Art Unlimited - Basel

Spektakel und Tiefgründigkeit

Seit über zehn Jahren findet auf der weltweit wichtigsten Kunstmesse, Art Basel, die Sonderschau Unlimited statt. Das Konzept dieser Großausstellung ist einzigartig und bei Sammlern und Besuchern gleichermaßen beliebt. Rund 60 bis 70 Künstler erhalten jährlich Zugang zu der außergewöhnlichen Plattform, die Grenzen sprengt und mit neuen Präsentationsmöglichkeiten experimentiert.

"Open Wide" heißt diese neue, monumentale Textilinstallation von Piotr Uklanski. Mit großem Aufwand hat der Pole Stoffe gefärbt und genäht, um die Anatomie der menschlichen Mundhöhle herauszuarbeiten – bis hin zur entzündeten Mandel.

Mit ihrer Dramatik erinnert die Installation an Bühnenbilder, die polnische Avantgardisten wie Tadeusz Kantor in den fünfziger und sechziger Jahren schufen. Doch Uklanski, der heute in New York lebt, stellt noch mehr Bezüge her: Die rauen Gewebe von Jute und Hanf spielen an auf die Handarbeiten
der polnischen Volkskultur und auf Werke feministischer Künstlerinnen aus den Sechzigern und Siebzigern. Präsentiert wird die Installation von der Gagosian Gallery, New York.

Das Leben ist lebensgefährlich

Was passierte mit den Schweizer Missionaren, die vor fast 200 Jahren ins indische Mangalore gingen und dort eine Fabrik für Dachziegel gründeten? Was erleben Yogis, die in den Positionen des Hatha-Yoga den Tod zu überwinden suchen – und ihm dabei nahekommen? "Sie gehen durch Extreme, genauso wie der Ton, wenn man ihn brennt", sagt L. N. Tallur. Mit seiner Installation "Veni, Vidi, Vici" will er zeigen, welche Folgen das menschliche Streben haben kann. Dachziegel und Yogi-Figurinen sind gefertigt nach historischen Vorbildern aus der Manufaktur der Missionare. Tallur (*1971), der in Südkorea lebt, wird präsentiert von Nature Morte, Neu-Delhi, und Chemould Prescott aus Mumbai.

Bruchlandung

Als hätte der Pilot im Nebel einen Berg übersehen: Die Installation von Peter Buggenhout wirkt wie ein verunglücktes Flugzeug. Der belgische Künstler (*1963) ist bekannt für ungeschlachte Skulpturen, die erscheinen wie Überreste schwerer Katastrophen: geborsten, zerschlagen, verbogen. Buggenhout scheint ihr Inneres freizulegen und sie zu sezieren. Hier hat er Schrottelemente auf einem stählernen Rahmen arrangiert, sie mit Farbe bemalt und in Hausstaub gehüllt. "The Blind Leading the Blind" ist eine Ruine, roh und malerisch, dunkel und poetisch. Das Werk stammt aus dem Jahr 2009 und wird gezeigt von der Berliner Galerie Konrad Fischer.

Bündnis auf Zeit

Fremd und vereint, distanziert und verbunden: Die Dynamik des Widersprüchlichen ist es, die Amalia Picas Performance "Strangers" ausmacht. Pica inszeniert ein Tableau vivant mit zwei Protagonisten, die sich nie zuvor begegnet sind. Stundenlang und ohne Pause halten sie ein Band mit bunten Wimpeln. Aufgeführt wurde die Performance erstmals auf der Biennale in Venedig 2011. Pica versteht sie als Kommentar zu Ritualen, bei denen Menschen gemeinsam feiern, obwohl sie einander nicht kennen. Für begrenzte Zeit erleben sie die gleichen Gefühle und Handlungen. Die Künstlerin (*1978) stammt aus Argentinien, lebt in Patagonien und London. Präsentiert wird die Performance von der Londoner Galerie Herald St.

Bis Gras drüber wächst

Das Ereignis bewegte die Welt, und auch Huang Yong Pings Installation entfacht Diskussionen: "Abbottabad" ist der Ort in Pakistan, wo Osama Bin Laden sich versteckte, bis ihn 2011 amerikanische Militärs töteten. Der Künstler (*1954) hat aus Keramik das Anwesen rekonstruiert, in dem der Al-Qaida-Führer lebte. Elf mal fünf Meter groß ist das Modell von Häusern, Gärten und Höfen hinter hohen Mauern. Huang Jong Ping füllt Haus und Flächen mit üppigen Pflanzen – als Symbol für Leben und Wachstum und die alles überwältigende Kraft der Natur. Das Werk wurde 2012 erstmals in Aix-en-Provence gezeigt, auf der Art Basel zeigt es die New Yorker Gladstone Gallery.

Sag’s mit Farben

Eine Antwort auf Daniel Libeskinds Architektur ist diese Installation von Jessica Stockholder. In "Wide Eyes Smeared Here Dear" kommentiert die Künstlerin (*1959) den dramatischen, spitzwinkeligen Bau des Denver Art Museum. Sie arrangiert klare geometrische Elemente und bunte organische Formen, teilt den Raum neu ein, zieht Verbindungen vom Boden zu den Wänden. Stockholder vereint hier die Schlüsselelemente ihrer Arbeit: billige Gebrauchsgegenstände, das Spiel mit Farbe und Raum, malerische Bildkomposition und ihre Auseinandersetzung mit Architektur. Präsentiert wird die Installation aus dem Jahr 2009 von der Galerie Mitchell-Innes & Nash, New York.

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