Sotheby's - Rücktrittsforderung

Feindlicher Übergriff

Der Hedgefonds-Manager Daniel Loeb, Anteilseigner von Sotheby's, attackiert den Aufsichtsratsvorsitzenden des Auktionshauses
Geschäftssinn:Attacke auf Aufsichtsratsvorsitzenden

Daniel Loeb hält Sotheby`s für zurückgeblieben hinter anderen Konkurrenten

Post von Dan Loeb verheißt nichts Gutes. "Es ist nicht meine Absicht, sie einzuschüchtern oder zu verängstigen", legte der Hedgefondsmanager in einer Email los, die immerhin an eine der angesehensten New Yorker Galeristinnen gerichtet war. Nachdem Barbara Gladstone sich dagegen gesperrt hatte, Sammler Loeb eine Arbeit von Matthew Barney zu verkaufen, wollte der Investment-Fachmann der Kunsthändlerin offensichtlich einen Denkzettel verpassen und drohte schriftlich damit, die Geschäftspraktiken ihrer Galerie zu überprüfen und ungenehme Details öffentlich zu machen.
– Das war 2001.

Loeb scheint nicht fündig geworden zu sein und fühlt sich längst zu Höherem berufen. Der Investoren-Aktivist, wie er in Finanzkreisen genannt wird, hat einen Brief veröffentlicht, in dem er den Rücktritt des seit 13 Jahren amtierenden Aufsichtsratvorsitzenden von Sotheby's, William F. Ruprecht, fordert. Loebs Hedgefonds Third Point ist mit einem Anteil von 9,3 Prozent der größte Anteilseigener des Hauses und will ein neues Management installieren, zu dem von Loeb verlesene Direktoren zählen sollen. Die Konkurrenz, das als Privatunternehmen des Franzosen François Pinault geführte Auktionshaus Christie's, hätte Sotheby's abgehängt, so Loeb. Bei den Abendverkäufen im vergangenen Jahr seien die begehrenswerten Werke an Christie's gegangen. Sotheby's hätte keinerlei Konzept für Geschäfte im Internet, das Unternehmen hinkt auf neuen Märkten wie China und dem Nahen Osten hinterher und Ruprecht würde die Bedeutung von zeitgenössischer und moderner Kunst als Wachstumsmarkt nicht begreifen.

Loeb attestiert dem Sotheby's-Chef, der sich 2012 ein Einkommen von 6,3 Millionen Dollar genehmigte, einen Mangel an Führungsstärke und fehlende Visionen. Auf Kosten der Aktionäre lässt er sich Country-Club-Beiträge oder seinen Privatwagen finanzieren. Sogar ein kostpieliges Abendessen in einem New Yorker Bio-Delikatessen-Restaurant, das sich die Chefetage gönnte, führt Loeb auf. Das Auktionshaus sei so angestaubt wie das Werk eines alten Meisters, das dringend restauriert werden muss, meint der Finanzmann.

Markt-Analysten stimmen einigen von Loebs Punkten im Sotheby's -Fall zu. Das Auktionshaus jedoch steht hinter Ruprecht, unter dessen Führung die Umsätze um 75 Prozent gestiegen sind. Es kündigte den Einsatz von Marktstrategien mit dem Namen "Giftpille" an, mit denen eine Übernahme für Loeb finanziell unattraktiv gestaltet werden und der feindliche Übergriff abgewehrt werden soll.

Die Kunstwelt schaut dem Kampf der Geld-Giganten indes belustigt zu. Es sei pure Ironie, dass eine Firma wie Sotheby's, die darauf spezialisiert ist, Bietgefechte zu kreieren oder vorzutäuschen, sich gegen einen Investor wehrt, der die Aktien nach oben treiben will, kommentiert Sammler und Galerist Adam Lindemann. Und Michael Wolff vom "Guardian" fragt sich, warum sich reiche Männer so zur Kunst hingezogen fühlen. Kunst erkauft Status, wäscht Geld rein und lässt sich wunderbar manipulieren, befindet Wolff. Doch wie so viele Hedgefonds-Sammler hätte auch Loeb einen Kunstschatz mit großen Marken, aber nicht mit großartigen Werken angehäuft. In Geldangelegenheiten scheint er sich besser auszukennen: Sollte Sotheby's Loebs Drängen nachgeben, dürfen sich die Aktionäre jetzt schon freuen. Wird ein Firmenchef vor die Tür gesetzt, gehen die Aktienkurse im Laufe eines Jahres im Schnitt um sieben Prozent nach oben.