Jan Brueghel - Dresdner Kunstsammlungen

Vor dem Staatsanwalt statt „Vor der Dorfschänke“

Rund 500 Gemälde vermissen die Kunstsammlungen Dresden noch heute – durch kriegsbedingte Auslagerungen und Diebstahl sind die wertvollen Stücke verschwunden. Doch bisweilen tauchen sie plötzlich wieder auf – wie das kleine Rundbild „Vor der Dorfschänke“ (1641) von Jan Brueghel dem Jüngeren. Es sollte am 8. Dezember durch das Münchner Auktionshaus Hampel versteigert werden, Marktwert 60 000 – 80 000 Euro.
Ein Kunstkrimi:Verschollenes Brueghel-Gemälde wieder aufgetaucht

Erste Erfolge: Das bei einem Verkaufsversuch beschlagnahmte Gemälde „Ebene mit Windmühlen“ (Eichenholz, 26,5 x 37,5 cm) von Jan Brueghel dem Älteren (1568 bis 1625) muss an die Staatliche Kunstsammlung Dresden zurückgegeben werden

Der Generaldirektor der Dresdner Kunstsammlungen, Martin Roth wurde durch einen anonymem Hinweis auf die Spur gebracht und beauftragte sofort seinen Verwaltungsdirektor Dirk Burghardt mit Nachforschungen. Der fand das Werk im Hampelschen Angebotskatalog gelistet, mit dem Herkunftsverweis auf Dresden, der dazugehörigen Inventarnummer 906 und dem Vermerk: im Zweiten Weltkrieg verschollen.

Für Burghardt eine Ungeheuerlichkeit: „ Selbst wenn sich das Auktionshaus sicher war, dass der Einlieferer des Bildes inzwischen dessen rechtmäßiger Eigentümer ist, hätte man die Kunstsammlungen sofort kontaktieren müssen.“ Doch das unterblieb und darum verständigte Dresden das bayerische Landeskriminalamt. Der Brueghel befindet sich daher seit 29. November in Polizeigewahrsam und ist Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt, Tatbestand der Hehlerei. Burghardt lobt das Vorgehen des LKA nachdrücklich: „Es ist für jedes Museum sehr angenehm, wenn Polizisten sofort tätig werden.“

Der derzeitige Eigentümer des Bildes freilich, ein 89jähriger Münchner Sammler, der seine Identität nicht preisgeben mag, ist sich sicher, das Stück Mitte der neunziger Jahre rechtmäßig erworben zu haben. Er kaufte es von keinem Geringerem als dem angesehenen Münchner Kunsthändler Konrad O. Bernheimer. Für Dirk Burghardt war der damalige Besitzerwechsel bereits eindeutig unrechtmäßig: „Schon 1979 wurde das Werk dem Autor des Brueghel-Werkverzeichnisses, Klaus Ertz, zur Begutachtung vorgelegt. Der Eigentümer allerdings blieb anonym. Und 1986 tauchte es bei Sotheby’s in Düsseldorf wieder auf, wurde aber nach Rücksprache mit Dresden nicht zur Auktion angenommen. Seitdem wusste der ganze Kunstmarkt, dass es illegale Ware ist.“

Wo sich das Gemälde in der Zwischenzeit befand, bleibt ungeklärt und auch, wann und woher es schließlich zu Bernheimer kam. Das soll dieser jetzt offen legen, konnte bislang die entsprechenden Kaufunterlagen aber nicht finden. Bernheimer kündigte jedoch an, seinen einstigen Kunden zu entschädigen, falls ein Fehler bei der Transaktion vorgelegen habe. Das klingt fast wie ein Schuldeingeständnis und ist für den Anwalt Christian Hansen, der den Sammler jetzt vertritt, ein gutes Signal. Denn die Aufbewahrungsfrist für Kaufpapiere beträgt in Deutschland zehn Jahre und dürfte daher bald verstrichen sein.

Juristisch sei nach zehn Jahren, so Hahn, aber auch eine so genannten „Ersitzung“ möglich: Wenn beim Käufer nachweislich „Gutgläubigkeit beim Erwerb“ vorgelegen habe, dürfe er das Bild als sein Eigentum betrachten. Doch so weit wird es wohl nicht kommen, da der Sammler selbst befürwortet, dass das Rundbild nach Klärung in den Museumsbesitz zurückkehrt.

Auch Verwaltungschef Burghardt ist da guter Hoffnung, schließlich können die Dresdner Kunstsammlungen in einer ähnlichen Sache gerade einen Erfolg vermelden. Am 6. Dezember entschied ein belgisches Gericht positiv über die Rückgabe eines weiteren vermissten Gemäldes von Jan Brueghel dem Älteren (1568 bis 1625), das bereits 2001 bei einem Verkaufsversuch in Antwerpen beschlagnahmt worden war.