Frieze-Finale - New York

Der wichtigste Kunstmarkt der Welt

Letztes Jahr waren die Verkäufe eher mau, dieses Jahr hat die Frieze die niedrigen Erwartungen deutlich übertroffen

Keiner weiß so recht, ob das Geld bei dem zum Teil strahlenden New Yorker Frühlingswetter einfach lockerer saß: Die Frieze lief in diesem Jahr für viele Galeristen hervorragend.

Und das, obwohl es weniger herausragende Messestände als im Vorjahr zu sehen gab. Doch mit dem lichtdurchfluteten Zelt auf Randall´s Island, einem Rahmenprogamm mit dem von Cecelia Alemani kuratierten Skulpturenpark und Restaurants, die sich in den Garten erstreckten, führte das Frieze-Team wieder vor, dass eine Messe nicht nur Arbeit, sondern auch Spaß bedeuten kann. Die Konkurrenz von der "Armory" wirkt neben der coolen Schwester der Londoner "Frieze" wie die alte Tante der Messewelt.

Verärgerte, als nicht so wichtig eingestufte Pressevertreter, die per Fähre oder Schulbus angereist waren, wurden gnadenlos am ersten Preview-Tag wieder zurückgeschickt. Das VIP-Opening lief in drei Stufen ab: Großen Sammlern oder prominenten Gästen wie Bürgermeister Bloomberg wurde am Morgen Einlass gewährt. Die zweite Besucherwelle rollte gegen zwei Uhr ein, die dritte in den Abendstunden. Und wer wie Sammler Don Rubell oder John McEnroe als bedeutend gilt oder einfach das Glück hatte, ausgewählt zu werden, wurde in die Bar "Vault" von Künstlerin Liz Glynn eingeladen. Die Frieze-Mannschaft versteht es, eine sowieso schon elitäre Veranstaltung noch ein wenig exklusiver zu machen.

Die Rechnung ging auf. Die Sammler fühlten sich wohl und schugen zu. Von einer Mentalität wie zu Boom-Zeiten, sprach Bethanie Brady, Direktorin bei Paul Kasmin aus New York. Ein angriffslustiger Tiger von Sammler-Darling Walton Ford ("Trí Thông Minh") verkaufte sich gleich nach der Eröffnung für 950 000 Dollar. Thaddaeus Ropac trennte sich bei einem Preis von 330 000 Dollar von einer neuen, von Clyfford Still inspirierten Arbeit von Robert Longo. Die Victoria Miro Galerie aus London verkaufte eine Skulptur von Sarah Sze. Die Künstlerin vertritt Amerika dieses Jahr auf der Biennale in Venedig.

In der Lisson Gallery ging eine Arbeit von Anish Kapoor für 760 000 Dollar an einen Sammler. Galeristin Andrea Rosen erhielt 150 000 Dollar für eine der exzentrischen Video-Installationen von Mika Rottenberg. Die Künstlerin ist erst vor kurzem zu Andrea Rosen gewechselt. Die Galerie Luhring Augustine, die ihren Stand Lebensmittelskulpturen aus Styropor von Tom Friedman, darunter eine riesige Wand-Pizza, gewidmet hatte, war am ersten Tag ausverkauft. Marion Goodman verkaufte Editionen einer konstruierten Situation, wie der Künstler Tino Sehgal sie nennt, auf ihrem sonst leeren Messestand für 80 000 Dollar, Johann Koenig eine in sich rotierende, glänzende Stahlskultpur von Jeppe Hein für 60 000 Euro.

Die New Yorker Frieze-Ausgabe, führte vor, dass New York City der Hauptumschlagplatz der Kunst ist. Hier sitzt das Geld, meint der französische Galerist Emmanuel Perrotin, der im Herbst eine Filiale auf der Madison Avenue eröffnen wird. Dabei hatte die Frieze noch im vergangenen Jahr Geld verloren soll und erst im nächsten Jahr Profite einfahren. Die Sammlerschaft in New York und den USA sei größer als in jedem anderen Land, sagt Frieze Co-Direktor Matthew Slotover. Messemüdigkeit war dennoch bei manchen der rund 190 teilnehmenden Galeristen aus 40 Ländern zu spüren. Doch für die vielen kleineren und mittelgroßen Galerien stellen die Messen eine überlebenswichtige Plattform da, um Verkäufe zu machen und Beziehungen zu Sammlern oder Museen aufzubauen.

Das Programm, das zur Frieze-Zeit in der Stadt ablief, führte dann auch beeindruckend New Yorks Stellung vor. Dasha Zhukova veranstaltete ein exklusives Dinner. Ebenso die russische Oligarchen-Prinzessin Maria Baibakova. Sammler Peter Brand lud zur Eröffnung seiner Andy-Warhol-Austellung nach Connecticut ein. Jeff Koons läutete mit gleich zwei Ausstellungen sein New-York-Jahr ein. Bei David Zwirner wurde die Eröffnung um eine Stunde verschoben, weil die Ausstellung nicht stand und noch während des Opening die Arbeiten mit Preisen von bis zu drei Millionen Dollar in Holzkisten in die Galerie gekarrt wurden. Es handelt sich um blaue Glaskugeln wie man sie als kitschige Dekoration in amerikanischen Vorgärten kennt, die auf Nachgüssen von griechisch-römischen Skulpturen, auf Briefkästen oder auf einem Schneemann balancieren. Ein paar Straßen weiter bei Gagosian ging es dann einen Abend später pünktlich mit Koons Incredible Hulk, Bildern aus der Antiquity-Serie, der bäuchigen "Ballon Venus" und durch ihre schiere Größe und dem perfekten Glanz beeindruckende Ballon-Skulpturen weiter. "Jeff Koons ist ein ungezogener Junge", kommentierte ein New Yorker Museumsdirektor den Doppelauftritt mit einem Schmunzeln.

Bei den vielen glatten Verkaufshows war es umso erfreulicher, dass ein paar Künstler an der glänzenden Fassade kratzten. Bjarne Melgaard hatte auf der Frieze bei Galerist Gavin Brown die Wände fliederfarben gestrichen und den Boden mit bunten Decken ausgelegt. Doch die fröhliche Stimmung kippte, wenn man verstand, dass Texte auf den Kuscheldecken standen. Sie waren der Künstlerin Theresa Duncan gewidmet, die vor ein paar Jahren Selbstmord begangen hat. Die in LA ansässige Andrea Bowers, die sich mit politisch engagierten Arbeiten einen Namen machte und auf der Frieze bei zwei Galerien (Kaufmann Repetto aus Mailand und Susanne Vielmetter aus Los Angeles) vertreten war, ließ Protestschreiben aufhängen, nachdem sie davon erfahren hatte, dass die Messe keine gewerkschaftlich organisierten Arbeiter engagiert. Bowers entschied sich dafür, die 50 Prozent ihrer Verkäufe an die Gewerkschaften fließen zu lassen. Zwei historische Flugblätter der Arbeiterbewegung auf einer riesigen Wand aus Altpappen wurden nicht nur eifrig vom Reinigungspersonal und den Restaurant-Mitarbeitern fotografiert, sondern fanden auch bei Preisen von 50 000 Dollar ihre Abnehmer.

Paul McCarthys roter Ballon-Hund mit einer stattlichen Höhe 25 Metern am Eingang der Frieze sei eine Hommage an Koons und gleichzeitig eine Kritik, so McCarthy, der in der gigantischen Halle von Hauser & Wirth in Chelsea neue Schneewitchen-Skulpturen aus Holz und in der Galerie Uptown nackte Körper-Studien zeigte: "Jeff Koons steht für das Schlechteste und das Beste unserer Kultur." Gleichzeitig funktionierte der Ballon als Erinnerung daran, dass dem schönen, schillernden Leben, zu dem all die Kunst zu ihren hochgestochenen Preisen zählt, jederzeit die Luft ausgehen kann.

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