Art Basel - Miami

Miamis sieben glorreiche Highlights

Die Art Basel in Miami neigt sich ihrem Ende zu. Nach allen Events und Partys zeigt art die Higlights der berühmten Messe.

Marina Abramovic ist längst zur Königin der New Yorker Kunstwelt aufgestiegen. Und so fehlte die Meisterin der Performance-Kunst auch in Miami nicht.

Bereits vor Beginn der Hauptmesse stellte Abramovic ihr Foto-Porträt in limitierter Auflage vor, das zu einem Preis von 1000 Dollar und zu Gunsten von Elton Johns Aids-Stiftung und Abramovics geplantem Performance-Zentrum in Hudson, New York, verkauft wird. Einen Abend später stieg die Premiere von "A Portrait of Marina Abramovic". Ein filmisches Porträt der Künstlerin, die vor wenigen Tagen ihren 67. Geburtstag feierte. Der Film von Matthu Placek läuft mit Einsatz der Dunkelheit in Endlosschleife alle 15 Minuten bis in die frühen Morgenstunden auf dem Campus der YoungArts-Stiftung und zeigt eine nackte Abramović in 3D. Sein Porträt sei äußerst persönlich und hätte etwas sehr Verletzliches, so Placek: "Art Basel Miami Beach ist laut und alles in der Nähe des Messezentrums schreit nach Aufmerksamkeit." Also entschied er sich, einen Kontrast zum schrillen Messeprogramm zu schaffen.

...und ihre Freundin Lady Gaga

Wenn sich Marina Abramovic die Ehre gibt, ist auch Lady Gaga nicht weit. Um Geld für ihre 2011 gegründete Stiftung "Born This Way" einzusammeln, die Jugendliche inspirieren soll, ließ der Star ein Dinner und eine Party steigen, bei der Frauen-Power und Künstlerinnen gefeiert wurden – die Veranstaltung lief ironischerweise im ehemaligen Playboy Plaza Hotel. Die Statistiken seien weiterhin alarmierend, so Gaga-Produzentin Nicole Ehrlich. "51 Prozent der Künstler sind Frauen, aber nur 5 Prozent der Ausstellungen, die in Museen in den USA laufen, zeigen Künstlerinnen."

Playboy-Häschen für wahre Männer

Der New Yorker Künstler Richard Phillips setzte hingegen auf guten alten Häschen-Sex-Appeal. Im Rahmen der testosteronstarken Aktion "Piston Head: Artists Engage the Automobile" dekorierte er einen pechschwarzen Dodge Charger mit dem Playboy-Symbol - und posierte gemeinsam mit Kurator Neville Wakefield und Damen im berühmten Hasen-Outfit. Die Party für insgesamt 14 Autokünstler (darunter Franz West, Richard Prince, Kenny Scharf, Dan Colen und Nate Lowman, Keith Haring und Damian Hirst) stieg im Parkhaus von Herzog & de Meuron. Phillips ist bereits voll im Playboy-Thema: Der Künstler steckt hinter der umstrittenen "Playboy Marfa"-Installation, ein knapp 13 Meter hohes Bunny, die für Ärger in Texas gesorgt hat.

Vanessa Beecroft und Kanye West

Die Besucher des Mana-Kunstzentrums in Wynwood, ein gewaltiger Gebäude-Komplex, in dem es viel Platz, wenig Ideen und viel schlechte Kunst zu geben scheint, mussten lange warten. Dann schickte Vanessa Beecroft ihre in Schlamm gehüllten Nackten auf die Bühne, wo sie dem Publikum schweigend in die Augen blickten. Doch die meisten der Gäste langweilten sich nach kürzester Zeit mit der Nacktheit und waren sowieso nur gekommen, weil sich Superstar Kanye West angekündigt hatte.

Tracey Emins Badelatschen

Sie eröffnete eine Ausstellung mit Neon-Arbeiten im Museum of Contemporary Art in North Miami und wurde bei der White-Cube-Party im Soho House gefeiert. Der Eintritt zu der begehrten Messe-Auftaktparty wurde dies Mal mit einem UV-Stempelaufdruck (Tracey Emins Name in ihrer Handschrift) erschwert, den diverse Türsteher mit ihren Lampen überprüften – natürlich versuchten die Partygänger sich dennoch an den Kontrollen vorbeizuschmuggeln und wurden erwischt. Im Fontainebleau Hotel signierte Emin Ausstellungskataloge, ließ sich mit Verehrern fotografieren – und verkaufte Emin-Ware: Flipflops (30 Dollar), Badehandtücher und T-Shirts (50 Dollar) mit dem Aufdruck "Kiss me, Cover my Body in Love".

Donald Trump der Tropen

28 Monate und 131 Millionen Dollar später eröffnete das von Herzog & de Meuron gebaute Perez Art Museum Miami am Biscayne Boulevard, das zuvor unter dem Namen Miami Art Museum lief. Der Grund für die Umbenennung, die bei den Vorstandsmitgliedern für Verärgerung sorgte, ist eine Spende von 40 Millionen Dollar und Kunstwerken, die der lokale Baulöwe Jorge Pérez machte. Pérez ist als der Donald Trump der Tropen bekannt, verdiente sich sein Vermögen mit dem Bau und Betrieb von Häusern für einkommensschwache Familien und baute später Hochhaustürme mit Eigentumswohnungen. Das Museum eröffnet mit Arbeiten der kubanischen, 1968 gestorbenen Malerin Amelia Pelaez und Ai Weiwei, der auf der Messe bei den Ständen von mehren Kunsthändlern sehr präsent war.

Ein Ski-Chalet für Miami

Das französische Künstler-Duo Kolkoz inszenierte im vergangenen Jahr die Apollo-Mondlandung am Strand von Miami – die Mondoberfläche mit den kreisrunden Löchern diente gleichzeitig als Fußballfeld. Dieses Jahr lud der Schweizer Luxus-Uhrenhersteller Audemars Piguet die beiden Künstler zu der nächsten absurden Aktion ein. Benjamin Moreau and Samuel Boutruche suchten sich das stillgelegte Miami Marine Stadium aus, in dem bis 1992, als Hurrikan Andrew das Stadium beschädigte, Rennen für Powerboote abgehalten wurden. Davor setzte das Duo den Nachbau eines Schweizer Alpen-Chalets – der Inbegriff des Luxus-Lifestyles und ein Symbol für die Schweizer, die vor zwölf Jahren nach Miami gekommen waren, um mit ihrer Messe die damals angeschlagene Stadt wiederzubeleben. Das Thema der Kolkoz-Künstler ist das Spiel mit Realitäten. Wie ihre jahrelange Zusammenarbeit funktioniert, beschreibt Samuel Boutruche so: "Es ist wie ein Spiel zwischen uns. Wir sind keine Brüder und keine Liebhaber. Wir arbeiten wie Gilbert & George." "Wie Tom und Jerry", sagt Benjamin Moreau.

Art Basel Miami Beach

bis 8. Dezember


https://www.artbasel.com