Beutekunst - Russland

Verschollene Meisterwerke

Mehr als sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vermisst Russland immer noch Tausende von Kunstschätzen, die im Kriegschaos auf den von der deutschen Armee besetzten Gebieten verschollen sind. Jetzt haben russische Kulturbehörden die Verluste in einem Online-Katalog zusammengetragen – dabei ist die Liste längst nicht komplett, geben die Verantwortlichen zu.
Verzweifelt gesucht: Kunst.:Ein ambitioniertes Onlineprojekt aus Russland hilft

Eines von Millionen vermissten Kunstschätzen in Russland: "Morgen im Jahr 1932", 1932, von Pawel Sokolow-Skalja

Der Online-Katalog auf der Seite www.lostart.ru/lost/catalog umfasst mehr als eine Millionen Gegenstände, die aus russischen Museen, Archiven und Bibliotheken in der Zeit zwischen 1941 und 1945 verschwunden sind. Die meisten sind Opfer der Plünderungen während der deutschen Besatzung geworden, einige sind jedoch aus Museen verschollen, die niemals unter Kriegshandlungen gelitten haben, wie zum Beispiel der Moskauer Tretjakow-Galerie.

In den dreißiger Jahren hat die Galerie auf Anweisung der Regierung drei Dutzend Bilder russischer Maler an das sowjetische Außenministerium abgegeben – sie sollten Botschaften der UdSSR in Europa schmücken. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind auch diese Kunstschätze spurlos verschwunden. Erst 2006 tauchte ein Bild auf, das vor dem Krieg in der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin untergebracht war. Ein Sammler hatte es in einem Buch über vermisste Kunstschätze gefunden und an die Moskauer Galerie zurückgegeben.

Das Gleiche erhoffen sich nun die Autoren des Onlineprojekts, ein kleines Enthusiasten-Team der föderalen Kulturbehörde in Moskau. Sie haben sich das Ziel gesetzt, ein möglichst umfassendes Bild der russischen Verluste während des Krieges zu machen. Bis jetzt konnten sie mehr als zwanzig Bänder eines Katalogs der verlorenen Schätze digitalisieren, der seit 1999 in Russland erscheint.

"Die meisten der verloren Kunstschätze befinden sich im privaten Sammlungen in Europa und der USA", sagt der stellvertretende Leiter der Moskauer Behörde für Kulturerbe Anatoli Wilkow. Wie viele ausländische Händler und Sammler dabei den Online-Katalog verstehen werden, ist völlig offen – das gesamte Projekt ist erst mal nur auf Russisch verfügbar.

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