Viennafair - Wien

Endlich schick

Um fast 30 Galerien gestrafft, präsentiert sich die Wiener Kunstmesse Viennafair in diesem Jahr konzentrierter als zuvor. Noch schwankt die Qualität, aber die Messe scheint angekommen. Ein Fazit von art-Korrespondentin Almuth Spiegler
Endlich schick:Ein Fazit zur Kunstmesse Viennafair

Leiterin Christina Steinbrecher-Pfandt, Viennafair 2014 The New Contemporary

Viele Kunstmessen werden wohl nicht von Bundespräsidenten eröffnet, in Österreich ist das mittlerweile Standard. Logisch, dass auch die zehnte Jubiläumsausgabe der "Viennafair" von Heinz Fischer derart geadelt wurde.

Aber auch für andere Spitzenpolitiker gehört es mittlerweile anscheinend schon zum guten Ton, sich hier blicken zu lassen – die Nähe zur zeitgenössischen Kunst ist auch in Wien endlich schick, man glaubt es kaum. So trifft man neben Bundespräsident und Kunstminister auch den ehemaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer oder Ex-EU-Kommissar Franz Fischler in den lichten Gängen der Messehalle 1. Sie wurden von überwiegend zufriedenen Gesichtern begrüßt – von Sammlern, Galeristen, mitunter sogar Künstlern und der Veranstalter natürlich: Der seit wenigen Wochen nur noch alleine zuständigen Christina Steinbrecher-Pfandt (Kollegin Vita Zaman verabschiedete sich ins Kuratorische). Und ihrem ernsten Chef, dem russischen Investor Dmitry Yu. Aksenov.

Zum Jubiläum verzichtete man auf Masse und sorgte sich zumindest um mehr Qualität: Die Messe wurde um fast 30 Galerien gestrafft, was ihr sichtlich gut tat. Dennoch bringen die immer noch großen Qualitätsschwankungen einen manchmal aus dem visuellen Gleichgewicht. Wohlwollend bemerkt wurde von den Galeristen, dass das Sammlerprogramm intensiviert wurde. Hat man die angekündigten "Russen" voriges Jahr noch recht lieblos durchgeschleust, wies man ihnen nun sogar mit Dolmetscher den Weg in die Kojen. Auch hochkarätige US-amerikanische Sammler wie Barbara und Aaron Levine erblickten die Galeristen-Augen sehr zu ihrer Freude.

"Es ist eine ehrliche, solide Messe", hört man. Höchstens zu viel los sei rundherum in Wien – die Gleichzeitigkeit mit der "Design Week" ist tatsächlich ein wenig heftig. Das schon renommierte, mit internationalen Gastkuratoren bespielte Galerienprogramm "curated by" ist allerdings ein echter, bereits etablierter Gewinn. Genauso wie die eineinhalb Alternativmessen: "Parallel Vienna", diesmal im leerstehenden alten Zollamt ähnlich ambitioniert wie bei der Premiere 2013, und "Parkfair", die sich diesmal weniger als Messe denn als Ausstellung entpuppte: In der Ehrenhalle des Kriegerdenkmals am Heldenplatz zeigen Künstler wie Peter Weibel, Lawrence Weiner oder Parastou Forouhar Bilder, die nur mit Nachtsichtgeräten entschlüsselt werden können.

Dominanz der Gemischtwarenstände

Da geht es auf der "Viennafair" schon ganz anders, viel direkter an die Ware. Vor allem der Osteuropa-Schwerpunkt zahlt sich wieder aus, das absolute Asset dieser Messe. Hier wird diesmal besonders mit Schwerpunkten auf Rumänien und Aserbaidschan gepunktet. Aber auch die polnische, ungarische und russische Szene ist gut abgebildet, das gibt es sonst nirgends. Ohne Hauptsponsor Erste Bank wäre dieser Rundumblick allerdings nicht möglich. Ein Gegengewicht zu dieser von manch heimischen Platzhirschen ein wenig scheel beäugten Förderung ist die "Zone 1", in der das Kunstministerium Einzelpräsentationen österreichischer Galerien unterstützt. Der Projektraum der Galerie Krinzinger etwa nutzt das, um jeden Tag umzuhängen und einen anderen jungen Künstler zu präsentieren, Christian Eisenberger etwa oder Benjamin Hirte. Am ehesten hängen bleibt man hier bei den sensiblen Betonobjekten der Bonvicini-Schülerin Cäcilia Brown (Galerie Senn). Manche der etablierten Wiener Galerien entschieden sich einzig für einen solchen Stand, was auch finanziell sicher attraktiv ist.

Ansonsten dominierten die Gemischtwarenstände in unterschiedlicher Qualität, was den Verkäufen allerdings keinen Abbruch tat. Die Bilder vom jungen, in Berlin lebenden Maler Robert Muntean etwa wurden Miryam Charim ihren Angaben nach "aus den Händen gerissen". Es herrschte allgemeine Zufriedenheit. Und zufrieden sollte und darf man auch endlich sein. Auch wenn immer noch Potenzial nach oben ist – Wien hat endlich eine internationale, professionelle, funktionierende Kunstmesse. Das allererste Mal vielleicht.

Viennafair 2014 The New Contemporary

2. bis 5. Oktober,
Wien
http://www.viennafair.at/de/