludorff aus Düsseldorf), einige Kolbe-Figuren, Interessantes von Hans Thoma. Ansonsten hatten Münchner Galerien die Platzhalterfunktion übernommen: Walter Storms, Biedermann und Pfefferle, Six Friedrich Lisa Ungar, Marie-José van de Loo. Na klar, ob die nun hier herumsitzen oder in ihren Galerien ist egal. Ansonsten: viel Peinlichkeiten. Und was die Antiquitäten betrifft: totgeputztes Silber und versiegeltes Biedermeier.

Kaum war die Halle geschlossen, öffnete die Konkurrenz am alten Ort: Im Westflügel des Hauses der Kunst präsentieren sich seit Mittwoch auf nur 1500 Quadratmeter 28 Spitzenhändler: Neuse aus Bremen, Neuhaus aus Würzburg, Senger aus Bamberg. Das Sektglas in der Hand stolperte vor allem die ältere Generation über die beigen Teppichböden in die meist engen Kojen und bewunderte die Qualität der Exponate (die meisten, immer noch: ohne Preisangabe). Etwas albern heißt die Veranstaltung umständlich: Fine Art & Antiques München. Aber sie hat den Hauch der guten, alten Antiquitätenmesse – und deshalb, so absurd das klingen mag: Zukunft. Denn München ist doch ein konservatives Pflaster, und wenn man sieht, was hier so als "Moderne" gilt, dann sehnt man sich nach dem guten, ja sehr guten Alten. Das wird hier geboten.

Und wie geht es weiter?

Der sympathisierende Beobachter fragt sich nur: Wo soll es weitergehen? Im Mittel- und Terrassensaal im Haus der Kunst, im Rathaussaal oder gar im Antiquarium der Residenz? Und wie? Gibt es keinen Vernünftigen, der seinen Händlerkollegen klar macht, dass es Zeit ist, wieder gemeinsam zu agieren, dass es nichts bringt, einander die Kunden abzujagen, dass die Stärke des Kunsthandels angesichts des steigenden Engagements der Auktionshäuser auch im Zusammenhalt liegt?