Frühjahrsauktionen - New York

Die Welt kommt, um zu kaufen

Bei Christie's und Sotheby's in New York ist von Rezession nichts zu spüren: Die korpulente Sue, Lucian Freunds Nackte auf dem Gemälde "Benefits Supervisor Sleeping", erzielt den bislang höchsten Preis für ein Werk eines lebenden Künstlers. Auch Francis Bacon und Arbeiten aus der Sammlung Lauffs sind beliebt. Einzig ein Rothko findet keinen Abnehmer.

Das "Wall Street Journal" hatte es mit einer kühnen Titelzeile versucht: "Nervös in New York" hieß es zum Auftakt der New Yorker Frühjahrsauktionen. Doch der Kunstmarkt zeigte der Rezession die kalte Schulter. Christie's spielte bei den Versteigerungen für zeitgenössische Kunst mit 348 Millionen Dollar (225 Millionen Euro) das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Hauses ein.

Sotheby's legte einen Abend später mit einem Spitzenverkauf von 362 Millionen Dollar (234 Millionen Euro) und dem besten Ergebnis seit Firmengründung nach. "Bei einem großartigen Angebot kommt die Welt, um zu kaufen", kommentierte Chefauktionator Tobias Meyer und wurde nicht müde, zu betonen, dass es sich um eine globale Käuferschaft gehandelt hatte.

Bei Sotheby's gingen die Gebote für Francis Bacons "Triptychon" aus dem Jahr 1976 bei 60 Millionen los – und endeten mit einem Rekord von 86,2 Millionen Dollar (55,7 Millionen Euro). Als Takashi Murakamis sperma-sprühender "My Lonesome Cowboy" bei sechs Millionen Dollar lag, hörte man ein anerkennendes Pfeifen im Saal. Der Preis landete schließlich bei 15,1 Millionen Dollar. Ein Rekord für den Japaner, der die Auktion besuchte und sich erstaunlich wenig überrascht zeigte. Eine Arbeit des diese Woche gestorbenen Robert Rauschenberg ("Overdrive" von 1963) ging für den neuen Rekord von 14,6 Millionen Dollar unter den Hammer.

Arbeiten aus der Sammlung Helga und Walther Lauffs und der Stadt Krefeld mit ihrem Kaiser-Wilhelm-Museum wie Yves Klein "MG 9" für 23,5 Millionen Dollar brachten hohe Ergebnisse. 49 Millionen Dollar hatte Sotheby's für die Versteigerung der mehr als 30 Arbeiten angesetzt, 96 Millionen (62 Millionen Euro) wurden erzielt. Die einzig negative Überraschung des Abends brachte ein Werk von Mark Rothko ("Orange, Red, Yellow") von 1956, das erstaunlicherweise keinen Abnehmer fand. Kurz vor den Auktionen war das Geheimnis vom Vorjahr um den spektakulären Verkauf des Rothkos "White Center" (1950) für stolze 72,8 Millionen Dollar gelüftet worden – das Werk aus der Sammlung von David Rockefeller hängt jetzt beim Emir von Qatar, Scheich Hamad bin Kalifa al-Thani.

Bei der Konkurrenz Christie's kam ein Rothko ("No. 15" von 1952) nach einem Gefecht von zwei Telefonbietern für 50,4 Millionen Dollar unter den Hammer. Erst im Herbst hatte Jeff Koons den Auktionsrekord für das höchstbezahlte Werk eines lebenden Künstlers mit 23,6 Millionen Dollar gesprengt. Jetzt eroberte der 85-jährige Enkel von Sigmund Freud den Platz: Das Bild ("Benefits Supervisor Sleeping") der fülligen, lebensgroßen Nackten "Big Sue", die Anfang der neunziger Jahre über mehrere Jahre für Lucian Freud Modell gesessen hatte, fuhr die Weltrekordsumme von 33,6 Millionen Dollar (21,7 Millionen Euro) ein.

Warhol schnitt mit 32,5 Millionen für ein Marlon-Brando-Porträt ("Double Marlon") gut ab. Rekorde gab es für Künstler wie Richard Prince, Tom Wesselmann und Robert Indiana. Die mit Spannung erwartete Versteigerung des von Richard Neutra (1892 bis 1970) erbauten "Kaufmann House" im kalifornischen Palm Springs, mit dem eine Immobilie Kunstgeschichte machte, für ging für solide 16,8 Millionen Dollar an einen anonymen Telefonbieter. Christie's hatte für den architektonischen Klassiker für 15 bis 25 Millionen Dollar angesetzt.

Auch die Versteigerungen von Impressionisten und Moderner Kunst in der Vorwoche liefen – von einigen Tiefschlägen abgesehen – auf gewohnten Hochtouren. Bei Christie's war Claude Monet mit einem neuen Rekordpreis von 41,4 Millionen Dollar (26.7 Millionen Euro) für "Die Eisenbahnbrücke von Argenteuil" der Star des Abends. Außerdem wurden Rekorde für Künstler wie Alberto Giacometti, Auguste Rodin und Joan Miró erzielt. Doch andererseits fanden 14 von 58 angebotenen Arbeiten keine Interessenten. Bei Sotheby's zählten Edvard Munchs "Mädchen auf der Brücke" von 1902 (30,8 Millionen Dollar) und Fernand Légers "Frau in Blau" aus der Sammlung der Erben des Krefelder Sammlers Hermann Lange für einen Rekord von 39,2 Millionen Dollar zu den Sternstunden des Abends.

Die internationale Kunstgemeinde zeigte sich nach dem zweiwöchigen Auktionsrennen sichtlich erleichtert. Das "Wall Street Journal" mag schreiben was es will, die immer größer gewordene Welt der Sammler bleibt intakt. Und für gute Kunst sitzt das Geld nach wie vor locker.