Pablo Picasso - Christie's

Es war der Picasso aus der Brody-Collection!

Als in New York die berühmte kalifornische Sammlung des Ehepaars Brody bei Christie's versteigert wurde, erzielte wieder mal ein Picasso-Werk den Weltrekord. art sprach mit Andreas Rumbler, Geschäftsführer von Christie's Deutschland, über den Marktappeal Picassos.
"Es war der Picasso aus der Brody-Collection!":Der Marktappeal von Picasso

"Ich verrate keine Käufernamen – nicht einmal unter ärgster Folter", sagt Andreas Rumbler, Geschäftsführer von Christie's Deutschland

Herr Rumbler, warum wieder ein Picasso? Nach nur drei Monaten löste das in Ihrem Auktionshaus in New York für 106,5 Millionen Dollar versteigerte Gemälde "Nackte, grüne Blätter und Büste" den vorübergehenden Rekordhalter, Albert Giacomettis "Schreitenden Mann" (104,3 Millionen Dollar), ab. Auch zuvor hielt Picasso mit seinem Gemälde "Jüngling mit Pfeife" (104 Millionen Dollar) den Weltrekord.

Andreas Rumbler: Wenn wir fragen, welcher Künstler alle wichtigen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts behandelt hat, dann fällt immer wieder der Name Pablo Picasso – er ist ja fast 100 Jahre alt geworden. Infolge seiner Schaffenswut und seiner unheimlichen Vitalität ist er mit seinem umfangreichen Oeuvre neben Warhol sicher der in unserem täglichen Leben präsenteste Künstler des letzten Jahrhunderts.

Trotzdem unterliegt auch Picasso bei Auktionen Schwankungen. Warum erzielt ein – zugegeben schwächeres – Gemälde tags darauf bei Ihrem Konkurrenten Sotheby's nur enttäuschende 8,25 Millionen Dollar?

Das besagte Bild "Femme au grand chapeau, Buste" von 1965 ist in der Bedeutung und Qualität gar nicht vergleichbar. Wenn so ein Bild trotzdem acht Millionen Dollar erzielt, dann zeigt das doch, wie hoch internationale Sammler das gesamte Werk von Picasso einschätzen.

Was aber macht gerade diesen Akt seiner schlafender Geliebten Marie-Thérèse Walter von 1932 so attraktiv? Die Provenienz? Die begehrte Werkphase? Die Marktfrische?

Es war der Picasso aus der Brody-Collection! Das Gemälde wurde über 50 Jahre nicht zum Verkauf angeboten. Die Brodys haben es 1951 bei dem aus Paris stammenden Picasso-Händler Paul Rosenberg in New York erworben, und es hing bis zum Tod der Witwe Frances Brody 2009 in ihrem Privathaus in Los Angeles. Solch eine Provenienz findet man heute kaum noch.

Picasso, der ewige Womanizer. Wird das Bild nicht auch durch Picassos abenteuerliche Biografie aufgewertet?

Was die Betrachter auch bei diesem Bild begeistert, ist die mitschwingende Erotik. Die hübsche, junge Marie-Thérèse und ein 50-jähriger Künstler auf der Höhe seines Schaffens. Heute würde man vermuten, dass sich Picasso in einer Midlife Crisis befand. Aber er startet noch einmal so richtig durch und erfindet sich wieder einmal neu. Sie müssen sich die Größe des Bildes vorstellen, mit 1,62 x 1,35 Metern ist es wahrlich monumental. Man kannte in dieser Zeit kaum solche Formate. Und dann die durchdachte, kühne Komposition: Picasso verschmilzt quasi das schmale Hochformat des klassischen Porträts mit dem Querformat der Landschaftsdarstellung und des Stilllebens. Er bedient sich aller möglicher Stilmittel, die er in Perfektion beherrscht und auch ausspielt.

Hat sich Picasso in dieser Werkphase nicht besonders stark an Henri Matisse angelehnt?

Matisse war der Hauptkonkurrent von Picasso in den dreißiger Jahren – er war genauso umjubelt. Matisse hatte kein Problem mit Picasso, aber Picasso eines mit Matisse. Er wollte immer der Größte sein und hat argwöhnisch beäugt, welche Erfolge Matisse zu dieser Zeit gefeiert hat. Für Matisse wurden damals riesige Retrospektiven organisiert – unter anderem im MoMA in New York. Obwohl Picasso immer seinen eigenen Stil gemalt hat, war er gleichzeitig fasziniert von der gewissen mediterranen Leichtigkeit des Kollegen. Nehmen Sie diese wunderbaren Akanthusblätter im Hintergrund des Bildes. Das ist natürlich von Matisse beeinflusst. Picasso versuchte aber nicht ein ganzes Bild im Stil von Matisse zu malen, sondern er nahm sich einfach ein Element, schmückte damit sein Bild aus. Nach dem Motto: Das kann ich auch, aber mehr brauche ich mir nicht zu nehmen.

Um so bedauerlicher, dass das Gemälde nun der Öffentlichkeit entzogen sein wird, weil es bei einem Privatsammler gelandet ist..

Ich glaube, dass wir das Bild in großen, wichtigen Retrospektiven wiedersehen werden. Da wird es angefragt und auch sicher ausgeliehen werden.

Welche Indizien sprechen dafür?

Der Käufer, der ein generelles Verständnis dafür hat, dass diese Ikone nicht gänzlich vor der Öffentlichkeit versteckt bleiben kann.

Ihr New Yorker Kollege Christopher Burge sagte nach der Auktion, dass er den Namen des anonymen Käufers nicht einmal unter Folter preisgeben würde. Und Sie?

Das gilt auch für mich: nicht einmal unter ärgster Folter!

Warum erzielen selbst in Krisenzeiten die als solide Werte betrachteten Alten Meister niemals solche Spitzenpreise?

Die wirklichen Meisterwerke der alten Kunst befinden sich in der Regel längst in Museen. Wenn heute ein ähnliches Meisterwerk von Rubens oder Rembrandt auf den Markt käme, würde ein Sammler sicher auch bis zu 100 Millionen Dollar bieten. Der Markt bleibt allerdings nur in Bewegung, wenn es auch entsprechende Angebote und damit auch mögliche Verkäufe gibt.

"Juxtaposed - Masterpieces through the ages"

Mit Arbeiten von Gogh, Picasso, Monet, Rubens, van Dyck, Hirst, Matisse und Warhol. Termin: bis 17. Juni, Christie's London
http://www.christies.com/