Paul Morris - New York

Goodbye Armory!

Paul Morris, Gründer der Armory Show, zieht sich nach 18 Jahren von der Messeleitung zurück
Armory in der Krise?:Der Gründer verlässt die Messe

Paul Morris vor seiner Sammlung von Werken auf Papier

Nach 18 Jahren tritt Paul Morris, der Gründer und Direktor der New Yorker Armory Show zurück. Es sei eine persönliche Entscheidung, so Morris. Allerdings trifft er sie zu einem kritischen Zeitpunkt für die Messe, die er 1994 gemeinsam mit den New Yorker Kunsthändlern Pat Hearn, Colin de Land and Matthew Marks gegründet hatte. Was damals als coole Galeristen-Show im Gramercy Park Hotel begann, ist heute das alte Schlachtschiff Armory. Seit Anfang 2000 findet die Messe, die über die Jahre immer weiter expandierte, jeden März auf den Piers auf der New Yorker West Side statt. Galeristen beklagen seit langem die schlechte Organisation und Größe der Megaverkaufsshow.

Die Konkurrenz aus London, die Frieze, führte der Armory-Mannschaft 2012 mit ihrer ersten Ausgabe trotz abgelegener Location auf Randall's Island vor, dass eine Messe sowohl für Aussteller als auch Besucher Spaß machen kann. Die Frage bleibt natürlich, wo die besseren Geschäfte gemacht werden: auf den Piers oder auf Randall's Island. Und für welche der beiden Veranstaltungen sich die wichtigen Galeristen – und die Sammler – in Zukunft entscheiden werden. Insofern wird das Messejahr 2013 mit Spannung erwartet. Schließlich ist Nordamerika auch für viele europäische Galerien nach wie vor der bedeutendste Kunstmarkt.

2007 hatten Marks und Morris, der nach dem Tod von Pat Hearn und Colin de Land seine Galerie aufgegeben hatte, um sich auf die Armory zu konzentrieren, ihre Show an den Messegroßveranstalter Merchandise Mart Properties Inc. aus Chicago verkauft. Morris war neben der Armory auch für die Volta-Messen in New York und Basel, die inzwischen eingestellte Art Chicago sowie Verkaufsshows in Los Angeles und Toronto zuständig. Im vergangenen Jahr trat die von Galeristen geschätzte, langjährige Armory-Direktorin Katelijne De Backer von ihrem Posten zurück. Morris übernahm kurzfristig ihren Job und leitete grundlegende Veränderungen ein. So wurde die Zahl der Galerien verringert, das Design auf den Piers verändert und vergeblich für besseres Catering gesorgt. Mit Noah Horowitz, der zuvor die wenig erfolgreiche Online-Messe VIP geleitet hatte und bei der Armory für den zeitgenössischen Pier zuständig ist, und zwei weiteren Direktoren geht die Armory in die nächste Runde. Mr. Morris, der im vergangenen Jahr seinen 50. Geburtstag feierte, ist sich noch nicht sicher, was die Zukunft für ihn bringen wird und ob er in seine alten Fußstapfen als Galerist treten wird.

Update:
Wenige Tage nach dem Rücktritt von Armory-Show-Gründer Paul Morris meldet Art in America, dass der Chicagoer Messegroßveranstalter Merchandise Mart Properties die Armory ebenso wie die Volta-Messe in New York und die gerade erst gestartete Platform Los Angeles verkaufen wolle. Merchandise Mart Properties wolle anscheinend aus dem Kunstgeschäft aussteigen. Erst 2007 hatte die Firma, die ansonsten Verkaufsshows für Möbel- oder Geschenkartikelhersteller organisiert, die Armory Show übernommen. Merchandise Mart hat bereits die Chicagoer Kunstmesse Art Chicago sterben lassen.

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