Haunch Of Venison - Berlin

Das Ende der Rehkeule

Zuletzt trumpfte die Galerie in der Heidenstraße noch mit Ausstellungen großer Namen wie Damian Hirst oder Yoko Ono. Nun aber schließt die Galerie Haunch of Venison, die zum Auktionshaus Christie’s gehört, ihre Filiale in Berlin.
Das Ende der Rehkeule:Haunch Of Venison schließt Berliner Filiale

Damien Hirst: "Temple", 2008, 660 x 330 x 200 cm

Im Mai trumpfte Haunch of Venison in seinen Hangar-artigen Galerieräumen in der Berliner Heidestraße noch mit einer Damien-Hirst-Ausstellung auf und gerade läuft, begleitet von großem Medienrummel, eine Schau von Yoko Ono. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Londoner Galerie, ein Tochterunternehmen des Auktionshauses Christie`s, ließ heute am Rande der Kunstmesse "Frieze" in London verlauten, dass sie ihre Berliner Filiale zum Ende des Jahres schließen wird. "Wir haben es genossen, Teil der Kunstgemeinde von Berlin zu sein, und wir sind stolz darauf, dort sehr erfolgreiche Ausstellungen gemacht zu haben", heißt es in einer Pressemitteilung. Aber in Zukunft wolle man das Geschäft "zentralisieren auf London und New York."

Hintergrund der Schließung dürften neben strategischen Planungen auch finanzielle Überlegungen sein. Berlin gilt zwar als Brutstätte junger Kunst, nicht aber als Marktplatz für Kunsttrophäen in Millionenhöhe. Bereits Ende August nahmen die beiden Gründer der Galerie, Galerist Harry Blain und der frühere Christie’s-Mitarbeiter Graham Southern, ihren Hut. Sie haben in London inzwischen eine neue Galerie gegründet, Blain/Southern, und einige der Haunch of Venison-Künstler mitgenommen.

Eine Zeit lang sah das Geschäftsmodell nach einer unaufhaltsamen Erfolgsgeschichte aus. Haunch fo Venison (zu deutsch: Rehkeule) wurde 2002 in London von Blain und Southern gegründet und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zum Big Player in der internationalen Kunstszene. Mit einer glanzvollen Künstlerliste, darunter Stars wie Tony Cragg, Zhang Huan, Jorge Pardo und Wim Wenders, und Filialen in New York, Zürich und Berlin machte die Galerie Schlagzeilen und setzte 2006 rund 73 Millionen Euro mit Kunstverkäufen um. 2007, also kurz vor der Finanzkrise, übernahm das Auktionshaus Christie´s die Galerie, mit dem Ziel, auch auf dem Primärmarkt für zeitgenössische Kunst im großen Stil mitmischen zu können. Inzwischen sind die Erwartungen wohl etwas abgekühlt. Top-Kunstmessen wie die "Art Basel" oder "Frieze" lassen die Galerie wegen ihrer direkten Verbindung zum Auktionshandel erst gar nicht zu. Vor dem Aus steht Haunch of Venison trotz der Schließung und Berlin jedoch keineswegs. Gerade werden die alten Räume im Haunch of Venison Yard in Londoner Stadtteil Mayfair renoviert, und im nächsten Jahr will die Galerie in New York neue Räume im Galeriedistrikt Chelsea beziehen.

Yoko Ono: Das Gift

Termin: bis 13. November, Haunch of Venison, Berlin
http://www.haunchofvenison.com