Sotheby's - Auktion

Markt reagiert auf Qualität und Seltenheit

Große Aufregung vor der ersten Kunstauktion des Jahres. Doch zur Überraschung lief alles sogar besser, als die Pessimisten befürchtet hatten.

Es ist nicht einfach, den Reigen zu eröffnen, und so ist es verständlich, dass man bei Sotheby’s vor der ersten großen Abendauktion des Jahres inmitten einer weltweiten Finanzkrise ein wenig nervös war. Doch dann lief alles sogar besser, als die Pessimisten befürchtet hatten.

Von 29 Losen blieben nur sieben unverkauft, das Toplos hielt in etwa, was es versprach, und der Rest brach nicht ungebührlich ein. Der Gesamterlös lag mit 32,5 Millionen Pfund inklusive Käuferprämie zwar erheblich unter dem Schätzwert von rund 55 Millionen, war jedoch keine totale Blamage. So zeigte sich Direktorin Melanie Clore auch "glücklich über den Ausgang dieses ersten Markttests".

Drei Bieter lieferten sich ein längeres Gefecht um das Toplos, die Bronzestatue "Petite Danseuse de Quatorze Ans" ("Die kleine 14-jährige Tänzerin"), von Edgar Degas, das mit einem Hammerpreis von 11,8 Millionen Pfund endete, nur 200 000 Pfund unter dem oberen Schätzwert – ein Rekord für eine Skulptur des Künstlers. Bei dem Käufer aus Asien wird die Tänzerin, so Melanie Clore, "ein gutes Zuhause finden", und Einlieferer Sir John Madejski, englischer Millionär und Mäzen, kann zufrieden sein: Er hatte die Statue im Jahr 2004 für nur 5 Millionen Pfund bei Sotheby’s erstanden. Die Enttäuschung des Abends war eine weibliche "Karyatide" (1913) von Amedeo Modigliani, die bei einer unteren Taxe von 6 Millionen Pfund nur 4,7 Millionen erreichte und damit unverkauft blieb.

Zahl der Werke wurden drastisch beschränkt

Die deutschen und österreichischen Werke erzielten dagegen respektable Preise. Allen voran eine "Straßenszene" (1913) von Ernst Ludwig Kirchner, die für 4,8 Millionen zugeschlagen wurde, und die erst kürzlich den Erben des tschechischen Sammlers Oskar Federer rückerstattete Stadtansicht "Istanbul I" (1929) von Oskar Kokoschka, die für 1,3 Millionen Pfund verkauft wurde. Lediglich eine Bronzestatue von Ernst Barlach fand keinen Käufer.

Die Strategie des Auktionshauses, die Zahl der angebotenen Werke drastisch zu beschränken und sich auf solche zu konzentrieren, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach würden verkaufen lassen, war also richtig gewesen. Melanie Clore gab zu, einer Reihe von Einlieferern aus eben diesem Grund einen Korb gegeben zu haben. Und sie sieht in der Auktion "einen klaren Beweis dafür, dass der Markt auch weiter auf Qualität und Seltenheit reagiert."

"Sotheby's Contemporary Art"

Nächster Auktionstermin: Donnerstag, 5. Februar; versteigert werden u.a. Werke von Gilbert & George, Damien Hirst, Anish Kapoor, Jeff Koons, Roy Lichtenstein, Gerhard Richter, Bridget Riley und Andy Warhol.
http://www.sothebys.com/app/paddleReg/paddlereg.do?dispatch=eventDetails&event_id=29163