Tefaf 2009 - Maastricht

Glanzvolle Neuzugänge

Kaum ein Superlativ ist für sie zu hoch gegriffen: die Tefaf ist unter den Kunst- und Antiquitätenmessen "simply the best". The European Fine Art Fair mit 239 Ausstellern sorgt in der niederländische Stadt Maastricht für elf Tage (13. bis 22. März) nun wieder für den Auftrieb der international wichtigsten Sammler, Kuratoren und Museumsdirektoren.
Glanzvolle Neuzugänge:Kunstmesse Tefaf 2009 in Maastricht

Internationale Gutachter prüfen die Werke: Präsentiert wird wieder Spitzenkunst von der Pharaonenzeit bis zu Andy Warhol, vom erlesenen asiatischen Objekt bis zum kostbaren Louis-XVI-Möbel geboten

70 Privatjets haben die Kapazitäten des kleinen Flughafens im vergangenen Jahr an die Grenzen der Kapazität gebracht, auf ein Taxi kann man gut und gerne eine Dreiviertelstunde warten. Während der Tefaf ist Maastricht im Ausnahmezustand, die finanzkräftigen Käufer waren es bisher allemal – auch wenn der klassische Kunsthandel seine Kunden eher weniger unter den "global shoppers" fand als unter wohlhabenden und spendablen Liebhabern. Ob das auch dieses Jahr wieder so ist? Ob die mehr als auf eine Milliarde Euro geschätzten Kostbarkeiten von der Antike bis zum Design der sechziger und siebziger Jahre nicht nur geblendete Bewunderer, sondern auch zugreifende Käufer finden?

Eine von der Tefaf in Auftrag gegebene Studie (Globalisation and the Art Market), scheint der Rezession zum Trotz Mut zu machen. Der 182-seitige Report der unabhängigen britischen Kulturökonomin Clare McAndrews vertritt die These, dass die Globalisierung den Kunstmarkt gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise schützen kann. Die Entwicklung neuer Märkte vor allem in den Schwellenländern China, Indien, Russland und dem Mittleren Osten verlagere sozusagen die Kaufkraft auf breitere Schultern. Im Jahr 2007 habe der Umsatz international im Handel und im Auktionsgeschäft 48 Milliarden Euro betragen, mit mehr als elf Prozent Zuwachs zum Vorjahr mehr denn je. Mit 41 Prozent wird der größte Umsatz immer noch in den USA gemacht, gefolgt von Großbritannien mit 30 Prozent. Mit acht Prozent Marktanteil hat sich China positioniert – das vor Frankreich, Deutschland und der Schweiz.

Noch gravierender, so die Studie, waren die Verschiebungen auf dem zeitgenössischen Markt. Da reichte China mit 24 Prozent fast schon an Großbritannien mit 26 Prozent Weltmarktanteil heran, angeführt von den USA mit immer noch souveränen 40 Prozent. Die im vergangenen Jahr erstellte und auf Daten von 2007 zurückgreifende Studie kann dies indes nur konstatieren. Prognosen stellt sie keine, dazu sind die zwischenzeitlichen Umwälzungen zu gravierend. Dennoch ist sie als Momentaufnahme eine verlässliche Lektüre auf einem Markt, auf dem es an gesichertem Zahlenmaterial mangelt. Wie die Entwicklung weitergeht, muss man abwarten. Was den Großteil der Kunsthändler der Tefaf mit Antiken, Antiquitäten, Gemälden Alter Meister, Zeichnungen und Grafik sowie Kunsthandwerk angeht, sind sie von dem Boom der Zeitgenossen relativ unbeschadet geblieben. So sind denn auch die Gründerväter der Messe, die Altmeisterhändler auf der Tefaf 2009 ungebrochen vertreten.

Viele Galerien für zeitgenössische Kunst sind nicht mehr dabei

Dafür bröckelt es bei den sich in den Boomzeiten der letzten Jahre mehr und mehr angedockten zeitgenössischen Galerien, die sich im Sinne von Crossover von alt und neu sowie einer finanzkräftigen Klientel neue Kunden versprochen hatten. Ob das nun der Krise zuzuschreiben ist oder nicht, steht dahin. Als sie noch in weiter Ferne stand, gaben Gagosian und Pace Wildenstein nur ein einmaliges Gastspiel auf der grünen Wiese im MECC-Messezentrum in Maastricht. Dieses Jahr sind auch Acquavella Galleries Inc. (New York) mit Künstlern wie Lucian Freud, Ed Ruscha und Fausto Melotti sowie Jablonka (Berlin / Köln) und Moeller Fine Art (New York) nicht mehr dabei. Sie wollen sich auf ihre Auftritte bei den Messen zeitgenössischer Kunst wie der Art Basel konzentrieren. Den Londoner Galeristen Leslie Waddington mit seinen de Chiricos und den heiteren Hasenskulpturen von Barry Flanagan wird man vermissen. Hauser & Wirth (Zürich) lässt sich seinen Auftritt dagegen nicht nehmen und präsentiert zwei riesige Spinnenskulpturen von Louise Bourgeois. Die Galerie Daniel Blau (München) offeriert unter anderen Andy Warhols "Black Light Self Portrait" von 1986, das unter UV-Licht farbig erstrahlt, in mehrfacher Millionenhöhe.

Die Lücken werden auch mit Neuzugängen glanzvoll gefüllt, etwa mit Richard Gray aus Chicago und seinem Programm Klassischer Moderne und der Kukje Gallery aus Seoul. Sozusagen im Huckepack führt die Galeristin Hyunsook Lee ihre Tochter Tina Kim in Maastricht ein, die ihre eigene Galerie in New York betreibt. Frischen Wind erfährt der Sektor Fotografie mit Hans P. Kraus jr. aus New York und erstmals Kicken Berlin. Dort wird unter anderem die Ikone "Noire et Blanche" aus dem Jahr 1926 von Man Ray für 600 000 Euro angeboten. Beide Händler bedienen eine Liebhaberklientel, von der man hofft, dass sie ihrem Sammelgebiet auch in schwierigen Zeiten jenseits von Spekulationsgedanken treu bleibt. Nun ist es nicht so, dass die Tefaf sich auf ihr Gründungsmetier zurückziehen will. Mit Tefaf Design zieht sie der Messe eine neue Etage ein: Acht weltweit führende Händler, darunter als einziger Deutscher der in Berlin ansässige Ulrich Fiedler, zeigen ein starkes Programm auf einer Empore von der Wiener Werkstätte bis zu George Nakashima. Zum zweiten Mal gehen im "Showcase" auch sieben jüngere Kunsthändlern an den Start, angereist aus New York, Florenz, Hamburg, Amsterdam und London. Ob sie in Maastricht punkten können oder ob Dickinson (New York) das Gemälde "The Park of the Hospital Saint-Paul" von Vincent van Gogh (1889) für 25 Millionen Euro in Maastricht veräußern kann, steht am Tag der Vernisssage noch in den Sternen.

"Tefaf 2009"

Termin: 13. bis 22. März 2009, Maastricht
http://www.tefaf.com/