Art Forum Berlin - Interview

Wir glauben an Berlin

Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch, die neuen Leiter des Art Forum Berlin, über die Zukunft der Kunstmesse und den Kunsthandelsstandort Berlin.

Frau Häusler, Sie waren 7 Jahre lang Show Manager bei der Art Basel, Herr Vetsch, sie haben dort 8 Jahre als Communications Manager gearbeitet – was kann denn das Art Forum Berlin von der Mutter aller Kunstmessen lernen?

Peter Vetsch: Von einer Mutter kann man immer lernen. Die Mutter aller Messen ist die Art Cologne, weil sie die erste Kunstmesse der Welt war. Aber sicherlich ist die Art Basel die wichtigste Kunstmesse der Welt.

Eva-Maria Häusler: Natürlich bringen wir unsere Erfahrung betreffend Kontakten, Abläufen und Organisation aus Basel mit, aber auch wir können vom Art Forum Berlin lernen. So versuchen wir, von beiden Organisationen das Beste zu nehmen und zusammenzuführen.

Zuletzt gab es viele unschöne Meldungen über das Art Forum Berlin: Intrigen, Terminverschiebung, Absagen, dazu die Verkaufsschau abc, die viele als Konkurrenz empfanden. Haben Sie lange gezögert, als Sie das Angebot bekamen?

Häusler: Wir glauben an Berlin als Standort für eine international erfolgreiche Kunstmesse. Und wir bekamen klare Signale, von Galerien wie auch von der Messe Berlin, dass der Wille da ist, uns zu dabei zu unterstützen, das
art forum berlin qualitativ zu verbessern. Unsere Entscheidung haben wir nicht bereut.

Schauen wir in die Zukunft: Welches Feedback würden Sie nach dem Ende Ihrer ersten Messe als größtes Kompliment empfinden?

Häusler: Der wichtigste Gradmesser sind unsere Kunden, die Aussteller. Wenn diese nächstes Jahr wieder kommen wollen und sich auch neue Galerien anmelden, dann haben wir unsere Aufgabe erfüllt. Ziel ist es deshalb, dafür zu sorgen, dass die ausstellenden Galerien sich auf dem Art Forum Berlin, aber auch in der Stadt willkommen und wohl fühlen. Wir bieten ein attraktives VIP Programm für Sammler und Kuratoren und die Berlin Talks zu spannenden Themen. Am Ende des Tages zählt natürlich auch, dass verkauft worden ist und das Galerieprogramm sich herumgesprochen hat.

Wie kann man das Art Forum Berlin international besser positionieren?

Häusler: Indem die Qualität verbessert wird. Das ist das Wichtigste. Schon in diesem Jahr konnten viele neue Galerien dazu gewonnen werden, trotz der schwierigen Zeiten. Nun ist es die Aufgabe dieser Galerien, mit guten und spannenden Präsentationen den Inhalt der Messe zu gestalten. Unsere Aufgabe ist es, zusammen mit den Galerien nationale und internationale Sammler und Kuratoren nach Berlin zu bringen.

Vetsch: Wie gesagt, Der Anfang der Qualitätssteigerung ist gemacht. Darauf können wir aufbauen. In den kommenden Jahren wollen wir gerne noch mehr Galerien aus dem asiatischen und amerikanischen Raum vom Kunstmarktstandort Berlin überzeugen. Wir wissen, dass wir uns da noch verbessern können.

Worin liegen die besonderen Chancen des Art Forum Berlin, das die Messe von all den anderen unterscheidet? Wie wird es zur wichtigsten Messe in Deutschland?

Vetsch: Es ist in erster Linie die attraktive Kunststadt Berlin, die, das muss man einfach so sagen, die europäische Hauptstadt für zeitgenössische Kunst ist. Nirgendwo leben und arbeiten so viele Künstler, gibt es so viele führende Galerien, hervorragende öffentliche und private Kunstinstitutionen. Der Sog nach Berlin betrifft nicht nur die Galerien, sondern auch die Sammler, die Kuratoren und Museumsmacher. Welches die wichtigste Kunstmesse Deutschlands ist, um auf den zweiten Teil Ihrer Frage zurück zu kommen, lässt sich nicht so einfach definieren. Die Frage müsste lauten in welchem Segment? Ist es die Klassische Moderne, die Nachkriegs- oder die zeitgenössische Kunst? Was die zeitgenössische Kunst anbelangt, so ist es sicher das Art Forum Berlin.

Wie viele Galerien hatten sich beworben?

Häusler: Es haben sich ungefähr gleich viele Galerien beworben, wie im Vorjahr, insgesamt haben wir mehr Interessenten als die 130 Plätze.

Wie viele haben Sie ausgewählt, nach welchen Kriterien?

Häusler: Die Auswahl wird von einem international besetzten Selection Committee nach qualitativen und messekonzeptionellen Kriterien gemacht. Das heißt, die Qualität der Bewerber wird verglichen und die angebotenen Programme mit dem Messekonzept in Einklang gebracht. Dieses sieht vor, dass das Art Forum Berlin sich als eine internationale Messe versteht und die Galeristen nun erstmals auch Kunst ab 1960 zeigen können.

Warum haben Sie den Fokus um die Kunst seit den 1960er Jahren erweitert?

Vetsch: Wir wollen uns nicht mit anderen Kunstmessen vergleich, etwa mit der Art Basel oder der Art Cologne, die in ihrem Ausstellungskonzept ein ganz anderes Profil aufweisen, das heißt zeitlich viel weiter in die Kunstgeschichte zurück gehen. Das wäre wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wir wollen aber eine wichtige Messe für zeitgenössische Kunst sein. Indem wir nun schon bei den 1960er Jahren ansetzen, können wir uns einerseits von Mitbewerbern unterscheiden und andererseits zeigen, was die "Väter" der jüngsten Künstlergeneration damals gemacht haben. Wir dokumentieren, wie sich die Kunst seither entwickelt hat.

Die Galerie Volker Diehl ist nicht zugelassen worden, dabei gehörte Volker Diehl zu den Gründern des Art Forum Berlin, auch die Galerie September war in der ersten Auswahl nicht dabei, dabei hatte sie noch im vergangenen Jahr den Preis für den besten Messestand bekommen. Warum?

Häusler: Die Galerie September hatte im letzten Jahr einen Stand im Sektor Galleries bespielt, dieses Jahr haben sie sich mit einem Projekt für den Sektor Focus beworben. Dort wird nicht das Galerienprogramm juriert, sondern eben das vorgeschlagene Projekt. Dass in dem Sektor nur 30 Stände zur Verfügung stehen, macht es nicht leicht, eine Zulassung zu bekommen. Was die Galerie Volker Diehl betrifft, so spielt leider auch hier das beschränkte Platzangebot eine Rolle. Durch die Rückkehr vieler Berliner Galerien, die im letzten Jahr nicht dabei waren und die Ausweitung des Konzeptes auf Kunst nach 1960 konnten auch etliche der letztjährigen Teilnehmer nicht mehr zugelassen werden.

Das Art Forum Berlin ist nun wieder auf dem üblichen Termin Ende September. Die Art Berlin Contemporary (ABC) findet zeitgleich statt – und die ABC-Gründer sind wieder beim Art Forum Berlin dabei. Wie würden Sie das Verhältnis beschreiben?

Vetsch: Ich würde es auf alle Fälle eine Partnerschaft nennen. Zwischen den beiden Veranstaltungen wird es einen Shuttle-Bus-Service geben. Die Eintrittskarten gelten für beide Veranstaltungen, und der Empfang des neu gegründeten "Host Committee", welches das Ziel hat, die Messe besser in der Stadt zu verankern, wird vor der Eröffnung der abc in der Akademie der Künste stattfinden. Wir kennen die Berliner Galerien auch von unserer Arbeit in Basel sehr gut und es war sehr schnell klar, dass wir alle das Interesse haben, das Art Forum Berlin zu einer starken Messe zu machen.

Können Sie mir bitte erklären, was es mit dem "Host Committee" auf sich hat?

Vetsch: Das Vorbild eines solchen "Host Committee" kommt aus den USA, mit dem Ziel, die Kunstliebhaber einer Stadt für eine Veranstaltung wie das Art Forum Berlin zu begeistern. Wir wollen dafür rund 100 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur gewinnen. Auf unser erstes Mailing haben spontan 50 ohne Zögern zugesagt. Den Vorsitz hat Klaus Wowereit übernommen, Honorary Chairman ist der ehemalige Galerist und Sammler Paul Maenz.

Sie haben in einem Interview gesagt, es gehe Ihnen nicht um die Quantität der Zuschauer sondern um deren Qualität. Herr Vetsch, kümmern Sie sich deshalb in erster Linie um die VIP-Gäste? Welche Gäste wollen Sie denn nach Berlin locken und was bieten Sie denen, was sie anderswo nicht bekommen?

Vetsch: Ich möchte dies nicht so wertend stehen lassen. Wir freuen uns über jeden Kunstliebhaber, der das Art Forum Berlin besucht. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg einer Kunstmesse sind jedoch die Verkäufe der teilnehmenden Galerien. Deshalb kümmern wir uns als Messeveranstalter auch um die Kunden unserer Kunden, das heißt die Sammler, Museumsdirektoren und Kuratoren. Ihnen bieten wir ein spezielles VIP-Programm mit dem Besuch von Privatsammlungen und eines Ateliers am Morgen, die Berlin Talks am Nachmittag und Empfängen in den wichtigen Berliner Kunstinstitutionen am Abend. Ein VIP-Programm gab es schon früher, aber nur am Anfang der Messe. Wir haben es auf die ganze Messedauer ausgeweitet.

Das vergangene Jahr war kein erfolgreiches Messe-Jahr in Deutschland. Überhaupt wird immer wieder gesagt, die Messe-Zeit sei vorbei. Wie überzeugen Sie müde Sammler und Galeristen?

Häusler: Unser Erfahrung ist eine andere. Messen sind ein Treffpunkt und eine Networking-Plattform, und dies spielt gerade in der Kunstwelt, wo persönliche Beziehungen sehr wichtig sind, eine große Rolle. Natürlich sind in den letzten Jahren viele zusätzliche Kunstmessen und Parallelmessen entstanden, aber dies entsprach dem Markt. Das Art Forum Berlin wurde 1996 gegründet und hat im internationalen Kunstmessemarkt seinen festen Platz. Berlin ist in den letzten Jahren als Metropole für zeitgenössische Kunst und Wohn- und Arbeitsort vieler internationaler Künstler noch attraktiver geworden.

Vetsch: Die wenigsten Menschen sind messemüde. Bei erfolgreichen Messen kennt man ja das Phänomen der Satelliten-Messen. Ich vergleiche diese Situation gerne mit einer Speisekarte. Da isst man auch nicht das gesamte Menü, sondern sucht sich eine Vorspeise, eine Hauptspeise und ein Dessert aus. Und ohne Frage, das Art Forum Berlin ist natürlich die Hauptspeise.

"Art Forum Berlin"

Termin: 24. bis 27. September, Messehallen Berlin. Weitere Termine: Art Berlin Contemporary: drafts establishing future (abc-def), 23. bis 27. September, Akademie der Künste; Berliner Liste, 23. bis 27. September, Palais am Tiergarten; Preview Berlin, 25. bis 27. September, Flughafen Tempelhof; Berliner Kunstsalon, 22. bis 27. September, Humboldt Umspannwerk
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