Steven Cohen - Sotheby's

Der Sammler, der die Frauen liebt

Er gilt als notorisch publicity scheu. Ein kühler Geschäftsmann, der es zur Kunst erhoben hat, möglichst unauffällig zu bleiben. Umso überraschender war es, dass der New Yorker Hedge-Fund-Manager Steven Cohen, der als "Prinz der Wall Street" die Finanzwelt eroberte, sich offenbar spontan bei einer Dinner-Party in seinem Privathaus in Connecticut dazu entschlossen hat, 20 Arbeiten aus seiner Sammlung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

"Women" heißt die Ausstellung, die vom 2. bis zum 14. April im zehnten Stockwerk des Auktionshauses Sotheby's in Manhattan zu sehen ist. Gezeigt werden einige der begehrtesten Damen der Kunstgeschichte. Die Werke werden insgesamt auf einen Wert von 450 Millionen Dollar geschätzt. Darunter Andy Warhols "Turquoise Marilyn", Vincent van Goghs "Porträt eines Bauernmädchens" von 1890 oder Edvard Munchs "Madonna" und als Gegenpol eins von Lisa Yuskavages aufreizenden Striptease-Girls sowie Arbeiten von Marlene Dumas und Cindy Sherman.

Die Künstlerinnen dürften darüber erfreut sein, dass sie neben den großen alten Herren der Kunst wie Picasso, Amedeo Modigliani, Henri Matisse oder Gerhard Richter hängen. Highlight der Ausstellung ist Willem de Koonings "Woman III" (1952/53). Die einzige Arbeit aus der Serie, die sich in privaten Händen befindet und die Cohen 2006 von David Geffen für 137 Millionen Dollar gekauft hat.

Sotheby's Chefauktionator Tobias Meyer erinnert jenen Abend, an dem die Idee zu "Women" geboren wurde so: Er blickte auf die von Warhol zur unberührbaren Göttin hochstilisierte "Turquoise Marilyn" (für die Cohen 80 Millionen Dollar bezahlt hat) und auf Picassos erotisch aufgeladenes Werk "Le Repos" und war von der Gegensätzlichkeit dieser beiden Frauen-Bilder hingerissen. Als er Steven Cohen vorschlug, die aus so unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen stammenden Frauenakte aus dessen Sammlung auszustellen, bekam er prompt eine Zusage. In aller Regel werden Ausstellungen wie diese dazu eingesetzt, die Werbetrommel für eine anstehende Versteigerung zu rühren. Doch Cohens Bilder und Skulpturen sind unverkäuflich, wie Tobias Meyer bei der Eröffnung klarstellte.

Cohen wird von Galeristen umschwärmt

"Wenige Sammler haben einen derart offenen Geist und machen so wenig Einschränkungen, was die künstlerische Ausdrucksweise betrifft", meint Meyer über Cohen. Andere interpretieren Cohens Potpourri weniger wohlwollend und sprechen von einer Trophäensammlung, für die der Investment-Experte oftmals auf der Höhe des überheizten Marktes Top-Dollars hinblätterte. Acht Millionen Dollar hat er allein für Damien Hirsts in Formaldehyd eingelegten Hai bezahlt, der ihm anschließend im Tank verrottete, durch einen neuen Fisch ausgetauscht werden musste und als Leihgabe an das Metropolitan Museum ging.

Cohen entdeckte seine Leidenschaft für die Kunst vor ungefähr neun Jahren. Er legte sich eine Bücherei mit Bänden zur Kunstgeschichte und allem nur erdenklichem Material zu den Künstlern an, die sein Interesse weckten. Sein Einstieg waren Monet und Manet. Bald darauf wechselte er zu zeitgenössischen Künstlern wie Richard Prince. Der Gründer des Hedge Funds "SAC Capital", dessen Vermögen Forbes auf 6,8 Milliarden Dollar schätzt, wird von Galeristen umschwärmt. Kunsthändler wie Larry Gagosian und William Acquavella erledigen bei Auktionen für ihn die Geschäfte. Der 52-jährige Cohen bleibt im Hintergrund. Obwohl er als einer der an der Wall Street einflussreichsten Investoren gilt, lässt er sich kaum fotografieren. Mit Interviews hält er sich zurück. Bei Auktionen versteckt er sich in einer der Sky-Boxen.

Woher die Liebe zu Sotheby's?

Die publicity trächtige Sotheby's-Aktion regte dann auch manche zu Spekulationen an. "Warum zeigt Cohen so viel Liebe für Sotheby's?", fragte sich ein Schreiber auf dem Blog der "New York Times" und fand gleich eine passende Antwort. Während andere aufgrund der Finanzkrise aus dem Kunstmarkt aussteigen, steigt Cohen noch weiter ein. Er besitzt inzwischen 5,9 Prozent der Aktien des Auktionshauses und gehört damit zu einem der größten Anteilseigner. Cohen hätte den langfristigen Plan, Sotheby's zu übernehmen, behauptete die "New York Post". Das Auktionshaus ist gerade günstig zu haben. Im März sackte der Aktienkurs auf einen Tiefststand um fast 90 Prozent ab. Der Profit fiel vergangenes Jahr ebenfalls um fast 90 Prozent auf 28,3 Millionen Dollar, das schlechteste Ergebnis seit 2003. Cohen könne Sotheby's für einen Schnäppchenpreis von knapp 600 Millionen Dollar übernehmen, rechnete die "New York Post" vor. "Die Leute machen Verbindungen, wo es keine gibt", kommentierte Tobias Meyer. Und Mr. Cohen entschied sich wie gehabt dazu, sich nicht zum Kunstklatsch zu äußern. Selbst einen Kommentar zur Ausstellung lehnte er höflich ab.

"Women: An Exhibition of Paintings & Sculptures"

Termin: bis 14. April, Sotheby's, New York
http://www.sothebys.com/app/live/event/EventEduDetail.jsp?event_id=29700