Frühjahrs-Auktionen - New York

Das Geschäft mit Äpfeln und Birnen

Es war ein zäher Kampf. Während Sotheby’s das eine oder andere blaue Auge kassierte, ging Christie’s als angeschlagener Sieger aus den zweiwöchigen New Yorker Auktionen hervor.

Zögerliche Bieter hatten Sotheby’s Chefauktionator Tobias Meyer am Abend der Versteigerungen für zeitgenössische Kunst das Leben schwer gemacht und für ein Gesamtergebnis von nur 47 Millionen Dollar gesorgt. Noch vor einem Jahr hatte das Auktionshaus allein durch die Versteigerung einer einzigen Arbeit von Francis Bacon ("Triptych", 1976) mehr als 86 Millionen Dollar verbucht.

Diese beiden Zahlen führen beeindruckend vor, wie viel härter das Geschäft mit der Kunst geworden ist. Es ist, als wolle man Äpfel mit Birnen vergleichen, merkte Tobias Meyer so treffend an. Waren es im Vorjahr noch 83 Lose gewesen, fuhr Sotheby’s dies Mal bescheidene 48 auf. Die Konkurrenz bei Christie’s hatte 54 Lose im Angebot. An begehrenswerte Arbeiten heranzukommen, ist eines der Probleme, das die Mitarbeiter der Auktionshäuser neuerdings plagt. Denn in wirtschaftlich angespannten Zeiten erscheinen Versteigerungen vielen Sammlern nicht als besonders attraktiv. Die vermittelten Privatverkäufe hingegen sollen sich bei beiden Unternehmen verdoppelt haben.

Doch dann gibt es zur Zeit natürlich diejenigen, die verkaufen müssen. So stammten einige der bei den Auktionen angebotenen Werke von angeschlagenen Hedge-Fund-Managern und Opfern des Finanzbetrügers Bernie Madoff. Obendrein kommt hinzu, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt. Auf zu hoch angesetzte Schätzpreise wie in manchen Fällen bei Sotheby’s, reagierten die Sammler allergisch. Wer nach wie vor gut bei Kasse war, freute sich über gesunkene Preise. Der Markt habe sich eingependelt, meinte Sammler Peter Brant, der mit seiner Ehefrau, Model Stephanie Seymour, ein Privatmuseum in Connecticut eröffnet hat. "Es ist die Zeit, um zu den Basics zurückzukehren, Business im Stil der alten Schule zu machen und wieder einen Sinn für die Realität zu entwickeln", sagte Brett Gorvy, einer der beiden Direktoren der Zeitgenossen-Abteilung bei Christie's, zum Auftakt der Auktionen.

Höhepunkt der Versteigerung war Hockneys "Beverly Hills Housewife"

Christie’s Erfolgsticket hieß Betty Freeman. Die 20 Arbeiten aus der Sammlung der Anfang des Jahres verstorbenen, legendären amerikanischen Kunstmäzenin stellten nicht nur das reizvollere Angebot dar, sondern wirkten für andere Anbieter wie ein Köder und bewogen sie dazu, ihre Kunst ebenfalls über Christie’s zu verkaufen. Mit der Auktion von zeitgenössischen Arbeiten fuhr das Haus insgesamt 93,7 Millionen Dollar ein – und lag damit knapp unter dem hohen Schätzwert von 104 Millionen. In Zeiten der neuen Bescheidenheit ein Grund zum Feiern. Wobei man auch hier nicht vergessen darf, dass eine vergleichbare Auktion Christie’s noch vor einem Jahr an die 350 Millionen Dollar eingebracht hatte. Höhepunkt der Versteigerung war David Hockneys "Beverly Hills Housewife" (1966–67), auf dem Betty Freeman vor ihrem Swimmingpool in L.A. posiert. Es erzielte einen Rekord von 7,9 Millionen Dollar. Eine weitere Arbeit aus Freemans Sammlung, "Frolic" von Roy Lichtenstein, ging für sechs Millionen Dollar, ebenfalls ein Rekord, an Larry Gagosian. Eli Broad schnappte sich eine Arbeit von Sam Francis ("Grey" von 1954) für 3,6 Millionen Dollar. Richard Diebenkorns "Ocean Park No. 117" erzielte stattliche 6,6 Millionen Dollar.

Auch wenn Sotheby’s das niedrigste Auktionsergebnis seit 2003 hinlegte und eine der Toparbeiten, ein mit Noten verziertes Hinterteil von Robert Gober, keine Bieter lockte, waren dennoch Erfolge zu verbuchen. Dazu zählte ein Rekord für Martin Kippenberger, dem das Museum of Modern Art gerade eine Ausstellung gewidmet hatte. Kippenbergers wenig schmeichelhaftes Selbstbildnis ("Untitled" von 1988) im von Picasso inspirierten Unterhosen-Look, ging für einen Rekord von 4,1 Millionen Dollar an den Züricher Kunsthändler Iwan Wirth. Für 5,5 Millionen Dollar (unter dem unteren Schätzpreis von 6 Millionen) erhielt Gagosian den Zuschlag für den von ihm vertretenen Jeff Koons und sein "Baroque Egg with Bow (Turquoise/Magenta)" von 2008, das der Hedge-Fund-Manager Daniel Loeb vor fünf Jahren erworben hatte. Außerdem ersteigerte Gagosian für 1,2 Millionen Dollar eine Arbeit von Cecily Brown ("Girls Eating Birds"), die er ebenfalls vertritt. Während beide Auktionshäuser wenig überraschend auf große Namen und Klassiker setzten, war der erst 30 Jahre alte New Yorker Künstler Dan Colen mit seinem Gemälde "Blow Me" von 2005 die Überraschung des Abends: Der erst Anfang 20-jährige Kunsthändler Vito Schnabel und Sohn von Julian Schnabel, ein Galerist aus Chelsea und der Kunstberater Mark Fletcher legten ein Bietgefecht hin. Das Bild ging schließlich für 386 500 Dollar an Fletcher, Tobias Meyers Lebensgefährten.

Toplose von Picasso und Alberto Giacometti fanden keine Interessenten

In der Vorwoche hatte Sotheby´s mit 61,4 Millionen Dollar bereits das niedrigste Ergebnis in sieben Jahren bei der Versteigerung von Impressionisten und Moderner Kunst verkraften müssen. Die beiden Toplose von Picasso und Alberto Giacometti, die beide jeweils 20 Millionen Dollar hatten einbringen sollen, fanden keine Interessenten. Christie’s erzielte immerhin 102,8 Millionen. Nie zuvor wurden so viele Werke von Tamara de Lempicka gleichzeitig versteigert. Auch hier hatte Christie’s die Nase vorn, als der Sotheby’s-Rekord vom Vorabend mit 4,8 Millionen Dollar für "Portrait der Marjorie Ferry" aus Wolfgang Joops Sammlung mit "Porträt der Madame M" für 6,1 Millionen Dollar übertrumpft wurde. Insgesamt machte der deutsche Modeschöpfer mit acht Werken von Lempicka, die früher in seinem New Yorker Penthouse hingen, mehr als 16 Millionen Dollar. Er war nicht der einzige, der glücklich über die Auktionsergebnisse gewesen sein wird. 14,6 Millionen Dollar brachte der von einem Madoff-Betrugsopfer versteigerte Picasso "Mousquetaire a la Pipe" von 1968 bei Christie’s. Der durch den Bau seines Palazzos im West Village in finanzielle Bedrängnis geratene Julian Schnabel versteigerte einen Picasso ("Femme au chapeau") aus seiner Sammlung für 7,7 Millionen Dollar. Den Rahmen, so wurde verkündigt, wolle Schnabel gern behalten.

Nicht nur Schnabel denkt an Sparmaßnahmen. Um Kosten einzudämmen, will Christie’s das Unternehmen umstrukturieren. Bereits vor den Auktionen hatte die Aktiengesellschaft Sotheby’s angekündigt, dass weitere fünf Prozent der weltweiten Stellen gestrichen werden sollen und die leitenden Angestellten eine Gehaltskürzung von zehn Prozent hinnehmen müssen. Was dadurch allein 2009 eingespart werden soll: 160 Millionen Dollar.

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