Art Basel Miami - Impressionen

Miami Hotspots

Die Art Basel Miami ist zu Ende. art-Korrespondentin Claudia Bodin zieht ein letztes Resümee: Was wird Trend? Was ist gefloppt? Und was wurde hinter vorgehaltender Hand getuschelt?
"Habt Ihr auch einen Obama dabei?":Impressionen von der Art Basel Miami

Amanda Lepore stellte ihren Duft "Amanda" vor

Kunst zum Riechen?

Die New Yorker Nightlife-Ikone Amanda Lepore nahm die Gelegenheit wahr und stellte ihren eigenen Duft "Amanda" vor. Als Präsentationsort wählte die Muse von Fotograf David LaChapelle, die 2005 mit ihrem Nacktauftritt auf einer Party von Verleger Taschen Messe-Geschichte geschrieben hatte, die Alternativmesse Pulse. Leider machten die mit Swarovski-Kristallen besetzten Flakons mehr her als der Duft.

Trend: Kunst fürs Wohnzimmer

Es waren nicht nur die Preise, die von der neuen wirtschaftlichen Realität eingeholt wurden. Die meisten Galeristen brachten weniger Arbeiten mit nach Miami – und zeigten obendrein weniger raumeinnehmende, nach Aufmerksamkeit schreiende Werke. Insgesamt war die angebotene Kunst weniger gewaltig, weniger prestigeträchtig. Die Leute würden sich wieder mehr in ihr Zuhause zurückziehen und Kunst besitzen wollen, mit der sie leben können, meinte ein Kunstberater.

Miami Sound Bites

Ein amerikanischer Dealer zu einem Kollegen: "Habt Ihr auch einen Obama dabei?"

Promi-Fotograf Patrick McMullan auf der Hauptmesse: "Es ist wie im Himmel – wenn nur die vielen Menschen nicht wären."

Der New Yorker Galerist Bruce Silverstein zum Platzen der Kunstblase: "Der Sammler, der sich einen Damian Hirst für 30 Millionen Dollar gekauft hat, der auf einmal nur noch drei Millionen wert ist, sollte sich davon nicht weiter stören lassen. Ihm sollte die Arbeit 30 Millionen wert sein. Denn es geht um die Liebe zur Kunst. Darum, eine Arbeit unbedingt besitzen zu wollen. Und nicht um die Investition."

Ein deutscher Galerist zu einem deutschen Sammler, der mit dem Galerienplan in der Hand durch die Halle steuerte: "Sie machen das also ganz professionell mit Ankreuzen." Der Sammler: "Und Abhaken."

Pulse-Messechefin Helen Allen: "Messen sind das notwendige Übel der Kunstwelt – ohne sie geht es nicht mehr. Auch nicht in Zeiten wie diesen."

Galerist Javier Peres, der neue Arbeiten von Dash Snow zeigte, darunter Fotos von Snows kleiner Tochter Secret mit einem Hamburger auf dem Kopf: "Die Leute sollten Kunst nicht als Investment kaufen – da sind Branchen wie die Prostitution oder der Handel mit Alkohol sicherer. Ich überlege, ob ich eine der Arbeiten an ein amerikanisches Museum oder an einen Sammler in Hollywood gebe – ich denke, es wird Hollywood werden."

Neu-Entdeckung

Einer der neuen Stars der Messe: Mickalene Thomas. Alle vier Editionen ihrer Arbeit "Oh Mickey" gingen bei Lehman Maupin für je 35 000 Dollar weg. Die 37-jährige New Yorkerin zeigte Bilder von glitzernden Frauenbeinen in sexy Kniestrümpfen und Pumps. Dazu ein Video mit einer halbnackten African-American Lady im für die Künstlerin so typischen Eighties Ambiente.

Model-Retrospektive

Eine der merkwürdigsten Veranstaltungen der diesjährigen Messe war auf jeden Fall "Art Photo Expo Miami": Die Modefoto-Messe, immerhin zum zweiten Mal in Miami dabei, nahm das Motto "Underground" wörtlich und hatte einen nicht besonders glamourösen Parkplatz unterhalb von Autobrücken bezogen. Ein Teil der Ausstellung wurde Supermodel Naomi Campbell gewidmet. Fotografen wie Albert Watson, Jean Paul Goude, Bettina Rheims oder Bruce Weber steuerten Bilder bei. Der Katalog zeigte das Hinternteil des Models im weißen Unterhöschen. Campbell, die sich einen Ruf für schlechtes Benehmen erarbeitet hat, erschien ganze zweieinhalb Stunden zu spät, um ihre eigene Ausstellung zu eröffnen.

Beutelkunst: "Ich brauche Geld"

Das New Museum präsentierte eine neue Kollektion von Leinentaschen (für 35 Dollar) auf der Alternativmesse NADA (New Art Dealers Alliance). Jeder Beutel wurde von einem anderen Künstler designt. Am meisten gefragt waren – wen wundert es in diesen Zeiten – Chris Caccamises Kreationen mit der Aufschrift: "I Need Money".

Maler Marilyn Manson

Überraschungskünstler war dieses Jahr Gothic-Rocker Marilyn Manson, der von der Kölner Galerie Brigitte Schenk in der Galerie "101 Exhibit" in Miamis Design District vertreten wurde. Im vergangenen Jahr hatte Hollywood-Star Lucy Lui die Kunstwelt mit der Nachricht überrascht, dass sie seit Jahren malt. Manson, im schwarzen Mantel mit Lackhut und dem für den Musiker typischen gespenstischen Make-up, zeigte verstörende Aquarell-Porträts, auf denen er Berühmtheiten, Freunde, aber auch Opfer von Verbrechen festgehalten hatte. "Es fällt mir schwer, meine Bilder an andere zu verlieren", so Manson, der eine Zeitlang überlegt hatte seine Karriere als Musiker für die Kunst aufzugeben. Seine ersten Arbeiten 1999 waren künstlerische Schnellschüsse, der er bei Dealern gegen Drogen eingetauscht hatte.

Top: Bananen bei den Rubells

Das Opening der alljährlichen Ausstellung der Sammlerfamilie Rubell überraschte mit einem Frühstück, das einer Installation glich: Neben einem großen Berg Bananen waren Kartons mit Krispies oder Cornflakes, Kaffeebecher und Löffel kunstvoll angerichtet. Die Ausstellung begeisterte ebenfalls: Zu sehen gab es 250 Arbeiten von 31 afroamerikanischen Künstlern wie Kehinde Wiley, Shinique Smith oder Jason Rhodes. Die Ausstellung soll 2010 nach Afrika reisen.

Flop: Grüne Kunst

Premiere feierte die grüne Kunstmesse "The Green Project" im Wynwood District. Fragwürdig ist allerdings, ob sie jemals wiederkehren wird. Keiner konnte so recht etwas mit der Veranstaltung anfangen. Wer sich doch in das Zelt hineintraute, war überrascht, dass Klimaanlage und Musik auf Hochtouren liefen, um Noah Fischers Installation zum Thema schmelzende Polarkappen zu untermalen.

Personalities

Popstar Beyoncé Knowles stakste in ihren ultrahohen Pumps gemeinsam mit ihrem Freund, Hip-Hop-Meister Jay-Z, und Kunstberaterin Jeanne Greenberg-Rohatyn über die Messe. Beyoncé soll dabei sein, eine Sammlung mit Arbeiten afroamerikanischer Künstler aufzubauen: "Ich dachte mir, dass ich in etwas investieren muss, und ich liebe Kunst." Ihren Partner wird es wohl weniger interessiert haben – Jay-Z sammelt wertvolle Autos. Interesse zeigte Beyoncé an einer Serie des amerikanischen Videokünstlers Paul Pfeiffer. Doch von 24 Arbeiten wollte sie nur die Hälfte haben, und der Deal kam anscheinend nicht zustande.

Der Konzertauftritt des scheinbar alterslosen Stars Grace Jones im Florida Room des Delano Hotels war das am heißesten begehrte Ticket der Messe. So schlecht scheint es der Autoindustrie also doch nicht zu gehen. Eingeladen hatte Autohersteller Audi. Unter den Gästen waren Benicio Del Toro, der gemeinsam mit Regisseur Steven Soderbergh seinen neuen Che-Guevara-Film vorstellte, Julian Schnabel, Kirsten Dunst, Mary-Kate Olsen und deren Freund, der Künstler Nate Lowman.

Die deutsche Sammlerin Ingvild Goetz war in Miami auf Shoppingtour und kaufte neue Arbeiten von Cindy Sherman und von dem amerikanischen Jungkünstler Ryan Trecartin wie sie der New York Times verriet. Ingvild Goetz begrüßte die nicht mehr von Gier getriebene Atmosphäre bei der Messe und dass man sich als Sammler wieder mehr Zeit nehmen konnte. "Wenn man ein wirklicher Sammler ist, mag man Geld verlieren. Aber es kümmert einen nicht, ob es mit dem Kunstmarkt bergauf oder bergab geht."

Bei glitzernden Steinchen kann auch ein Avantgarde-Filmemacher nicht Nein sagen: David Lynch, Regisseur von Filmen wie "Blue Velvet", wurde von Cartier engagiert für das Kuppelzelt der Schmuckfirma eine Installation zu machen. Als Inspiration schickte Cartier Lynch Gold- und Diamantenschmuck. Lynch, der Kunst studierte und auch als Maler arbeitet, stattete das Verkaufszelt "Cartier Dome" mit goldenen Wandbehängen und Teppichen aus. Bei seiner siebenminütigen Lichter- und Soundshow mit dem Titel "Diamond, Gold and Dreams" wanderten Diamanten durch die Kuppel.

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