Auktionen - London

Jetzt kriselt auch der Kunstmarkt

Gedämpfte Stimmung in London bei den Auktionshäusern. Diesmal konnten Sotheby's, Christie's und Philips de Pury keine Auktionsrekorde vermelden – und Gerhard Richters Gemälde "Jerusalem" fand sogar gar keinen Käufer.
Jetzt kriselt auch der Kunstmarkt:Keine Rekorde bei den Auktionshäusern

Ist der Kunstmarkt am Ende? Das Totenschädel-Gemälde von Andy Warhol, "Skulls" (1976), wurde für rund 4,4 Millionen Pfund verkauft – der Schätzpreis lag hier bei bis zu sieben Millionen Pfund

"Jetzt ist es offiziell", sagte die Mitarbeiterin von Sotheby's, wollte aber als Quelle für ihre Einschätzung namentlich nicht genannt werden. Gemeint hatte sie "den Einfluss der momentanen finanziellen Unsicherheit", so Cheyenne Westphal, Direktorin von Zeitgenössische Kunst Europa bei Sotheby's.

Die Stimmung am Abend war gedämpft, nur langsam füllte sich der Saal, Auktionator Oliver Barker rief mit erheblicher Verspätung das erste Los auf, ein Werk des Amerikaners John Currin. Das Auktionshaus, das den mehrtägigen Reigen der Versteigerungen um die Kunstmesse Frieze begann, musste sich mit einem Umsatz von 22 Millionen Pfund zufrieden geben, hatte aber zwischen 30 und 42 Millionen erwartet.

Kleine Blamage für den sonst so optimistischen Simon de Pury

Nicht besser erging es Christie's. Auktionator Jussi Pylkkanen brauchte nur eine Stunde für 47 Lose, statt der erhofften 57 bis 75 Millionen erreichte er nur 32 Millionen. Auch für den dritten im Bunde, Philips de Pury, gab es nichts zu lachen. Eingefahren wurden nicht zwischen 18 und 26 Millionen, sondern lediglich etwas mehr als fünf, eine kleine Blamage für den sonst so optimistischen Simon de Pury. "Die Preise sind einfach zu hoch, sie müssen noch weiter herunterkommen", sagte Glen Scott-Wright von der Londoner Galerie Victoria Miro.

Und obwohl viele der Einlieferer sich mit zum Teil erheblich heruntergesetzten Reservepreisen zufriedengegeben hatten, blieben die Häuser auf vielem sitzen. Christie's konnte 45 Prozent der Lose nicht verkaufen, bei Sotheby's waren es 17 von 62 Losen. Darunter auch früher so sichere Kandidaten wie Gerhard Richter, für dessen Stadtansicht "Jerusalem" zwischen fünf und sieben Millionen Pfund erwartet wurde, die von Sotheby's gegebene Garantiesumme aber nicht erreichte, und vom Haus für 3,9 Millionen gekauft wurde. Cheyenne Westphal machte gute Miene zum bösen Spiel: "Wenn wir schon ein Werk besitzen müssen, dann sollte es eine so schöne Arbeit wie 'Jerusalem' sein." Der wahre Test für den Markt kommt im November bei den großen Herbstauktionen in New York, wo sich zeigen wird, wie angeschlagen er wirklich ist.