Gallery Weekend – Highlights 2014

Berliner Heimspiel

Vor zehn Jahren startete das Gallery Weekend in Berlin seine Erfolgsgeschichte in der Kunstszene, zum zehnten Mal codieren die Mitte-Galerien nun erneut Kunst zum Lifestyle um. Der Balance-Akt zwischen Hype und Nischen-Status wird allerdings zunehmend schwieriger: Zeit für ein Resümee.
Das müssen sie sehen:Berliner Gallery Weekend vom 2. bis 4. Mai

Das jährliche Weekend-Dinner im Kraftwerk wird jedes Jahr größer - 900 teilnehmende Sammler, Künstler und Kuratoren sind dieses Jahr zum gemeinschaftlichen Schmaus versammelt.

Schuld war die "Fairtigue", die Messemüdigkeit: Vor zehn Jahren beschlossen sieben Berliner Galeristen, nach etlichen Auswärtsspielen in London, New York und Paris den Spieß umzudrehen und ein attraktives Heimspiel auf die Beine zu stellen.

Das Berliner Gallery Weekend war geboren und entwickelte sich seit seinem Debüt 2005 zum wichtigsten Termin des hauptstädtischen Kunstjahres. Aus 20 teilnehmenden Galerien wurden inzwischen 40 und das traditionelle Weekend-Dinner ist mittlerweile trotz strenger Gästelisten-Auswahl auf rund 900 teilnehmende Sammler, Künstler und Kuratoren angewachsen. Da muss schon mal ein deindustrialisiertes Heizkraftwerk (Tresor 2) oder ein umgenutztes Flughafengebäude (Tempelhof) gebucht werden, um allen Platz zu bieten.

Typisches Kind der Nullerjahre

Das Weekend, dessen zehnte Ausgabe vom 2. bis 4. Mai stattfindet, ist ein typisches Nuller-Jahre-Kind, und es ist nicht zufällig eine Berliner Erfindung. Auf die Gärprozesse der Neunziger folgte in der Hauptstadt die Zeit der Macher. Kunst wurde zum Lifestyle umcodiert. Die Vernissagen in den Mitte-Galerien waren gestopft voll. Auch wenn es die Kunst-Mitte so nicht mehr gibt: Dieser Zustand hat sich als haltbar erwiesen. Deshalb steht das Weekend paradoxerweise für zwei anscheinend gegensätzliche und doch zusammenhängende Tendenzen. Einerseits ist da der Hype um die zeitgenössische Kunst als Pop-Kultur-Phänomen. Andererseits steht das Weekend für den Versuch, gerade innerhalb dieser Entwicklung eine Statusnische zu konstruieren. Mit der Popularisierung der Kunst wuchs der Wunsch nach Luxusnischen und Statuskommunikation: abzulesen am 2007 eröffneten Sozialaquarium Grill Royal oder am Umzug von Berlins Glamour-Galerie CFA in einen edlen Chipperfield-Bau am Kupfergraben.

Mitte, welche Mitte?:Umzugsstimmung beim Gallery Weekend in Berlin
Die Berliner Galerieszene ist weitergewandert: Bei all den Neueröffnungen und Ausstellungen zum Gallery Weekend 2015 muss man sich auf der Berliner Kunstroute erstmal neu orientieren

Auch wenn es längst nicht mehr so stark kribbelt: Die Galeristen demonstrieren besonders an diesem Termin gerne, welche Rolle die Räume spielen, in denen die Kunst erfahren werden kann. Keine Messekoje kann es beispielsweise mit der brutalistischen Düttmann-Kirche aufnehmen, in der Galerist Johann König Werke präsentiert. Die Künstler spornt das Weekend ohnehin an. So wuchtete Olafur Eliasson 2006 in einem logistischen Kraftakt riesige Eisklumpen in seine Galerie Neugerriemschneider, und Heimo Zobernig veranstaltete 2010 in der Galerie Christian Nagel eine Modenschau-Performance, bei der unter anderem der damalige Ludwig-Direktor Kasper König als Laufsteg-Model reüssierte. An solchen Aktionen zeigt sich die Genialität des Weekend: Es eint scheinbar Widersprüchliches wie Popularität und Elitismus und widerspricht mit seinem Erfolg den Unkenrufen vom Tod der Galerie-Kultur.

Gallery Weekend

Vom 2. bis 4. Mai, 40 Galerien in Berlin-Mitte

Öffnungszeiten: Fr, 2. Mai 18-21 Uhr; Sa + So, 3. + 4. Mai 11-19 Uhr
http://www.gallery-weekend-berlin.de/index.php?id=9