Geschenk mit Hintergedanken - Sammlung Rostropowitsch

Ein Oligarch springt ein

Alisher Usmanow kauft einen Tag vor der Sotheby's-Auktion die Rostropowitsch-Sammlung
Tue Gutes und rede drüber:Milliardär schenkt Russland Kunstsammlung

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Alisher Usmanow ist steinreich. In der Liste der 400 betuchtesten Menschen auf der Welt führt das Wirtschaftsmagazin “Forbes” den russischen Selfmademan (Alter: 53) auf Platz 142 bei einem geschätzten Vermögen von 5.5 Millarden Dollar. Gemacht hat er es laut Forbes mit Stahl, Bergbau und Nutzholz. Böse Zungen allerdings behaupten, dass auch das eine oder andere dubiose Geschäft Usmanows Reichtum mehren hilft.

Usmanow verfährt neuerdings nach dem Motto: Tue so, als ob du etwas Gutes tust, und rede dann darüber. Und das kommt so: Die Sammlung russischer Kunst des 18. bis 20. Jahrhunderts des vor wenigen Monaten gestorbenen Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch und seiner Frau Galina Wischnewskaja sollte bein Sotheby’s versteigert werden. Einen Tag vor dem anberaumten Termin entdeckte Usmanow auf einmal sein Herz für die Kunst seines Heimatlandes, kaufte die komplette Sammlung von rund 450 Gemälden und kunstgewerblichen Gegenständen und schenkte sie “mit dem größten Vergnügen” dem russischen Staat. Er und einige Freunde seien auf diese löbliche Idee gekommen, sagt Usmanow, im St. Petersburger Konstantin-Palast sollen die Werke eine neue Heimstatt finden.

Wie die Tageszeitung “Die Welt” herausfand, hat allerdings Michail Schwydkoi, Leiter der Agentur zur Bewahrung russischer Kunst, die Idee gehabt und bereits zwei Wochen vor der Auktion “bei den betuchten russischen Unternehmern herumgefragt, ob sie die Kollektion nicht komplett kaufen könnten, dem Staat fehle das Geld dafür”. Die “Welt” schreibt weiter, gerne sprängen ”die Oligarchen ein, um bei den aufsichtsführenden Instanzen zu punkten”.

Wie die russische Informations- und Nachrichtenagentur “RIA Novosti” verkündet, hätten bereits das Puschkin-Museum für Bildende Kunst in Moskau und das russische Museum St. Petersburg Ansprüche auf die Sammlung angemeldet. Experten seien der Meinung, dass diese möglicherweise aufgeteilt werden könnte.