Verkauf der Holbein-Madonna - Frankfurt

Duell um eine Madonna

Unternehmer Reinhold Würth überbietet das Städel Museum und kauft die Holbein-Madonna für einen Rekordpreis. Die "Schutzmantelmadonna" wird bald in Schwäbisch Hall gezeigt
Bieterschlacht:Reinhold Würth kauft die Holbein-Madonna für Rekord

Seit 10 Jahren versuchte das Haus Hessen dieses Bild zu verkaufen. Hans Holbein der Jüngere (1497/98 bis 1543): "Die Madonna mit der Familie des Bürgermeisters Meyer", (1525/26) Öl auf Nadelholz,

Wie das Künzelsauer Unternehmen am Mittwochabend mitteilte, hat Würth die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren (1497 bis 1543) gekauft. Über den Preis wurden – auch auf Anfrage – keine Angaben gemacht. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet in ihrer Donnerstagausgabe, beim Kaufpreis handele es sich "mit weitem Abstand um die höchste Summe, die jemals in Deutschland für ein Kunstwerk bezahlt wurde". Eine Quelle für diese Angaben nannte die Zeitung nicht. Weltweit sei es der zweithöchste Preis, der je für einen Alten Meister bekannt geworden sei – nach Rubens' "Bethlehemitischem Kindermord", den der kanadische Medienmogul David Thomson 2002 für 45 Millionen Pfund (damals gut 70 Millionen Euro) in London ersteigert habe. Laut "FAZ" steht die Schutzmantelmadonna auch auf der nationalen Liste der zu schützenden Kulturgüter und darf nicht ausgeführt werden.

An dem Gemälde interessiert war auch ein Konsortium um das Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt, welches das Bild Ende 2009 für 40 Millionen Euro erwerben wollte. Den bisherigen Eigentümern – der Erbengemeinschaft Hessen – war das zu wenig.

Vermittelt wurde der Deal von Kunstberater Christoph Graf Douglas. Würth zufolge ist das "wohl bedeutendste deutsche Tafelbild der Frührenaissance" eines der herausragendsten Kunstwerke, die in Deutschland in den vergangenen 60 Jahren vermittelt wurden. Das Gemälde war seit 2003 im Frankfurter Städel Museum zu sehen, zuvor in Darmstadt. Unternehmer Würth betonte, die Holbein-Madonna werde weiter für die Öffentlichkeit zugänglich sein – bevorzugt würden das Städel Museum in Frankfurt und das Landesmuseum in Darmstadt als Leihnehmer.

Hans Holbein der Jüngere hatte das Bild für den Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen gemalt. Die auf Nadelholz gemalte Tafel entstand 1526/28 und wurde von Kunsthistorikern immer wieder mit der Sixtinischen Madonna von Raffael verglichen. Zu den Hessen gelangte das Gemälde über Umwege 1822 durch Prinz Wilhelm von Preußen in Berlin. Er hatte es gekauft und seiner Ehefrau Prinzessin Marianne von Hessen-Homburg geschenkt. Über deren Erbschaft gelangte das wichtige Kunstwerk in der Mitte des 19. Jahrhunderts in das Eigentum der Großherzöge von Hessen und bei Rhein. Reinhold Würth hatte 2003 bereits die bedeutende Sammlung mittelalterlicher Tafelbilder aus dem Hause Fürstenberg gekauft, die heute in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall zu sehen ist.

Die Holbein-Madonna wird nach dem Millionenverkauf an den Unternehmer Reinhold Würth bald aus dem
Frankfurter Städel Museum verschwinden. Das Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren (1497 bis 1543) sei noch bis 24. Juli in einer Städel-Präsentation zu sehen, danach werde es voraussichtlich in der Johanniterhalle der Sammlung Würth in Schwäbisch Hall gezeigt, teilte das Städel Museum am Mittwochabend mit. "Wir freuen uns aber, dass die Sammlung Würth einer künftigen Wiederausleihe der Holbein-Madonna an das Städel Museum grundsätzlich
positiv gegenübersteht", sagte Städel-Direktor Max Hollein laut Mitteilung.