Auktionen: Impressionismus - London

Die Versteigerung der Sammlung Beyeler

Am vergangenen Mittwoch versteigerte die Galerie Beyeler ihre Bestände. Sotheby's konnte mit einem Bild von Egon Schiele einen Rekordpreis erzielen. Bei Christie's hatte Picasso mal wieder die Nase vorn.

Rekorde gehören einfach zum Auktionsgeschäft. Einen solchen erzielte Sotheby's auf seiner Abendauktion mit einer schönen Stadtansicht von Egon Schiele. "Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)" (1914) zeigt das südböhmische Krumau und entfachte ein heftiges Bietgefecht.

Es wurde schließlich für 22 Millionen Pfund Marc Poltimore zugeschlagen, der sich bei Sotheby’s hauptsächlich um russische Kunden kümmert. Das Haus hatte, über einen Dritten, einen Minimalpreis für das Bild garantiert, der wohl überschritten wurde. Und so waren alle glücklich, auch das Wiener Museum Leopold als Einlieferer.

Tische dagegen gehören eigentlich nicht in eine Auktion mit Werken des Impressionismus und der klassischen Moderne. Doch dem im vergangenen Jahr gestorbenen Baseler Kunsthändler Ernst Beyeler verzeiht man vieles. Los 1 der 40 Werke seiner Sammlung, die die Fondation Beyeler auf Christie’s Abendauktion versteigern ließ, wurde als "Tapeziertisch aus spanischem Nussbaum" beschrieben, Schätzwert acht bis 12000 Pfund. Dass Beyelers Schreibtisch dann schließlich nach hitzigem Gefecht für sage und schreibe 240 000 Pfund einem anonymen Bieter zugeschlagen wurde, zeigt, wie sehr der große Galerist geschätzt wird. Ein weiterer, von Diego Giacometti entworfener und wie ein bronzener Baum aussehender Tisch, auf dem das Faxgerät in Beyelers Büro stand, erzielte gar 540 000 Pfund.

Beyelers Sammlung erzielte insgesamt 49 Millionen Pfund, und der gesamte Erlös geht an seine Baseler Stiftung, die mit dem Ergebnis verständlicherweise äußerst zufrieden war. Teuerstes Los war "Buste de Françoise" (1946) von Pablo Picasso, ein Porträt von Françoise Gilot, das für 9,5 Millionen Pfund zugeschlagen wurde. Nur ein Los blieb unverkauft, ausgerechnet das Toplos. Claude Monets "Nymphéas" sollte zwischen 17 und 24 Millionen Pfund einbringen, doch bei 15 Millionen hörte das Interesse auf. Eine vom Einlieferer gewünschte, aber überhöhte Taxe war wohl der Grund.

Die erfolgreiche Versteigerung der Evill/Frost Collection bei Sotheby's in der vergangenen Woche, bei der sämtliche Lose einen Käufer fanden, hatte es schon angedeutet: Die guten Zeiten sind endgültig zurückgekehrt. Die umfangreiche Sammlung britischer Kunst des 20. Jahrhunderts erzielte 42 Millionen Pfund, mehr als zweimal soviel wie die obere Taxe von 19 Millionen. Bei den Abendauktionen für Impressionismus und Klassische Moderne der beiden großen Häuser setzte sich dieser Aufwärtstrend fort.

Christie's dreistündige Mammutauktion mit 92 Losen, die mit der Sammlung Beyeler begann, erbrachte insgesamt 140 Millionen Pfund und zeigte, dass Picasso die Nase vorn hat. Ein Porträt des Spaniers, "Femme assise, robe bleu" (1939), das seine damalige Geliebte Dora Maar mit blauem Kleid und Hut zeigt, wurde bei einer Taxe von vier bis acht Millionen Pfund dem griechischen Sammler Dimitri Mavrommatis für 16 Millionen Pfund zugeschlagen. Kurz davor hatte der Londoner Händler Alan Hobart 13,5 Millionen Pfund für eine schlafende Thérese Walther von 1935 gezahlt. Der anonyme Einlieferer will den Erlös der Universität von Sydney für medizinische Forschung zur Verfügung stellen.

Auch andere Künstler verkauften sich gut, und Auktionsrekorde gab es genug. Etwa für den deutschen Expressionisten August Macke, dessen farbenfrohes Aquarell "Im Bazaar" (1914) einem Telefonbieter für 3,5 Millionen Pfund zugeschlagen wurde, fünfmal soviel wie die obere Taxe. Und auch die 3,7 Millionen Pfund für eine "Tänzerin" von Paul Klee waren ein Rekord für den Maler. Dieses Bild, ebenso wie das Toplos von Picasso und eine Arbeit von Wassily Kandinsky, hatten ihre Einlieferer bei Ernst Beyeler gekauft – ein weiterer Beweis für seine Bedeutung im Kunstmarkt. "So jemanden wie ihn wird es nie mehr geben", meinte ein Mitarbeiter von Christie's resigniert.

Sotheby's Abendauktion war mit 35 Losen zwar sehr viel bescheidener als beim Konkurrenten, doch es wurde gut verdient. 96 Millionen Pfund wurden eingefahren, das sind im Durchschnitt drei Millionen pro Los, so rechneten die Statistiker flink aus, mehr als doppelt soviel wie bei Christie's. Die beiden Häuser lieben nichts mehr, als den anderen auszustechen, und wenn reine Zahlen nicht ausreichen, müssen eben andere Vergleiche her.

Dass bei Auktionen auch gelacht werden darf, zeigte Sotheby’s Auktionator, als er eine Zeichnung von Egon Schiele aufrief. "Los 33, den Titel werde ich nicht verlesen", verkündete er unter schallendem Gelächter, "dazu bin ich zu britisch." Schieles Blatt von 1913 trägt den Titel "Onanierende Frau mit gespreizten Schenkeln".