Messecheck: TEFAF in New York

Das Beste vom Besten

Die Blumenarrangements waren oppulent, die Teppiche so dick, dass die Stimmung auch bei der gut besuchten Eröffnung gedämpft war. Die weltweit wichtigste Messe für alte Kunst und Antiquitäten, die European Fine Art Fair (TEFAF) aus Maastricht, stieg zum ersten Mal in New York. 94 Aussteller richteten sich im altehrwürdigen Gemäuer der New Yorker Armory auf der Park Avenue ein, das die perfekte Kulisse lieferte. Neben teuerster Ware, mit der die betuchten Besucher ihre Luxsapartments dekorieren können, wurden natürlich Champagner und Austern serviert.
Das Beste vom Besten

CNN-Star Anderson Cooper kaufte ein unfertiges Porträt von Anton Raphael Mengs für 275 000 Dollar

V.I.P.-Faktor (von 1 "Vorsicht Ballack!" bis 5 "Aaaah! Brangelina-Alarm"):

CNN-Star Anderson Cooper schlug gleich am Eröffnungstag zu. Er kaufte Anton Raphael Mengs niemals fertig gestelltes "Portrait of Mariana de Silva y Sarmiento, Duquesa de Huescar", das in der Ausstellung "Unfinished" im Whitney Museum zu sehen war. Das Gemälde war erst 2012 bei Christie's für 62 000 Dollar versteigert worden – Cooper soll 275 000 Dollar gezahlt haben. Ansonsten eine magere 2 für den V.I.P.-Faktor: der frühere Sotheby's Chefauktionator Tobias Meyer war unter den Gästen, ebenso Kunsthändler David Zwirner.

Das euphorische Galeristenzitat:

Geht an Bernard Shapero von Shapero Rare Books aus London: "Diese Messe bietet absolut höchste Qualität, das Beste vom Besten. Bislang hat es so etwas in New York nicht gegeben. Wir werden sehen, wie die neue Welt auf die alte Welt reagiert – aber besser geht es wirklich nicht."

Mein Eindruck:

Die New Yorker nahmen die neue Tefaf-Ausgabe mit Begeisterung an. Was sich zu Beginn der Messe jedoch nicht auf die Geschäfte niederschlug. Die waren verhalten.

Der protzigste Preis:

10 Millionen Dollar für eine Landkarte aus dem 16. Jahrhundert, die auf sieben Ziegenhäute gemalt wurde, gesehen bei Daniel Crouch Rare Books.

Installationsansicht von der Art Basel
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Für Einsteiger:

Dies ist beim besten Willen keine Veranstaltung für Einsteiger – hier werden Kostbarkeiten wie ein seltener Van Gogh oder eine Ausgabe von Auguste Rodins berühmter Plastik "Der Denker", Diamanten aus dem russischen Zarenhaus oder eine Pharaonen-Büste aus dem alten Ägypten (für 2,1 Millionen Dollar) angeboten.

Mein Stand des Jahres:

Die meisten Aussteller im zweiten Stockwerk hängten die alten Schrankeinbauten oder Kaminsimse der Armory-Räume ab oder stellten Wände davor. Die Galerie von Axel Vervoordt nutzte den Rahmen des alten Gemäusers und verwandelte den Messenstand in einen charmanten Salon.

Ging gar nicht:

Diesen Platz teilt sich der chinesische Schmuckdesigner Wallace Chan, der sich einen Ruf für die Kreation der teuersten Diamanten-Halskette gemacht hat, mit der New Yorker Galerie Otto Naumann, die in ihrem sonst pechschwarzen Messestand alte Meisterwerke auf billig wirkende Samtstoffe in poppigen Farben hängte.

Chan präsentierte seine Kitsch-Kreationen, darunter eine Sieben-Millionen-Dollar-Brosche, die von einer Hindu-Göttin geziert wird, in dramatisch ausgeleuchteten Fenstern auf barbusigen Puppen. Alte Damen mit kurios verzerrten Gesichtern, die viel Geld beim Schönheitschirurgen gelassen haben müssen, umringten den Designer und überredeten ihn dazu, beim nächsten New-York-Besuch das Shopping mit einem exklusiven Lunch zu verbinden.

Kunst in New York
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Ich hätte selbst gerne gekauft:

Eine Menge: Die zarten Blütenblatt-Ohrringe mit schwarzen und weißen Diamanten (Preis 23 000 Dollar) von Otto Jakob, der vor 20 Jahren in New York seine Karriere startete, die zarte Tonfigur eines Tänzers aus der chinesischen Tang-Kaiserdynastie, die bis 907 an der Macht war, Preis: 16 500 Dollar und Henri Matisses bunte Collagen-Sammlung "Jazz" für 500 000 Dollar.

Es reichte aber nur für:

... für ein Gratis-Glas Champagner.