Neue Kunstmesse in Düsseldorf

Warten auf die Zauberranke

Manche wollten in ihr schon den Art-Cologne-Killer sehen. Doch den großen Reibach machten die Händler auf der neuen Art Düsseldorf noch nicht. Einer war sogar vor allem froh, dass er mit seiner Ware wieder heil nach Hause kam.
Warten auf die Zauberranke

Art Düsseldorf: Die Säle im Areal Böhler, einem ehemaligen Industriegelände, waren durchweg gut gefüllt.

Es begann verheißungsvoll: Am Eröffnungstag war zwischen 12 und 15 Uhr schon so viel Betrieb, dass sich viele Händler voller Vorfreude die Hände rieben und Andreas Lohaus, einer der Art-Düsseldorf-Gründer, erleichtert am Champagner nippte. Der große Abendansturm, wie man ihn von der Art Cologne kennt, blieb dann allerdings aus. Es waren immer noch viele Leute da, aber der Laden brummte vernehmlich – nicht. Anscheinend machen die Düsseldorfer gerne lange Mittagspause und gehen dafür früh ins Bett.

Warten auf die Zauberranke

Fiona Valentine Thomann zaubert virtuelle Welten bei Priska Pasquer: "Tracker #2 (series 2)", 2017

Im Vorfeld wurde viel über die neuen Kunstmesse am Rhein berichtet und besonders ausgiebig über ihre Kooperation mit der Basler Messegesellschaft spekuliert: Würde sie die Art Cologne killen oder so kläglich eingehen wie das letzte Messe-Startup, die Duesseldorf Contemporary. Die Bilanz liegt irgendwo dazwischen: Die Säle im Areal Böhler, einem ehemaligen Industriegelände, waren durchweg gut gefüllt, allerdings war offenbar nicht genug Kauflaune für alle da: Während Thomas Krinzinger aus Wien die Messe überschwänglich lobte und Templon aus Brüssel sofort wiederkommen will, empfanden gerade rheinische Großgalerien die Sammler als eher zögerlich.

Hans Mayer (Düsseldorf) nannte das Geschäft "trotz vieler interessierter Besucher etwas flau", schob das aber großmütig auf seine Soloschau mit neuen Werken von Jürgen Klauke; die düstere "Bodysounds"-Serie über menschliche Mutationen sei eben etwas für den zweiten Blick. Thomas Zander war von der Vielzahl internationaler Sammler beeindruckt, sagte aber auch: "Für die große Euphorie fehlen die Verkäufe."

Niemand brauchte befürchten, von zu viel Genie erschlagen zu werden.

Mit 80 Ausstellern war die Art Düsseldorf angenehm übersichtlich, niemand brauchte befürchten, von zu viel Genie erschlagen zu werden. Gezeigt wurde eine gute, wenn auch nicht gerade originelle Mischung aus zeitgenössischer Kunst und Nachkriegsware: David Zwirner hatte ein schönes Isa Genzken-Sammelsurium mitgebracht, bei Zander gab es einen Fotosatz aus Tata Ronkholz‘ "Trinkhallen"-Serie zu sehen, Templon protzte mit George Segal und Gregory Crewdson und Priska Pasquer zeigte ein Stück Bodenbelag, aus dem mit Hilfe des Mobiltelefons eine virtuelle Skulptur unter die Decke schoss wie die Zauberranke in Grimms Märchen.

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Francis Picabia: "Reclining Nude", zirka 1939

Ein eigenes Messeprofil war dabei nicht erkennbar: In der "Post-Lehman"-Sektion fanden sich junge, nach 2008, dem Jahr der Bankenkrise, gegründete Galerien, die groß angekündigten "References" mit klassischen Referenzwerken waren praktisch unauffindbar. Bei Michael Werner hing ein reizender Akt von Francis Picabia für 5,8 Millionen Euro an der Wand, der im Gedränge mehr oder weniger unterging und am Stand für ganz neue Prioritäten sorgte: "Uns geht es hier vor allem darum", so ein leitender Mitarbeiter, "dass das Bild wieder heil nach Hause kommt."

Mangels besserer Alternativen wurde in Düsseldorf deshalb viel über die Art Cologne geredet. Thomas Zander und Michael Beck von Beck + Eggeling fanden, dass die Kölner Messe etwas Konkurrenz vor der eigenen Haustür nur gut tun könne, und auch bei Hans Mayer war der Ärger über die diesjährige Terminkollision mit dem Berliner Gallery Weekend noch nicht verraucht: "Ich bin ein großer Liebhaber der Art Cologne", so Mayer, "wenn sie denn ihre Termine hinkriegt."

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Riesenmottenkostüm von Petrit Halilaj: "Do you realise there is a rainbow even if it’s night!? (grey blue)", 2017

Ein anderes Thema war die gefühlte Preisobergrenze. Viele Händler wollten in Düsseldorf eine solche bemerkt haben, waren sich aber darüber uneins, ab wann "nichts mehr ging". Für Alexander Sies von Sies + Höke (Düsseldorf) war bis 200 000 Euro "alles easy", nicht nur beim Kölner Grafikhändler Boisserée setzte man die magische Grenze dagegen deutlich niedriger an. Auch im unteren Preissegment der jungen Galerien gingen die Erfahrungen auseinander: ChertLüdde hatte mit Petrit Halilajs Riesenmottenkostüm ein auf der Biennale von Venedig belobigtes Werk dabei und wunderte sich über das geringe Interesse; die Kölner Galerie Drei verkaufte dagegen mehrere Comic-Leinwände, denen Christian Freudenberger mit Spachtelmasse, weißer Acrylfarbe und Klebeband beinahe alles Comichafte ausgetrieben hat.

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Christian Freudenberger: "o.T. (leer, tic 3)", 2017, Acrylmarker, Mischtechnik auf Leinwand, 160 × 125 cm

Auf eines immerhin konnten sich sämtliche Händler einigen: Die Art Düsseldorf war gut gemacht, sah gut aus und zog viele internationale Sammler an. Und sie hatte genau die richtige Größe. Die Messe solle bloß nicht wachsen, hörte man allüberall, sonst sähe sie bald aus wie alle anderen Messen auch. Als Angriff auf die mehr als doppelt so große Art Cologne wird man die rheinische Konkurrenz also kaum ansehen können. Als herbstliche Ergänzung könnte sie dagegen eine Zukunft haben. Ob das gelingt, wird sich wohl schon bei der nächsten Ausgabe entscheiden. Sie soll vom 1. bis 4. November 2018 stattfinden.