Auktionen - London

Der Hammer: Rekordpreise für Monet, Koons, Severini und Bacon

Was sind die Trends? Wer waren die Käufer? London-Korrespondent Hans Pietsch mit einem Fazit von den Auktionen bei Sotheby’s und Christie's.

Alles spricht von Rezession und wirtschaftlicher Krise. Nur der Kunstmarkt nicht. Die neuen Superreichen aus Russland, Asien und dem Nahen Osten kaufen, was das Zeug hält. Und so blieb der schon vor den Frühjahrsauktionen vorhergesagte Einbruch dann auch diesmal in London wieder spektatkulär aus. Die Rekorde purzelten wie üblich, sowohl bei den Impressionisten und der Klassischen Moderne als auch bei der zeitgenössischen Kunst.

51,7 Millionen Euro bei Christie's für "Der Seerosenteich" von Claude Monet, ein Rekord für den Künstler. Gino Severinis "Tänzerin" erzielte bei Sotheby's sagenhafte 18,9 Millionen Euro, das Siebenfache des bisherigen Höchstpreises. Christie's setzte "Drei Studien für ein Selbstporträt" von Francis Bacon für 21,7 Millionen Euro ab, ein anderer anonymer Bieter zahlte beim Konkurrenten für einen weiteren Bacon 16,4 Millionen Euro. Die Umsätze der beiden großen Häuser können sich sehen lassen: 108,3 Millionen Euro bei Christie's und 118,4 Millionen Euro bei Sotheby's für die zeitgenössische Kunst. Und noch spektakulärer bei den Impressionisten: 128,4 Millionen bei Sotheby's und 181,3 Millionen bei Christie's. So erfolgreich waren die Auktionen, dass die Kritik an den Häusern wegen "Geldgier" völlig verstummte. Sie hatten nämlich rechtzeitig für die Versteigerungen die Käuferprämie von 20 auf 25 Prozent erhöht.

Einige Trends scheinen sich abzuzeichnen. Der Impressionismus ist wieder "in", der Markt boomt, und das nicht nur wegen des hohen Preises für den Monet. Auch Kubisten und Futuristen werden hoch gehandelt, und die deutschen Expressionisten stehen ihnen in nichts nach. Dass der Markt für Zeitgenössisches hielt, hatte man vorausgesagt. Die neuen Käufer setzen auf Qualität und scheuen sich nicht, ganz tief in die Tasche zu greifen.

London hat bewiesen, dass es mit New York mithalten kann

Interessant auch die Versteigerung der riesigen Skulptur "Balloon Flower" von Jeff Koons im Besitz des texanischen Sammlerpaars Rachowsky. Sie war von Dallas nach London transportiert worden, über Deutschland, wo sie frisch poliert wurde. Christie's installierte sie zur Besichtigung auf dem St. James' Square, ein Telefonbieter zahlte 16,3 Millionen Euro. Gerade mal eben ausreichend, um die Transportkosten sowie die Garantie des Hauses an den Einlieferer zu decken. Sie betrug angeblich 15,8 Millionen Euro.

Auch zwei deutsche Sammlungen profitierten von der Kaufeuphorie: 87 Werke etwas in Vergessenheit geratener Avantgardekünstler aus der Sammlung des Fürther Ehepaars Hoh erzielten bei Christie's mit 20,1 Millionen Euro das doppelte ihres Schätzwertes. Die Störaktion des Galeristen Bernd Göbel, der vor der Auktion eine Klage auf Gewinnbeteiligung ankündigte, blieb erfolglos. Ein Blumenbild der Russin Natalia Gontscharowa wurde für 6,9 Millionen Euro zugeschlagen. Und die Sammlung Lauff, die schon im Mai in New York 60,7 Millionen Euro eingefahren hatte, brachte es auf der Abendauktion bei Sotheby's für 12 Lose auf 23,8 Millionen Euro.

London hat also erneut bewiesen, dass es mit New York mithalten kann. Zum ersten Mal wurde eine große amerikanische Sammlung, die Sammlung Miller, in London und nicht in New York angeboten. Toplos war der Monet, der für 50,5 Millionen Euro den Besitzer wechselte, bis 30 Millionen Euro waren noch fast ein Dutzend Bieter beteiligt, erst ab 40 Millionen schrumpften die Käufer auf zwei Telefonbieter und die bekannte Kunstberaterin Tania Buckrell Pos zusammen. Sie bekam den Zuschlag, aber in wessen Auftrag bot sie? Etwa des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der im Frühjahr zum ersten Mal als Sammler auftrat und zu Rekordpreisen einen Freud und einen Bacon kaufte. Der Monet soll angeblich in London bleiben, wo Abramowitsch sein Domizil hat. Die Bieterin hielt sich bedeckt.