Bank of International Art Money - Kunst = Geld

Ich male mir mein Geld selber!

Art Money – das sind von Künstlern gestaltete Unikate. Die BIAM legt deren Wert fest, und die Urheber können damit in den verschiedensten Branchen bezahlen
Ein Mann und eine Idee:Kunstwerke als Zahlungsmittel

Lars Kræmmer im neuen Kopenhagener Showroom seiner "Bank of International Art Money" (BIAM)

Kunst = Kapital postulierte schon Joseph Beuys. In Dänemark hat der Künstler Lars Kræmmer die etwas simplere Gleichung Kunst = Geld aufgestellt. Seit ein paar Jahren gibt es in Dänemark seine Bank of International Art Money (BIAM), die sich darum kümmert, dass Künstler ihre Werke als Zahlungsmittel benutzen können und deren Arbeiten auch verkauft.

Jetzt hat BIAM erstmals einen Showroom eröffnet. Für die Repräsentanz einer international tätigen Bank ist das Haus im Thurøvej 3 in Fredriksberg, einer Enklave in Kopenhagen, ungewöhnlich einfach. Das Gebäude steht im Hinterhof, ist aus rotem Backstein gebaut, der Eingang liegt im ersten Stock und wird über eine hölzerne Treppe betreten. Auch Lars Kræmmer, Vorstandsvorsitzender der als Aktiengesellschaft firmierenden BIAM, sieht nicht aus wie ein Mann in seiner Position: Die wenigen Haare, die der 41-Jährige hat, sind zur Glatze rasiert. Über dem muskulösen Oberkörper trägt er lediglich ein braunes T-Shirt, dazu eine Jeans.

Kræmmer kommt eigentlich aus der kreativen Branche. Er ist Künstler und dadurch zu seinem Zweitjob Vorstandschef gekommen. „Vor gut zehn Jahren hatte ich längst nicht genügend Geld, um alles zu kaufen, was ich zum Leben benötigte. Da dachte ich mir, ich mal mir mein Geld doch selber, schließlich bin ich Künstler. So ist das Projekt Art Money entstanden”, sagt Kræmmer. Art Money sind von Künstlern gestaltete Unikate im Format 12 x 18 cm. BIAM legt den Gegenwert der Werke auf 27 Euro fest. So viel ist ein Stück Art Money wert, wenn es in einem der rund 100 am Projekt beteiligten Unternehmen, darunter ein Baumarkt und Anwälte, als Zahlungsmittel eingesetzt wird.

„Wie bei echtem Geld wird der Wert dadurch bestimmt, dass es ein Gegenüber gibt, dass bereit ist, das Stück Papier als Zahlungsmittel zu einem vorher definierten Wert zu akzeptieren”, so der BIAM-Chef. Die Künstler können sich ihr Geld nicht nur selber malen, sondern die Art-Money-Werke auch über BIAM verkaufen. Dann ist jedes Stück ebenfalls 27 Euro wert, allerdings kassiert BIAM wie eine gewöhnliche Galerie die Hälfte des Verkaufserlöses als Provision. „Wir haben einige Künstler, die bei uns richtig viele Werke verkaufen und damit einiges an Geld einnehmen”, sagt Krammer.

Eine qualitative Auswahl gibt es nicht. „Ich will keine Auswahl treffen, wer Kunstwerke anbieten kann. So eine Auswahl sagt nur etwas über den Geschmack des Auswählenden aus.” Die Käufer sind meist Sammler, manche kaufen zusätzlich auch teurere Kunst, oft größere Arbeiten der Künstler, die Art Money malen. Art Money kann auch angewandt werden, um beim jeweiligen Künstler ein größeres Werk zu kaufen, allerdings muss die Hälfte des Kaufpreises stets mit echtem Geld beglichen werden. Die meisten der Künstler, die über BIAM verkaufen, kommen aus Dänemark, doch es nehmen auch Leute aus Deutschland, den USA und sogar aus Afrika teil.

Große Namen sind bei BIAM nur wenige dabei, doch auch die gibt es. So verkauft auch manchmal der dänische Künstler Kristian von Hornsleth, mit dem Kræmmer früher das Atelier geteilt hat, über BIAM. Auch Kræmmer selber setzt weiterhin Art Money ein. Zwar ist im vergangenen Jahr immerhin Art Money im Wert von knapp 70 000 Euro verkauft worden, doch der große Bildervorrat im Showroom von BIAM zeugt davon, dass das Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt.

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