Auktionen - London

Stadtgespräch

Mit Monets "Nymphéas" bei Sotheby's und Giacomettis "La Main" bei Christie's sorgten die Londoner Traditionshäuser schon vorab für viel Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse der Abendauktionen am 23. und 24. Juni mit Werken aus Impressionismus und Klassischer Moderne überraschten dennoch.
Verschätzt:Impressionismus/Klassische Moderne-Auktionen

Sotheby's erzielte mit 40 Mio. € den zweithöchsten Preis, der jemals für ein Werk Monets bei einer Auktion gezahlt wurde: Claude Monet (1840-1926): "Nymphéas", 1906, Öl auf Leinwand, 88,5 x 100 cm

Teuerstes Los der beiden Abendauktionen sollte Claude Monets "Nymphéas" (1906) werden. Sotheby's hatte das quadratische Seerosenbild auf 20 bis 30 Millionen Pfund (25 bis 38 Millionen Euro) geschätzt und versteigerte es für 31,7 Millionen Pfund (knapp 40 Millionen Euro), inklusive Käuferprämie.

Etwa zehn Minuten lang steigerten sich zwei Telefonbieter in Schritten von 250 000 Pfund gegenseitig hoch, bis schließlich der Hammer fiel. Der Preis für das Toplos, der bisher zweithöchste für einen Monet, zeigt, dass sich "realistische Schätzungen bezahlt machen", wie Sotheby's-Expertin Helena Newman im Anschluss an die Auktion sagte. Das zuletzt im Jahr 2000 für 21 Millionen Dollar verkaufte Werk blieb nämlich vor vier Jahren unverkauft, als Konkurrent Christie's es auf 30 bis 40 Millionen Pfund geschätzt hatte.

"Nymphëas" hatte, wie auch das zweite Toplos, Piet Mondrians "Komposition mit Rot, Blau und Grau", eine Preisgarantie des Auktionshauses, konnte also nicht unverkauft bleiben. Und wie der Monet erzielte auch das 1927 entstandene abstrakte Werk, das zum ersten Mal unter den Hammer kam, mit 15,2 Millionen Pfund (19 Millionen Euro) einen hervorragenden Preis. Auch hier wieder war Kevin Ching, Chef von Sotheby's Asien, am Telefon tätig, was zeigt, dass Käufer aus Asien heute kräftig mitmischen. Wie den Monet verlor er aber auch dieses Werk an einen Kunden seines Kollegen David Norman, Chef der Abteilung Impressionismus.

Einige hervorragende Beispiele des deutschen Expressionismus wurden eingeliefert, unter anderem aus dem Nachlass des legendären Schweizer Galeristen Jan Krugier. Sie zeigten, dass auch extrem niedrige Schätzwerte zu guten Preisen führen können. Für Alexej von Jawlenskys "Frau mit Kopfbinde" (1909) hatte Krugier mehr als 700 000 Pfund bezahlt, jetzt war es auf 250.000 bis 350 000 Pfund geschätzt, erzielte aber doch noch 662 000 Pfund (828 000 Euro), und Max Beckmanns "Stilleben mit Grammophon und Schwertlilien" (1924), das den Galeristen 2007 7,3 Millionen Dollar gekostet hatte, war jetzt auf 1,8 bis 2 Millionen Pfund geschätzt und wechselte für 4,8 Millionen Pfund (6 Millionen Euro) den Besitzer. Top-Los aus der Sammlung Krugier war Wassily Kandinskys fast abstrakte "Herbstlandschaft" (1911). Das wunderschöne Bild kletterte mit 5,5 Millionen Pfund (6,9 Millionen Euro) noch über den oberen Schätzwert.

Sotheby's erzielte für seine 40 Lose, von denen nur vier unverkauft blieben, knapp 122 Millionen Pfund (153 Millionen Euro) und war mit dem Ergebnis zufrieden. Am nächsten Abend folgte Konkurrent Christie's und man hat sich schon fast daran gewöhnt, dass dieser meist die Nase vorne hat. Nicht an diesem Abend. Ein Drittel der eingelieferten 60 Lose erreichte nicht den Reservepreis, vieles von dem, was verkauft wurde, blieb unter dem Schätzpreis, und so blieb der Erlös von 85,7 Millionen Pfund (107 Millionen Euro), weniger als der untere Schätzwert, der nicht einmal die Käuferprämie enthält, weit hinter den Erwartungen zurück.

Man kann das schwache Abschneiden von Christie's nur mit der minderen Qualität vieler der eingelieferten Werke zu aggressiven Schätzpreisen erklären, die die Käufer abschreckten. Sotheby's hatte am Vorabend zwei Arbeiten von Alberto Giacometti, eine Skulptur und ein Ölbild, sehr gut verkauft, Christie's bot acht seiner Arbeiten an, sieben Skulpturen und ein Ölbild, von denen die Hälfte nicht den Reservepreis erreichte und zurückging. Bei der ungewöhnlichen Bronzeskulptur "La Main" (1947), die auf 10 bis 15 Millionen Pfund taxiert war, kam das Bieten bei 9,5 Millionen zum Stillstand. "Die ganze Stadt sprach über das Werk, doch am Abend drückte keiner ab", meinte Impressionismus-Chef Jay Vince nach der Auktion.

Star des Abends bei Christie's war das "Ja - Was? - Bild" (1920) von Kurt Schwitters, eines der wenigen frühen Merz-Reliefbilder des Dadaisten, das nicht im Besitz eines Museums ist. Die Experten gestanden, dass sie nicht so recht wussten, wie sie die Rarität taxieren sollten. Man einigte sich auf 4 bis 6 Millionen Pfund, mehr als das Dreifache des bisherigen Höchstpreises für den Künstler. Der Hammer fiel bei 12,4 Millionen Pfund (15,5 Millionen Euro), inklusive Prämie sind das 13,9 Millionen Pfund (17,4 Millionen Euro).

Das erfolgreiche Werk stammt aus der Sammlung von Viktor und Marianne Langen, aus der neun Werke eingeliefert wurden. Drei blieben unverkauft, darunter auch das Ölbild "Deux Jeunes Filles" (1926) von Max Ernst, das bei einem Schätzpreis von 1 bis 1,5 Millionen Pfund bei 950 000 stehenblieb. Die anderen Werke, etwa eine Gouache von Max Ernst und Gemälde von Joan Miró und Fernand Léger, blieben dagegen nicht hinter den Erwartungen zurück.

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