Ryan McGinness - Alternative Auktion

Kunst statt Designer-Wodka

Der New Yorker Künstler Ryan McGinness, 38, hielt eine alternative Auktion in seinem Atelier in Downtown Manhattan ab, bei der Arbeiten von Künstlerfreunden wie Erik Parker, Eve Sussman und Spencer Tunick im Wert von 51.300 Dollar unter den Hammer kamen. Das Geld floss direkt an die Künstler, die sonst üblichen Provisionen wurden nicht kassiert.

Top-Los des Abends war eine Arbeit von Ryan McGinness mit den für ihn so typischen grafischen Farbspielen. Der Künstler stammt ursprünglich aus der Surfer- und Skaterszene von Virginia. Er studierte in Pittsburgh und arbeitete dort im Andy Warhol Museum. Bis er sich in New York niederließ, wo er von der Deitch Gallery vertreten wird.

Herr McGinesss, war Ihre Versteigerung eine kritische Reaktion auf die New Yorker Auktionen?

Ryan McGinesss: Das Ganze fand im Rahmen meiner 50 Partys statt, bei der wir 50 Wochen lang jeden Freitag eine Feier mit einem bestimmten Thema in meinem Atelier veranstalten. Ohne Sponsoren, ohne versteckte Agenda. Einfach, damit Künstler und Kunstinteressierte zusammenkommen können. Veranstaltungen wie diese gibt es nicht mehr viele in Manhattan, wo es sich meistens darum dreht, dass ein Designer-Wodka oder irgendeine Neuerscheinung vorgestellt wird. Es geht mir darum, die alte Idee des Ateliers als Ort des Austausches wiederzubeleben. Künstler wie Damian Hirst oder Takashi Murakami haben den Begriff Factory wörtlich genommen und Fertigungsstätten für Kunst geschaffen, wo all dies nicht mehr stattfindet. Mir gefällt Andy Warhols Factory-Idee.

Aber warum eine Auktion als Party-Motto?

Ich wollte deutlich machen, dass die klassischen Auktionen nichts damit zu tun haben, Künstler zu unterstützen. Mir scheint es, als ob manche Sammler da etwas durcheinander bringen und nicht wirklich verstehen, dass sie bei Versteigerungen letztlich nur den Kunstmarkt unterstützen. Mir zum Beispiel haben Sammler erzählt, dass sie sich selbst zu meinen Förderern zählen, weil sie Arbeiten von mir ersteigern. Bei Auktionen werden Außenstehende einbezogen. Um dabei zu sein, braucht man nur Geld zu haben. Das Ganze hat nichts damit zu tun, für eine Arbeit ein gutes zu Hause zu finden oder die Kultur zu wahren.

Bei der Aktion klammerten Sie auch die Galeristen aus – wie haben die reagiert?

Die Galeristen haben uns sehr unterstützt. Wir sind ja nicht gegen Auktionshäuser oder die Vertretung durch Galeristen, sondern wollten ein alternatives Konzept anbieten, bei dem das Geld komplett an die Künstler geht. Der große Irrtum liegt doch grundsätzlich darin, den Verkaufspreis einer Arbeit mit dessen Wert gleichzusetzen.

Wollen Sie in Zukunft weitere alternative Auktionen für junge Nachwuchskünstler veranstalten?

Das Risiko dabei wäre, dass die Künstler nicht in die richtige Richtung geschickt werden und konsumierbare Kunst für den Markt produzieren, anstatt sich unabhängig davon zu entwickeln. Aber mir gefällt die Idee, dass Sammler und Künstler stärker verbunden sind. Das Problem bei den Auktionen ist doch, dass man die Arbeiten dort aus dem Zusammenhang gerissen sieht. Zu meiner Überraschung musste ich außerdem feststellen, dass die Angaben zu meinen Bildern oftmals fehlerhaft waren. Titel oder die Jahresangaben stimmten nicht, die Angaben zur Herkunft waren falsch. Es ist wirklich überraschend, wie wenig Mühe die Auktionshäuser aufwenden. Um Fehler wie diese zu vermeiden, reicht doch nur ein Anruf im Atelier des Künstlers.

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