VIP Art Fair - Interview

Das wird kein einmaliges Experiment!

Im Januar 2011 findet die erste internationale Kunstmesse im Netz statt. Eine Teilnahme an der VIP Art Fair haben unter anderem die Galerien Gagosian, Hauser & Wirth, David Zwirner, Max Hetzler und White Cube bestätigt. art sprach mit dem Direktor Noah Horowitz über die Möglichkeiten einer virtuellen Kunstmesse, die Anonymität in der Kunstwelt und die globale Natur des Kunstmarktes.

Herr Horowitz, Sie sind Direktor der VIP Art Fair. Was genau macht denn der Direktor einer virtuellen Kunstmesse?

Noah Horowitz: Ich wurde zusammen mit meiner Co-Direktorin Stephanie Schumann eingestellt, um das alltägliche Messegeschäft zu leiten und die laufende Organisation zu übernehmen. Zu meinen Aufgaben gehört es, mit Galerien in Kontakt zu treten sowie Partner zu finden und sie darüber zu informieren, wie die Messe funktioniert und was sie von ihr erwarten können. Die VIP Art Fair wurde von Jim und Jane Cohan zusammen mit Jonas und Alessandra Almgren gegründet. Jim Cohan ist Inhaber der James Cohan Galerie in New York, Jonas Almgren ist Geschäftsführer der Website One Art World. Als sich die Vier vor einigen Jahren in Brooklyn trafen, ergab sich schnell eine Diskussion wie Jim das Internet in einer effektiveren Weise für seine Galerie nutzen könnte. Und so kam die Idee der VIP Art Fair auf.

Was haben Sie vor der VIP Art Fair gemacht?

Ich habe Kunstgeschichte und Wirtschaft an der Universität von Virginia studiert, bevor ich dann zum Courtauld Institute of Art gegangen bin, um zu promovieren. In meiner Doktorarbeit ging es um die Geschichte des Kunstmarktes und darum, wie sich der zeitgenössische Kunstmarkt entwickelt. Während meiner Promotion habe ich angefangen, bei der Serpentine Gallery zu arbeiten. Zudem habe ich ein Buch geschrieben, eine sehr spezielle Untersuchung über Investitionen in der Kunstwelt, ein Versuch, die wirtschaftliche Seite mit der künstlerischen in Beziehung zu setzen.

Wie wird die Messe in der virtuellen Welt stattfinden?

Die Liste der teilnehmenden Galerien ist sehr exklusiv. Teilnehmen werden unter anderem die Gagosian Gallery, Hauser & Wirth sowie die Galerie Max Hetzler. Die Galerien sind dazu aufgerufen, eine Internetpräsenz auf unserer Website aufzubauen, durch die sie Kunstwerke präsentieren können. Die Sammler können die Stände besuchen und die Kunstwerke in außergewöhnlichem Detail und hoher Auflösung ansehen, die Galerien können Beschreibungen des Werkes oder Videos zum Werk online stellen, um die Sammler mit Informationen zu versorgen.

Wie können sich die Sammler auf der Messe umschauen?

Wenn die Sammler die Website aufrufen, kommen sie zunächst zum Eingangsportal der Messe, wo sie auf einen Plan der Messe und eine Liste der teilnehmenden Galerien zugreifen können. Gleichzeitig können sie dann sehen, in welchem Bereich der Messe sie welche Galerien finden und welche Künstler sie präsentieren. Eine Besonderheit der VIP Art Fair im Vergleich zu anderen internetbasierten Plattformen ist die Möglichkeit, Kunstwerke im Kontext mit anderen Werken zu zeigen. Außerdem sind die Sammler in der Lage, sie in ihrer relativen Größe am Messestand zu sehen. Dies gibt den Sammlern einen Eindruck von der realen Größe des Kunstwerkes, was normalerweise im Internet kaum möglich ist.

Wie kann es zu Gesprächen zwischen den Galerien und den Sammlern kommen?

Gespräche zwischen Sammlern und Galeristen können in Echtzeit stattfinden, etwa über Live Chat oder Skype. Der Galerist hat zudem die Möglichkeit, den Sammler in einen sogenannten "Private Room" einzuladen, in dem er dem Interessenten Werke auch privat auf seinem Bildschirm präsentieren kann. Hier finden auch die direkten Gespräche zwischen Galerist und Sammler statt.

Ziehen es nicht viele Sammler vor, Kunstwerke tatsächlich anzusehen und zu erleben bevor sie sie kaufen?

Darüber sind wir uns im Klaren. Die VIP Art Fair steht nicht wirklich im Wettbewerb zu dem Erlebnis, eine Galerie oder eine normale Kunstmesse zu besuchen und sich dort ein Kunstwerk anzuschauen. Uns ist bewusst, dass es viele Sammler gibt, denen diese neue Art der Messeerfahrung nicht behagt und die Arbeiten lieber persönlich betrachten wollen. Trotzdem kann über unsere Messe ein Dialog entstehen, eine neue Beziehung zwischen Galerien und Sammlern beginnen, ohne dass die Sammler die Werke online kaufen müssen. Die VIP Art Fair hat gegenüber herkömmlichen Messen aber auch große Vorteile. Sammler erhalten sehr viel mehr Informationen zu Kunstwerken und Künstlern als dies bei normalen Kunstmessen der Fall ist. Zudem gibt es keinerlei Beschränkungen bezüglich der gezeigten Arbeiten: Ist ein Werk zu groß, zu fragil oder zu schwierig zu transportieren, ist dies bei der VIP Art Fair kein Problem.

Eine virtuelle Kunstmesse scheint ein recht komplexes Projekt zu sein. Warum also eine Kunstmesse im Internet veranstalten?

Einer der offensichtlichen Gründe ist die globale Natur der Kunstwelt. In den letzen zehn bis zwanzig Jahren hat sich die Kunstwelt von einem Markt mit stark europäischem und amerikanischem Fokus zu einem globalen und internationalen Markt entwickelt. Sammler haben nicht immer die Gelegenheit, Kunstmessen persönlich zu besuchen, und so versuchen wir mit der VIP Art Fair Sammler und Galeristen aus aller Welt zusammenzubringen. Wir bieten den Sammlern an, von ihrem Sofa oder ihrem Schreibtisch aus, Kunst der führenden Galerien der Welt anzuschauen und Kontakte aufzubauen.

Haben nur Kunden, die von den Galerien eingeladen wurden, Zugang zur Messe?

Die teilnehmenden Galerien bekommen eine unbegrenzte Anzahl an freien Einladungen, die sie an ihre Kunden vergeben können. Diese Sammler haben dann kostenlosen Zugriff auf die Website und alle interaktiven Features. Wer nicht von einer Galerie eingeladen wurde, kann sich eine "Eintrittskarte" für den Zugang zu diesen interaktiven Instrumenten der Website jedoch kaufen. An den ersten zwei Tagen wird der Zugang 100 US-Dollar kosten, an den verbleibenden sechs Tagen 20 US-Dollar. Wir versuchen so eine Art Sicherheit für die Galerien zu schaffen, die garantiert, dass die Leute, die mit ihnen in Kontakt treten, tatsächlich ernsthafte und aktive Sammler sind. Umschauen auf der Messe kann sich aber jeder, kostenlos und von überall. Nicht möglich ist es dabei jedoch, in Echtzeit mit den Galerien in Kontakt zu treten.

Ist die VIP Art Fair ein Hinweis darauf, dass sich die Kunstwelt zu einem anonymeren Ort entwickelt?

Ich denke, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Gespräche finden selbstverständlich auch bei der VIP Art Fair statt, Beziehungen und Kontakte zwischen Galerien und Sammlern können über unsere Messe aufgenommen oder intensiviert werden. Gerade im High-End-Bereich des Kunstmarktes ist Anonymität auch gar nicht möglich. Die Galerien möchten wissen, wer ihre Sammler sind, die Sammler möchten wissen, wer ihnen die Werke verkauft, Kuratoren und Journalisten möchten wissen, wer welche Werke kauft. Weil die Kunstwerke bei der VIP Art Fair nicht wie im üblichen E-Commerce-Business durch einen Klick auf der Website verkauft werden, ist die Beziehung zwischen Sammler und Galerist von höchster Bedeutung. Viele Kontakte zwischen Sammlern und Galeristen existieren ja schon – wir haben nur eine neue Plattform für diese Interaktion bereitgestellt, auf globaler Ebene.

Die Messe ist sehr international ausgerichtet und muss so auch viele verschiedene Zeitzonen abdecken – wie kann das funktionieren?

Wir bitten die Galerien, ihre Messestände während der normalen täglichen Arbeitszeiten an ihren Heimatorten zu besetzen. Idealerweise sollte auch darüber hinaus jemand ansprechbar sein, über Email, Chat oder Skype. Doch selbst wenn dies nicht der Fall ist, hat ein Sammler, der mit einer der Galerien in Kontakt treten möchte, auch immer noch die Möglichkeit, eine Nachricht zu hinterlassen. Ein sehr einfacher und direkter Weg für die Galerien, ständig über eventuelle Anfragen informiert zu werden.

Ist dies nicht besonders aufwendig für die Galerien?

Die Messe geht nur eine Woche und ist dabei eine sehr kosteneffiziente Plattform, verglichen mit den anfallenden Kosten einer normalen Kunstmesse. Der Preis für die Galerien, an der VIP Art Fair teilzunehmen, beträgt etwa 20 Prozent des Preises für die Teilnahme an einer herkömmlichen Messe. Die Galerien müssen zudem nicht anreisen, ihre Werke verschiffen und versichern, sie müssen die Sammler nicht zu teuren Essen einladen oder für Entertainment sorgen. Wir erwarten nur, dass sie erreichbar sind.

Glauben Sie, die VIP Art Fair kann eine regelmäßige Institution auf dem Kunstmarkt werden? Oder sehen Sie in der Messe mehr ein Experiment?

Sicherlich nicht nur ein einmaliges Experiment. Eine Online-Messe ist zwar noch nie da gewesen, doch wir glauben daran, dass sie ein regelmäßiger Bestandteil der Kunstwelt werden wird. Das Feedback, das wir bis jetzt von den Galerien erhalten haben, war gewaltig. Die Menschen sind wirklich interessiert an der VIP Art Fair.

Welche Aspekte der VIP Art Fair konnten so viele angesehene Galerien dazu bewegen, an der Messe teilzunehmen?

Ich denke, es wäre schwierig gewesen, eine solche Messe aufzuziehen, ohne eine gewisse Glaubwürdigkeit in der Kunstszene zu genießen. Die Idee kommt von Insidern der Kunstszene: Jim und Jane Cohan sind etablierte Galeristen und haben gute Beziehungen innerhalb der Kunstwelt, die Leute vertrauen ihnen. Sie verstehen den Kunstmarkt von Innen, kennen die Bedürfnisse der Galerien und wissen, was sie von einer Kunstmesse erwarten. Jonas und Alessandra Almgren kennen nicht nur das Internet-Business, sondern sammeln auch selbst Kunst. Sie haben also ein intuitives Verständnis dafür, was diese einzigartige Plattform leisten muss. Das ist ein tolles Team, und ich bin begeistert, Teil davon zu sein.

VIP Art Fair

Termin: 22. bis 30. Januar 2011
http://vipartfair.com/