Auktionen - New York

Arbeiten, die "teuer" schreien

Während die Republikaner bei den amerikanischen Kongresswahlen ihren Triumph feierten und man sich an der Wall Street erfreut die Hände rieb, wurde in New York fleißig versteigert. Die erste Novemberwoche gehört traditionell den Impressionisten und der Modernen Kunst. Sotheby’s und Christie’s hatten reichlich Trophäen im Angebot. Arbeiten, die auf neue Sammler mit dem nötigen Cash aus Russland, Asien oder dem Nahen Osten abzielen. Gesetzt wird auf leicht verdauliche Kunst mit hohem Status-Effekt, die "teuer schreit", wie Carol Vogel von der New York Times treffend bemerkte.
Arbeiten, die teuer schreien:Auktionen in New York

Blick in den Verkaufsraum, in dem gerade um einen Matisse gefeilscht wird

Die Schätzpreise wurden nach wie vor niedrig gehalten. Denn der Schock, den die Rezession ausgelöst hatte, steckt allen noch in den Knochen. "In einem wirtschaftlich unsicheren Klima muss man auf die richtigen Pferde setzen", so Simon Shaw von Sotheby’s. Star des Auftakts der Herbstsaison war die schöne Nackte "Nu assis aur un divan (La Belle Romaine)" von Amedeo Modigliani. Das Gemälde von 1917 ging bei Sotheby’s für einen Rekordpreis von 68,9 Millionen Dollar unter den Hammer. Die "Belle Romaine“ ist eine alte Freundin des Hauses. Bereits 1999 hatte das Werk bei einer Versteigerung bei Sotheby's in New York einen Rekord gebrochen, damals allerdings für den bescheidenen Preis von 16,8 Millionen Dollar.

Weitere Höhepunkte des Abends: Ein prestigeträchtiges Seerosenbild von Claude Monet ("Le Bassin aux Nymphéas" von 1917-19) brachte 24,7 Millionen Dollar und das Bild von Modiglianis junger Geliebten "Jeanne Hébuterne (au chapeau)" erzielte 19,1 Millionen Dollar.

15 der insgesamt 61 Werke gingen bei Sotheby’s als unverkäuflich zurück. Insgesamt wurden 227,6 Millionen Dollar eingefahren, die sich allerdings unter dem oberen Schätzwert von 266 Millionen, jedoch deutlich über dem Ergebnis vom letzten Jahr (181 Millionen) befanden. Matisse war eindeutig der Star der Woche und schlug seinen ewigen Konkurrenten Picasso aus dem Rennen. Sieben der insgesamt 61 Lose der Abendauktion von Sotheby's stammten von Matisse. Darunter die Bronzeskulptur "Deux négresses" (8,4 Millionen Dollar) und die Tänzerin "Danseuse dans le fauteuil, sol en damier", die 20,8 Millionen Dollar erzielte – und vor gar nicht langer Zeit 2007 auf der Höhe des Marktes bei Sotheby's in London für 21,7 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatte.

Auch Christie's setzte auf Matisse als Spitzenlos. Larry Gagosian erhielt für die Rekordsumme von 48,8 Millionen Dollar den Zuschlag für das abstrakte Bronzerelief "Nu de dos, 4 état (Back IV)" von 1930 aus Matisses berühmter Serie von Frauenkörpern. Ein zweiter Rekord wurde für "Violon et guitare" von Juan Gris für 28,6 Millionen Dollar verbucht - der Künstler selbst hatte die Arbeit für sein Meisterwerk gehalten. Christie’s hatte den Nachlass des Intel-Gründers und Silicon-Valley-Pioniers Max Palevsky im Angebot, darunter "La Tasse de thé" von 1921 von Fernand Léger, das für 8,1 Millionen Dollar an den Londoner Kunsthändler Timothy Taylor ging. Léger, einer der Kubisten der ersten Stunde, ist gleich drei Mal auf Christie’s Top-Ten-Liste der Verkäufe vertreten. "Nature morte" von 1927 fand für 7,9 Millionen Dollar einen Käufer. "Femme sur fond rouge, femme assise" brachte 6,3 Millionen. Alberto Giacomettis "Femme de Venise V" von 1958 ließ sich ein anonymer Bieter 10 Millionen Dollar kosten. Egon Schieles "Mann und Frau" lag mit 7,3 Millionen Dollar über dem oberen Schätzpreis von sechs Millionen.

Insgesamt brachte der Abend 231,4 Millionen Dollar. 43 der 84 Lose, davon 17 unverkäufliche, erzielten Preise über einer Million Dollar. Der Kunstmarkt scheint also wieder in guter Verfassung zu sein. Interessanterweise waren es nicht nur die Sammler aus anderen Teilen der Welt, die den Abend in einen Erfolg verwandelten. Sondern in erster Linie die Amerikaner, die fast die Hälfte der Kundschaft ausmachten. Nächste Woche geht es mit den Auktionen für zeitgenössische Kunst in die zweite Runde.

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