Arte Fiera - Bologna

Keine Endzeitstimmung in Bologna

Zum 33. Mal fand die traditionsreichste Kunstmesse Arte Fiera in Bologna statt – und erlebte einen bisher nie dagewesenen Besucheransturm.
Keine Endzeitstimmung:Besucheransturm auf der Kunstmesse in Bologna

Champagner und Tischtennis: Der Messestand der Mailänder Galerie BND

Unmöglich, die Garderobe zu erreichen, und am zweiten Tag gab es schon fast nichts Essbares mehr. "Wer die Kunst wirklich liebt, hört auch in Krisenzeiten nicht auf, sie zu kaufen", sagte die Messeleiterin Silvia Evangelisti strahlend. Die Messe präsentierte sich in neuen Hallen mit großzügiger, fast musealer Raumaufteilung. Die Besucher flanierten dichtgedrängt wie auf einem Corso. Mitten im Ausstellungsbereich bot Starkoch Franco Uliassi seine Kreationen an, und am Champagnerbuffet konnte gefeiert werden.

Schon wenige Stunden nach der Eröffnung mehrten sich die roten Punkte. Die Galerie Mazzoleni (Turin) verkaufte auf Anhieb zwei mittelgroße Leinwandarbeiten von Hans Hartung für 90 000 und 140 000 Euro an einen italienischen Sammler. Die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit findet in Bologna immer Liebhaber. So hatte die Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling gleich mehrere Arbeiten des Zero-Künstlers Heinz Mack mitgebracht. Die Mailänder Galerie "Cannaviello" bot für 95 000 Euro ein großfiguriges Bild des Neoexpressionisten Karl Horst Hödicke an, "Der Sklave", 1987. Der Galerist, einer der Mitbegründer der Messe, klagte allerdings über die hohe Standmiete von 40 000 Euro. Galerien, die noch keine fünf Jahre existieren, zahlen für ihre Teilnahme an der Arte Fiera nur 7000 Euro. 28 junge Galerien profitierten in diesem Jahr davon, darunter die römische "Monitor", die sehr schnell eine Arbeit aus Filz des apulischen Künstlers Francesco Arena für 10 000 Euro verkaufte. Die Galeristin Paola Verrengia aus Salerno hatte schon am ersten Tag alles verkauft, darunter für 18 000 Euro vier kleine multimediale Arbeiten des serbischen Künstlers Mrdjan Bajic, der 2007 den serbischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt hatte.

Ausländische Sammler suchten italienische Kunst

Auch Joana Vasconcelos wurde durch ihren Auftritt in Venedig bekannt. 2005 hatte sie dort einen großen Kronleuchter gezeigt, der allerdings nicht aus Kristallelementen, sondern aus Tampons bestand. Ihre Galerie Horrach Moya aus Palma di Mallorca brachte neue Arbeiten der Künstlerin nach Bologna, darunter eine weiß umhäkelte Hundeskulptur für 14 000 Euro. Unter den 200 Ausstellern in Bologna waren rund 170 Italiener. "Ich werde immer wieder aufgefordert, mehr ausländische Galerien zuzulassen", sagt die Messeleiterin Silvia Evangelisti, "aber ich möchte lieber ausländische Sammler anlocken. Ausländische Galerien kolonialsieren nur die Messe. Die Sammler dagegen kommen, um italienische Kunst zu kaufen. Und die kostet in Bologna immer noch weniger als anderswo."

Die gefürchtete Endzeitstimmung kam in Bologna jedenfalls nicht auf. Die Protagonisten der Kunstszene drängten sich auf der Dinnerparty des Marchese Ippolito Bevilacqua Ariosti in dessen prunkvollem Palazzo und speisten im Hause des Sammlers Marino Golinelli, Gründer des pharmazeutischen Unternehmens Alfa Wassermann. Er wohnt mit seiner Frau Paola umgeben von 350 Exponaten zeitgenössischer Kunst im Zentrum Bolognas und öffnet sein Privatmuseum alljährlich während der Arte Fiera den Besuchern. Der Preis für Künstler unter 30, den der Möbelhersteller und Sponsor der Messe, "Euromobil", alljährlich vergibt, ging an den aus Chemnitz stammenden Maler Lars Teichmann, 29, in Bologna vertreten durch die Berliner Galerie "Kunstagenten".

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