Arte-Fiera - Bologna

Italienische Sammler kaufen aus Liebe

Arte-Fiera in Bologna:Leidenschaftliches Gedränge auf der Kunstmesse

Die Arte-Fiera in Bologna lockte dieses Jahr rund 50 000 Besucher an.

Im harten Konkurrenzkampf der zahlreichen Messen hat sich die "ArteFiera" in Bologna, Italiens wichtigster Umschlagplatz für zeitgenössische Kunst, auch in diesem Jahr wieder glänzend behauptet. In vier Tagen kamen rund 50 000 Besucher.

Zur selben Stunde, als in Rom der italienische Ministerpräsident Prodi seinen Rücktritt einreichte, wanderte Italiens mächtigster Manager, der Fiat-, Ferrari- und Messepräsident Luca di Montezemolo gut gelaunt durch die Kojen und mahnte scherzhaft seine Ex-Gattin Edvige Fenech, die er beim Kunstkauf überraschte, sparsam zu sein. Am Stand der New Yorker Galerie James Cohan verhandelte er über ein vier Meter langes Foto von Wim Wenders, auf dem das Hügelland von Galiläa zu sehen ist.

203 Galerien, davon 56 aus dem Ausland, reisten mit rund Tausend Objekten an. Wie seit 34 Jahren steht die italienische Kunst auf der Arte-Fiera im Mittelpunkt. Allein 22 Galerien boten Werke von Lucio Fontana an, dessen geschlitzte Leinwände bei einer Million Euro angekommen sind. Galerien, die noch keine fünf Jahren existieren, bekommen in Bologna einen Rabatt für die Standmiete, die sie rund 7000 Euro kostet. 26 junge Galerien aus Indien, Japan und New York waren in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Der junge Berliner Galerist Martin Mertens hatte mit dem Verkauf von zwei Bildern, darunter eine Stadtlandschaft des britischen Malers Jim Harris, schon am ersten Tag die Hälfte seiner Ausgaben zurück. Trotzdem will er künftig vielleicht lieber zur Turiner "Artissima", die ihm frischer und internationaler erscheint.

"Italienische Sammler sehen in der Kunst kein Objekt der Spekulation. Sie kaufen aus Liebe", sagt Silvia Evangelisti, die seit fünf Jahren die Messe leitet. Nur so erklärt sich wohl, warum die römische Galerie "Monitor" einen grauen, aufgeblasenen Müllsack des britischen Künstlers Graham Hudson umgehend für 5000 Euro an den Mann brachte.

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