Pressefotos - Recht

Nicht zum Verkauf bestimmt

Bilder von berühmten Fotoreportern werden inzwischen hoch gehandelt. Aber wem gehören die Presseabzüge in Zeitungsarchiven?

Wem gehören die unzähligen Fotos, die in Zeitungsarchiven lagern? Den Fotografen oder den Verlagen, die sie jetzt zu Geld machen wollen? Seit "Vintage Prints" von Alfred Eisenstaedt oder Brassaï auf dem Kunstmarkt hohe Preise erzielen, ist ein Streit um die Eigentumsrechte von Pressefotos entbrannt: So wurde kürzlich ein Bild des berühmten Magnum-Fotografen Henri Cartier-Bresson (1908 bis 2004) beim New Yorker Auktionshaus Swann auf Drängen der Fondation Henri Cartier-Bresson zurückgezogen. Das Originalfoto, "Córdoba", stammt von 1933, der zu versteigernde Abzug aus den fünfziger Jahren und war vermutlich nie zum Verkauf bestimmt.

Solche ursprünglich nur für den Presseabdruck bestimmten Abzüge wurden nicht immer an die Agentur zurückgeschickt, sondern im Archiv verwahrt. Nun werden die Bestände durchforstet und zum Kauf angeboten. Die Direktorin der Cartier-Bresson-Stiftung, Agnès Sire, will den Markt für die Eigentumsproblematik sensibilisieren: "Die Käufer sollen wissen, was sie erwerben." Bereits 2000 wurde eine Versteigerung des Kölner Auktionshauses Lempertz mit Fotos von Cartier-Bresson und anderen auf Druck der Agentur Magnum gestoppt.

Normalerweise ist und bleibt der Pressefotograf Eigentümer seiner Fotos, sagt Gerhard Pfennig, Geschäftsführer der Bonner Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst. Sofern vertraglich nichts anderes vereinbart sei, gehörten Presseabzüge den Fotografen, meint auch Gottfried Jäger, ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Eine einheitliche gesetzliche Re­gelung gibt es allerdings nicht. In einem Urteil vom 12. Februar 2004 hatte das Oberlandesgericht München in einem ähnlichem Fall entschieden, dass dem Fotografen von Verlagsseite kein Herausgabeanspruch zusteht, da er diesem die Abzüge übereignet, also verkauft hat. Während sich hier die Gerich­te streiten, verlagert sich das boomende Geschäft mit Pressefotos ins Ausland, etwa in die USA, wo Urheberrechte einfacher übertragbar sind.

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