Hedgefonds-Messe - New York

Messe für Millionäre

Der Sammler Richard Ekstract ist in der Kunstwelt bis jetzt für seinen jahrelangen Streit um Warhol-Porträts bekannt. Jetzt will er eine Messe im Vorgarten der Hedgefonds-Manager eröffnen, in einem Reitclub in Connecticut.
Kunst für Heuschrecken:Eine neue Messe im Großraum New York

Eileen und Richard Ekstract bei einer Benefiz-Gala

Die Hedgefondsmanager machen schnell verdientes Geld und vor allem viel davon. Dementsprechend locker sitzen die Dollars, wenn es um den Kauf von Kunst geht. So hatte Richard Ekstract, Herausgeber von Magazinen mit Titeln wie "Connecticut Cottages and Gardens", die für die Ehefrauen der betuchten Herren gemacht sind, die clevere Idee, die Kunst zu den reichen Kunden zu bringen – und nicht wie sonst auf der Armory in New York City oder bei der Messe in Miami üblich die Kunden zur Kunst. Seine Messe "Greenwich Art 2011", die Mitte September starten soll, findet dort statt, wo viele "Hedgies", so der Spitzname der finanzkräftigen Investmentbanker, wohnen: in der Nähe von Greenwich in Fairfield County, Connecticut. Ein Landstrich mit überdurchschnittlich vielen Millionären, mehr als 80 000 wie eine Studie ergab.

Acht Milliardäre, die meisten von ihnen "Hedgies", haben sich in Greenwich niedergelassen. Darunter Sammler Steven Cohen, Eigentümer von Damien Hirsts berühmten Hai in Formaldehyd und Willem de Koonings "Woman III", die er 2006 für 137,5 Millionen Dollar gekauft hatte. Das benachbarte Westchester County von New York ist ebenfalls ein beliebtes Domizil der Reichen. Die Messe wird hier im "Ox Ridge Hunt Club" steigen, einem exklusiven Reiterverein im malerischen Ort Darien. "Zeitgenössische und Nachkriegskunst mit Investitionsqualität in das Herz von Amerikas reichster Bevölkerung zu bringen ist eine zeitgemäße Idee", erklärt Messeveranstalterin Susan Reuter auf der Website von "Greenwich Art 2011".

Richard Ekstract, der sein Vermögen seit 1959 mit Handels- und Verbrauchermagazinen für die Technologiebranche machte, ist selbst leidenschaftlicher Sammler und in der Kunstwelt vor allem wegen des Streits um die Echtheit von Andy Warhols berühmten Selbstporträts aus der "Red Series" ein Begriff. Ekstract hatte Warhol Anfang der sechziger Jahre Filmequipment geliehen und erhielt im Gegenzug die Genehmigung, die nach wie vor umstrittenen Porträts aus der Serie von Warhol zu drucken. Ekstract wählte Warhols Bild als Aufmacher auf der Website für seine neue Messe. Ansonsten bekam der Unternehmer viel unfreiwillige Presse für den geplanten Verkauf seines Landsitzes in den Hamptons, den ein Blogger mit dem Anwesen von Gordon Gekko aus dem Filmklassiker "Wall Street" verglich und das laut "Wall Street Journal" im Herbst 2010 trotz der drastischen Preissenkung von 18 Millionen auf 7,99 Millionen Dollar bislang keinen Käufer fand. Den Zeitpunkt für seine Messe hält Ekstract für hervorragend: "Wir hatten uns dazu entschlossen zu warten, bis der Kunstmarkt sein beachtliches Wachstum wieder aufnimmt."

Geplant ist die Teilnahme von 60 Galerien, ein Großteil stammt aus Europa, Asien und Lateinamerika. Aber auch New Yorker Kunsthändler aus der Nachbarschaft sind dabei. Erlöse aus den Messeticketverkäufen werden an Museen aus der Umgebung weitergeleitet. Eine Auktion und weitere Spendenaktionen während des Messewochenendes sollen die lokalen Kassen zusätzlich füllen. Als besondere Attraktion sollen Wallstreet-Banker, "Hedgies" und andere Millionäre ihre Häuser öffnen, um Museumsdirektoren, Kuratoren und eingeladenen Gästen ihre privaten Kunstschätze vorzuführen. Das Ganze wird eine große Attraktion, sowohl für internationale Händler als auch für die Sammler, glaubt Unternehmer Ekstract. Auf seiner Facebook-Page erklärt er seine Philosophie: "Das Rezept für Erfolg: Finde Bedarf und fülle ihn aus." Bleibt nur die Frage, ob die vielen Finanzjongleure tatsächlich lieber teure Kunst vor ihrer Haustür shoppen als zur VIP-Vernissage nach Miami zu jetten.

Greenwich Art Fair 2011

15.-18. September
http://www.greenwich-art.com/about/

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