Art Karlsruhe - Kunstmesse

Basisarbeit statt Chichi

Die Art Karlsruhe wird zehn Jahre alt. Belächelt wird die Kunstmesse längst nicht mehr, sondern erweist sich auch in diesem Jahr wieder als bodenständig. Genau deshalb ist sie so erfolgreich.

Reich wird man mit Kunst nicht. Im Gegenteil: Philipp Valenta hat Schulden. Sein Konto ist mit 852,86 Euro im Minus. Deshalb hat die Jenaer Galerie Pack of Patches dem jungen Künstler eben diese Summe geliehen, damit er sich an seinen Schulden förmlich abarbeiten kann.

Nun sitzt Valenta mit schmutzigen Fingern an einem Campingtisch und zählt seinen Berg aus Münzen. Bis zum Ende der Art Karlsruhe will er das wieder und wieder tun, um darauf hinzuweisen, wie prekär gerade junge Künstler leben, aber auch in der Hoffnung, dass ein paar Euro dazukommen. Einen Euro hat er schon geschenkt bekommen.

Zum zehnten Mal findet die Art Karlsruhe nun statt – und die Zeiten, als die kleine, zunächst eher mittelmäßige Messe belächelt wurde, sind längst vorbei. Der Kurator Ewald Karl Schrade hat einen langen Atem bewiesen und mit seinem Konzept recht behalten: Die Art Karlsruhe ist eine Messe für Sammler, sagt er, und nicht für Investoren. Sie ist bodenständig und setzt nicht auf Chichi, sondern auf Basisarbeit. Da man auch jüngere Sammler heranziehen will, gibt es durchaus bezahlbare Kunst für Einsteiger – wie die Leibniz-Kekse von Sybille Kroos: überdimensionierte Wandobjekte in Butterkeksform mit allerdings eher simplen Botschaften wie "Vernasch mich!" oder "Ich mach glücklich". Das Stück: 420 Euro.

Mit 80 Händlern in einer Halle hat man vor zehn Jahren in Karlsruhe begonnen, inzwischen sind es 220 Galerien in vier Hallen. Bis auf eine große Delegation aus Korea kommen die meisten Händler aus der Republik, und viele von ihnen haben jüngere Malerei im Gepäck – wie die Galerie Döbele aus Dresden, die Igor Oleinikov vorstellt. Er arbeitet mit Öl und Bleistift auf der Leinwand und malt Begegnungen zwischen Mensch und Tier, Mann und Wolf. Wie Löcher, wie greifbares Nichts wirken seine zart gezeichneten Figuren in den satten Ölflächen.

Großes Geld mit klassischer Moderne

Ob es die kleinen, raffiniert geschichteten Papierschnitte von Jörg Mandernach sind, die es bei der Stuttgarter Galerie Rumig für 890 Euro gibt, oder die Zeitschriften, deren Titelblätter Martin Bruno Schmid bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffen hat und die bei Hubert Schwarz aus Greifswald nun 1900 Euro kosten – vieles auf dieser Messe bewegt sich deutlich unter der 10 000-Euro-Marke.
Das große Geld wird dagegen mit der Klassischen Moderne und mit abgesicherten Positionen verdient. So jubelte die Galerie Schlichtenmaier aus Dätzingen, weil sie schon vor der Eröffnung der Messe Verkäufe verbuchen konnte. Auch bei Henze & Ketterer klebte schon vor dem offiziellen Startschuss der erste Punkt an einem Bild von Fritz Winter zu 70 000 Euro. Die Galerie Schwarzer aus Düsseldorf ist sogar mehr als optimistisch und scheint das Messepublikum für äußerst finanzkräftig zu halten. Bei ihr gibt es ein Schwergewicht: einen Blumengarten von Emil Nolde zu 2,65 Millionen Euro.

Solch exquisite und museale Einzelstücke werden am Charakter der Messe trotzdem nichts ändern. Die Art Karlsruhe ist eine Messe für leidenschaftliche Galeristen, die junge, meist noch unbekannte Künstler fördern, aber auch pragmatisch genug sind, um zu wissen, was bei einem breiten Publikum reüssieren könnte. So dominieren Malerei und Skulptur, während die neuen, oft spannenderen Ansätze der Kunst hier nicht anzutreffen sind. Video- und Computerkunst, Installationen und Performances fehlen ganz. Deshalb hat die Performerin Justyna Koeke zur Selbsthilfe gegriffen und eine kleine Demonstration initiiert. Vier als Christbäume verkleidete Performancekünstlerinnen singen jämmerlich schlecht Weihnachtslieder und bitten um Spenden für jene, die auf dieser Plattform keine Verkaufschancen haben: die Mitglieder des von Koeke ausgerufenen "Berufsverbands Performance Künstler".

Art Karlsruhe

Termin: bis 10.März
http://www.art-karlsruhe.de