Amsterdam geht kölsch - Art-Cologne

Die Nachbarn kommen!

Noch nie waren so viele Amsterdamer Galerien auf der Art Cologne vertreten wie in diesem Jahr. Nach Jahren der Distanz ist Köln wieder attraktiv geworden für die niederländischen Kunsthändler. Ein Rundgang durchs Galerienviertel.
So war die Art Cologne:Die wichtigsten Amsterdamer Galerien

Die Galerie "Stigter van Doesburg" gehört zu den großen Namen im Amsterdamer Galerienviertel Jordaan. In Aktion zu sehen: Diana Stigter und ihr Partner David van Duisburg

Amsterdamer Galerien auf der Art Cologne

Stigter van Doesburg / Elandsstraat 90

Diana Stigter (43) gehört zu den großen Namen im Amsterdamer Galerienviertel Jordaan. Sie war zuvor an der erfolgreichen Bloom Gallery beteiligt; 2013 gründete sie mit ihrem Partner David van Doesburg (48) eine neue Galerie.

Stigters Schwerpunkt liegt auf junger zeitgenössischer Kunst mit allen ihren Disziplinen: Film, Fotografie, Malerei. In Köln mit dabei sein, werden der Franzose Jimmy Robert sowie der junge Niederländer Tjebbe Beekman, der mit seinen rauhen Großstadtansichten seinen Durchbruch erlebte.

"Wir sind in Köln zum zweiten Mal mit dabei, das erste Mal zählt eigentlich nicht, das war während des berüchtigten Vulkanausbruchs auf Island, da saß David ziemlich alleine in Köln, reihenweise wurden Flüge annuliert, ich saß in Italien fest. Normalerweise wären wir dieses Jahr wie immer nach Brüssel gegangen, doch Daniel Hug hat uns überredet, statt dessen nach Köln zu kommen. Deutsche Sammler sind gründlich und zuverlässig. Gerade erst haben wir ein großes Werk an das Museum Ludwig verkauft. Natürlich haben auch wir die Krise der letzten Jahre gespürt. Wir haben gerade die schwerste Rezession seit 30 Jahren hinter uns. Aber jetzt geht es langsam wieder aufwärts."

Und danach: "Unser Gesamteindruck von der Art Cologne ist sehr positiv. Die Umsätze waren zwar nicht gewaltig, doch war das Interesse der Besucher, darunter vor allem für unseren Newcomer Tjebbe Bekmann immens."

Martin van Zomeren / Hazenstraat 20

Seit rund zehn Jahren hat der 48-jährige Historiker im Jordaan seine eigene Galerie – zunächst an der Prinsengracht, seit kurzem eine Ecke weiter. Anfangs richtete er sich vor allem auf Fotografie und Malerei, in den letzten Jahren ist er konzeptueller geworden. Seine Künstler kommen aus ganz Europa. Vier davon wird er in Köln zeigen: den polnischen Künstler, Poeten und Musiker Wojciech Bakowski, den Pariser Fotografen Jean-Baptiste Maitre, Navid Nuur, in Den Haag wohnend und in Teheran geboren, sowie den in Brüssel lebenden Österreicher Nick Oberthaler.

"In Köln bin ich zum vierten Mal mit dabei. Als Mitglied des Advisory Board darf ich nicht fehlen! Köln repräsentiert einen enormen Markt, ganz dicht an den Niederlanden – einen Markt, der normalerweise schwer zugänglich ist. Köln bietet uns Niederländern da Chancen. Ich kenne zwar viele Deutsche, aber ich habe relativ wenig deutsche Sammler. Ich will mehr! Bei meiner letzten Art Cologne habe ich gute Geschäfte gemacht – aber mit Niederländern und Belgiern. Köln ist auch eine sehr schöne Stadt, mit einer unglaublich reichen kulturellen Vergangenheit."

Und danach: "Die Art Cologne ist eine fantastische Kunstmesse, in der dieses Jahr eine lebhafte Atmosphäre herrschte. Obwohl die Galerie aktuell noch an neuen Verkaufskonzepten arbeitet, waren die Umsätze zufriedenstellend. Unser diesjährige Verkaufsschlager ist ohne Frage der Franzose Jean-Baptiste Maitre. Seine hochmodernen Arbeiten haben bei den Besuchern für Begeisterung gesorgt."

Milco Onrust / Planciusstraat 7

Milco Onrust (53) legte den Hauptsitz seiner Galerie 1999 in die Planciustraat, wo seine Frau Boudi Eskens bis dahin eine Filiale leitete. Das ist zwar am Rand des Galerienviertels, "aber in Amsterdam sind das ja alles keine Entfernungen". Der Schwerpunkt liegt auf Malerei mit Künstlern wie dem Niederländer Robert Zandvliet oder dem Briten Alan Uglow. Onrust vertritt auch viele Deutsche wie Felix Droese, Jürgen Partenheimer und Günther Förg.

"Wir sind das dritte Jahr hintereinander wieder in Köln mit dabei. 1997 kamen wir erstmals, zwischendurch haben wir eine Pause eingelegt. Aber Daniel Hug ist es gelungen, die Messe wieder auf die Schienen zu stellen. Man spürt regelrecht, dass in Köln neue Energien in der Luft liegen. Kunst hat in Deutschland einen anderen Stellenwert, sie wird nicht so schnell in Frage gestellt wie bei uns. In Deutschland gibt es auch mehr Sammler. Niederländer trauen sich schneller, unbekannte Künstler zu erwerben, Deutsche bleiben ihnen auch dann noch treu, wenn sie bekannter und teurer geworden sind."

Slewe / Kerkstraat 105-A
Martita Slewe (52) zählt zu den Pionieren unter den Amsterdamer Galeristen. Sie begann als Kuratorin in der Rotterdamer Kunsthalle und übernahm während der Galerienkrise 1994 in der Amsterdamer Kerkstraat die Räume einer anderen Galerie. Zu ihren Künstlern zählen der Niederländer Kees Smits und der Deutsche Günter Tuzina. Schwerpunkt: abstrakte Malerei.

"Früher war ich oft auf der Art Cologne, dann wurde mir die Messe zu groß und zu bedeutungslos, in Berlin entstand eine neue Dynamik. Damals verließ ich Köln. Nun gibt es das Art Forum Berlin nicht mehr, ich kehrte im letzten Jahr zurück. Das Niveau der Art Cologne ist deutlich gestiegen – und mit den jungen Galerien sind auch die Kuratoren zurückgekommen. Und: Die Leute gehen lieber auf Messen als in Galerien, das ist ein Trend. Köln hat sich darauf eingestellt."

Und danach: "Die Art Cologne hat sich dieses Jahr als höchst professionelle Kunstmesse mit einer sehr bunten Auswahl an nahmenhaften Galerien präsentiert. Nicht nur das Level der Gesamtveranstaltung, auch jenes der Kunst im allgemeinen sowie das des Publikums ist gestiegen. Die Umsätze waren zufriedenstellend, wenn auch noch recht schleppend. Für Begeisterung sorgten die deutschen Künstler Günter Tuzina, Martin Gerwers und Martina Klein - ihr Bekanntheitsgrad unter deutschen Besuchern kam Ihnen deutlich zu Gute."

Tegenboschvanvreden / Bloemgracht 57

Die Kunsthistorikerin und Kritikerin Pietje Tegenbosch (57) wagte mit ihrem Partner Martin van Vreden (61) 2009 den Neuanfang: Beide eröffneten an einer der malerischsten Ecken vom Jordaan, an der Bloemgracht, ihre eigene Galerie – ausgerechnet im Jahr der Krise. "Es konnte nur noch bergauf gehen!", lacht van Vreden. Heute vertreten die beiden 13 Künstler, darunter documenta-Teilnehmer Aníbal López aus Guatemala sowie der spanische Medienkünstler Sánchez Castillo. Er wird ebenso in Köln zu sehen sein wie Rinus Van de Velde, ein junger Belgier, der mit Holzkohlezeichnungen für Furore sorgte.

"Wir sind in Köln zum ersten Mal mit dabei, wir hatten eigentlich beschlossen, es mit Messen ganz ruhig anzugehen. Aber wir wollen in Deutschland gerne Fuß fassen. Zunächst schwankten wir noch zwischen Brüssel und Köln. Aber Brüssel findet dieses Jahr zum Glück etwas später statt. Jetzt sind wir mit dabei. Und haben hohe Erwartungen!"

Und danach: "Unsere erste Teilnahme bei der Art Cologne war ein voller Erfolg. Wir denken auch nächstes Jahr wieder mit dabei zu sein. Das Opening der Messe war fulminant und dynamisch. Die von uns präsentierten Künstler Rinus van Velde und Fernando Sanchez Castillo waren die richtige Wahl für unsere diesjährige Premiere."

Ellen de Bruijne Projects / Rozengracht 207 A

Ellen de Bruijne (55) hat ihre Galerie seit 1999 an der Rozengracht, wo sie mit ihrer Familie auch wohnt. Ihre fünf Kinder sind mit Kunst und Galeriebetrieb groß geworden. Für sie ist es normal, dass ihre Mutter Künstler und Besucher bei Vernissagen bekocht. Zuvor arbeitete die Kunsthistorikerin als Kuratorin, beschloss dann aber jungen Künstlern eine Plattform zu geben. Schwerpunkt: Konzeptkunst, Videos, Installationen, Performances, unter anderen von Thomas Rentmeister und Uta Eisenreich.

"Die Art Cologne ist qualitativ viel besser geworden, die Sammler internationaler. Weil die deutschen Kunden nicht so leicht nach Amsterdam kommen, müssen wir eben in Bewegung kommen. Köln ist ideal, zentral gelegen, nur zwei Stunden von Amsterdam entfernt – und alle sind da! Ich bin froh, dass dieses Jahr eine so große niederländische Delegation anrückt – in unserem Schlepptau kommen dann nämlich auch die heimischen Sammler. Bei denen muss ich weitaus weniger Überzeugungsarbeit leisten als bei deutschen. Niederländer sehen ein Werk und entscheiden sich dafür oder dagegen – ein Deutscher fängt an zu diskutieren, er will es erst in seinen Kontext einordnen."

Und danach: "Das gesamte Level der Art Cologne war sehr viel hochwertiger als in den Vorjahren. Unter den Massen an Kunstsammlern, waren es vor allem Privatiers aus Deutschland, Belgien, Nordfrankreich und den Niederlanden, die sich für unsere Werke begeistern konnten. Die Verkäufe waren sehr zufriedenstellend. Wir glauben, dass die Messe zu einem Umschwung in unserer Galerie geführt hat, der nicht nur temporär ist, sondern sich langzeitig positiv auf unsere Besucherzahlen und Verkäufe auswirken wird."

Gabriel Rolt / Elandsgracht 34

Gabriel Rolt (36) kam mit vier Jahren in die Niederlande, sein Vater war Galerist in Groningen, seine Mutter Antiquitätenhändlerin in Barcelona. Im September 2006 eröffnete er in Amsterdam seine eigene Galerie. Er vertritt viele etablierte Künstler wie den Niederländer Peter Schuyff, die Fotografin Bertien van Manen oder den amerikanischen Komponisten, Musiker und Schauspieler John Lurie, der seit 2004 auch ausstellt. Rolts Ausstellungen sind immer auch Happening, in die er Literatur, Philosphie und Film einzubeziehen versucht. So findet zur Zeit eine Gruppenschau zum Sisyphos-Essay von Albert Camus statt.

"Ich bin zum ersten Mal in Köln mit dabei – und dementsprechend gespannt und aufgeregt! Ich kenne Daniel Hug schon eine ganze Weile, habe verfolgt, was er so treibt. Bisher war ich immer in Brüssel, aber dieses Jahr habe ich mich für Köln entschieden, ich denke, das ist eine sehr gute, eine sehr aktive Messe. Und eine ausgezeichnete Gelegenheit, dieses Gebiet am Rhein einmal gut zu scannen: Es gibt da neben guten Sammlern und Galeristen auch viele junge Künstler. Köln ist eine Drehscheibe für die Benelux-Länder."

Und danach: "Die Messe hatte viel zu bieten, vielleicht bin ich auch nächstes Jahr wieder mit dabei. Neben der hohen Qualität der Kunstwerke und präsentierten Galerien, hat mich vor allem die Vielschichtigkeit des Publikums überzeugt. Auch unsere Umsätze war sehr zufriedenstellend, Peter Schuyff war der Liebling der Besucher

Fons Welters / Bloemstraat 140

Die Galerie von Fons Welters liegt in einer ehemaligen Autowerkstatt und ist schon wegen ihres Eingangs berühmt: Der wurde vom Enfant terrible Joep van Lieshout gestaltet und sieht aus, als habe drinnen gerade eine Explosion stattgefunden. Welters’ bereits 1988 gegründete Galerie ist eine der ältesten der Stadt. Sie ist auf Installationen und Skulpturen spezialisiert, vorzugsweise von ganz jungen Talenten. Auch in der Galerie selbst hat Welters mit Direktorin Laurie Cluitmans (30) inzwischen eine neue Generation ans Ruder gelassen.

"Wir waren schon neunmal auf der Art Cologne, nicht zuletzt deshalb, weil wir auch viele deutsche Künstler vertreten. David Jablonowski etwa, Daniel Roth oder Michael Kunze. Von 2005 bis 2011 hatten wir eine Pause eingelegt, jetzt ist Köln wieder interessant. Ein Crossover-Gebiet, also nicht nur wichtig für Kontakte mit deutschen Sammlern, sondern auch mit belgischen, niederländischen und französischen."

Und danach: "Die Art Cologne hatte dieses Jahr ein wahres Potpourri an Künstlern, Kunstwerken und Besuchern zu bieten. Ich habe selten solch ein bunt gemischtes Publikum gesehen. Sven Kroner, ein von uns vertretener deutscher Künstler, sorgte beim Großteil der Interessenten für Begeisterung.

Akinci / Lijnbaansgracht 317

Leylâ Akinci (63) gehört zu den Pionieren der Amsterdamer Galerienszene und hat etablierte Künstler wie Stephan Balkenhol, Axel Hütte und Thomas Huber im Programm. Daneben legt sie Wert auf politisches Engagement und die Sichtbarkeit der Frauen in der Kunst. Sie zeigt auch Künstler aus dem Nahen Osten, etwa die irakisch-irische Künstlerin Jananne Al-Ani, deren Arbeiten subtil auf die politische Lage im Nahen Osten eingehen.

"Ich kam früher jedes Jahr nach Köln, legte dann aber von 2002 bis 2011 eine Pause ein. Die letzten drei Male war ich wieder mit dabei. Die Messe hat sich, was Aufbau und Qualität betrifft, stark verbessert, die Auswahl ist strenger geworden, internationaler, aktueller – es sieht alles einfach wieder besser aus. Daniel Hug tut sein Bestes, Köln ist wieder ein bedeutender Fleck auf der Kunstmarkt-Landkarte geworden. Die Messe ist wichtig für mich, ich habe viele Kontakte mit deutschen Sammlern und Künstlern, deshalb ist es sinnvoll, in Köln präsent zu sein."

Und danach: "Neben Thomas Huber, Edwin Zwakman und Axel Hütte, lockte vor allem Anne Wenzel, eine deutsche Bildhauerin, die auf der Art Cologne Premiere feierte, viele internationale Besucher an."

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