BRAFA Antiquitäten- und Kunstmesse - Brüssel

Neuerwachte Wunderkammer

Die BRAFA gleicht einem Gemischtwarenladen auf sehr hohem Niveau, von der afrikanischen Maske bis Tim und Struppi, vom Sportwagen bis Max Ernst gibt es alles, was das Kunstsammlerherz höher schlagen lässt.

Sie ist genau das Richtige für Liebhaber einer etwas anderen Mischung von Kunst und Antiquitäten: Die zum 56. Mal stattfindende "Brussels Antiques and Fine Art Fair" - Brafa. Bei wohl keiner anderen Messe könnte man mit einem bodenlangen Federschmuck eines Häuptlings der Sioux aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausmarschieren.

Oder sich von einem kleinen Wolkenbild von René Magritte hinreißen lassen, Originalzeichnungen des Comic-Künstlers Hergé erwerben, sich für die unangefochtene Qualität und Vielfalt der afrikanischen Kunst begeistern oder aber mit einem silbernen Sportwagen Typ A, erbaut 1934 von Auto Union, davonbrausen. In Brüssel geht all das unter dem hohen Dach des früheren Postfuhramtes Tour & Taxis.

Wenn von Belgien die Rede ist, klingen immer auch im Unterton die surrealen Komponenten mit, die die Kunst und Künste in diesem Land auszeichnen. Ob es die von Wim Delvoy tätowierten Ferkel sind, die nun ausgewachsen und präpariert auf dem Messestand der Guy Pieters Gallery aus Knokke-Heist auf Liebhaber seines skurrilen Humors warten oder die kleinen mit Kugelschreiber bedeckten Zeichnungen an der Grenze zu einem in Richtung Yves Klein changierenden Blau von Jan Fabre und die Flugmaschinen und zarten Zeichnungen von Panamarenko, denen man hier gerne wieder begegnet, etwa bei der Galerie Jamar aus Antwerpen, die auch Arbeiten auf Papier von Marcel Broodthaers und dem Belgier Léon Spillaert (1881 bis 1946) im Angebot hat. Dieser feine Aquarellist ist auch bei Francis Carette (Brüssel) mit einer sehr schönen Ansicht des Belfrieds von Gent zu finden, die aussieht wie ein Blick auf einen Wolkenkratzer in New York im Gegenlicht. Seit der späten Entdeckung lecken sich vor allem französische Sammler die Finger nach seinen Blättern. So auch auf dem bald stattfindenden „Salon du Dessin“ in Paris.

Nur wenige deutsche Aussteller sind auf dem Pflaster der Brafa heimisch geworden – manche aber mit Begeisterung. Roswitha Eberwein, Spezialistin für Ägyptische Kunst sagt: "Die Qualität der afrikanischen Kunst ist hier traditionell so überzeugend, dass wir uns da seit sechs Jahren dran gehängt haben. Wir haben sogar den einen oder anderen Stammkunden gewonnen." Die Düsseldorfer Galerie Ludorff bereichert die Messe mit der etwas zu knapp kommenden klassischen Moderne mit Werken von Emil Nolde, Alexej Jawlensky, Max Ernst und Hans Hartung. Numisart Ancient Art aus München ist in diesem Jahr zum erste Mal mit einer erlesenen Auswahl römischer Skulpturen und Schmuck aus der Bronzezeit vertreten, der so zeitlos wirkt, dass die Unterarmbänder aus dehnbaren Spiralen wie übermorgen entworfen ausschauen. Der Trend zu Wunderkammerobjekten ist unübersehbar – auch in der Präsentation der kunsthandwerklichen, exotischen, mineralischen Objekte. So zum Beispiel bei Finch & Co aus London. Da reihen sich die Sachen und Sächelchen auf den Stand umlaufenden Regalen, im Zentrum die prachtvollen Adlerkronen der Sioux für stolze 17 000 bis 28 500 Euro. In vielen Schränken und Kabinetten drängen sich die Tödlein (kleine Skelettdarstellungen) und gedrechselten Pokale, die einstmals der Erbauung und Bildung galten. Besonders stolz ist die erstmals an der Brafa teilnehmende portugiesische Galerie AR-PAB aus Lissabon über einen Elfenbein-Schrein aus Sri Lanka aus dem 17. Jahrhundert. Wie ein Gehäuse aus Spitze umhüllt das luftige Kästchen Madonna mit Kind. Vergleichbares gäbe es nur noch zweimal auf der Welt, meint der Aussteller, und das nur in Museumsbesitz.

Der frühere Förderer des neu erwachten Wunderkammergedankens, Axel Vervoordt, gibt sich indes immer minimalistischer. Zwei tiefe Sessel des Poeten, Industriedesigner und Gründer des Domus Magazin, Gio Ponti (1891 bis 1979) mit dem Originalbezug sowie zwei Paneele des amerikanischen Möbeldesigners Phillip Lloyd Powell (1919 bis 2008) sind auf dem stark herunter gedimmten Stand effektvoll angeleuchtet. Ausschließlich dem Design unter dem Titel "signé sornay" hat die Pariser Galerie Alain Marcelpoil eine One Man Show eingerichtet. Das Reduzierte steht zwischen dem Opulenten. Das Pariser Unternehmen Steinitz hat wieder hinter Portieren und vor Holzvertäfelungen die ganze Pracht und Lebensfreude des 18. Jahrhundert aufgefahren. Ein wechselvoller Parcours eröffnet sich dem Besucher, eben eine spezielle Mischung, aber sehr reizvoll. Wer nebenher noch zeitgenössische Kunst in Brüssel sehen will, kommt ein bisschen kurz: Catherine Bastide zieht um, Barbara Gladstone bereitet eine neue Ausstellung vor, Patrick de Rom bereitet sich auf den Salon du Dessin und Maastricht vor, aber im Kulturzentrum Wiels (www.wiels.org) ist noch bis Ende des Monats Francis Alÿs zu sehen.

21. bis 30. Januar, 11 bis 19 Uhr
http://www.brafa.be

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